T-Aktie verhinderte Schlimmeres
Deutsche Aktienmärkte schließen im Minus

Überwiegend schwach ausgefallene Konjunkturdaten und massive Kursverluste der Technologiewerte haben am Dienstag die deutschen Aktienmärkte ins Minus gedrückt. Allerdings verhinderten stark anziehende Titel der Deutschen Telekom einen noch deutlicheren Rückgang. Die Telekom-Papiere profitierten von Spekulationen über eine Ablösung von Vorstandschef Ron Sommer.

Reuters FRANKFURT/M. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) senkte seine bisherige Wachstumsprognose für 2003 für Deutschland leicht nach unten auf 2,0 Prozent. Auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschlechterte sich im Juni, was für die Jahreszeit ungewöhnlich ist. Die mit Spannung erwarteten Vorschläge von US-Präsident George W. Bush zur Verschärfung der Strafen für bestimmte Wirtschaftsdelikte wurden von Börsianern zurückhaltend aufgenommen.

Der Deutsche Aktienindex schloss 1,6 Prozent schwächer bei 4369,76 Zählern, während der Auswahlindex des Neuen Marktes Nemax-50 um 1,7 Prozent auf 566,01 Punkte fiel. Der Nebenwerte-Index MDax lag unterdessen 0,5 Prozent im Minus bei 3891,24 Stellen. Der Dow Jones EuroStoxx50 der größten europäischen Aktien gab um 1,2 Prozent auf 3036 Zähler nach. Derweil näherte sich der Euro angesichts anhaltender Sorgen um die Bilanzierungspraktiken von US-Konzernen erneut der Parität zum Dollar an.

Konjunkturdaten belasten

Die etwas pessimistischere Konjunkturprognose des DIW habe den Markt nach unten gezogen, sagte ein Händler. "Das will der Markt nicht hören." Daran änderten auch die leicht über den Erwartungen liegenden Zahlen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) nichts, sagten andere Börsianer. Der Saldo der vom ZEW ermittelten Konjunkturerwartungen für Juli sank zwar auf 69,1 Punkte von 69,6 Zählern im Vormonat. Experten hatten jedoch mit einem noch stärkeren Rückgang auf 67,7 Stellen gerechnet.

Die jüngsten Vorschläge des US-Präsidenten Bush zur Verdoppelung der Höchststrafen für bewusste Falschinformationen durch Manager und zur Verbesserungen der Börsenaufsicht bezeichneten Marktteilnehmer als Aktionismus und Augenwischerei. Dadurch werde niemand ernsthaft von Betrügereien abgehalten. Um die in jüngster Zeit bekannt geworden Bilanzmanipulationen dauerhaft zu unterbinden, müsse stattdessen die enge Verflechtung der Unternehmen mit den Investmentbanken aufgelöst werden, hieß es weiter. Ob dies jedoch gelinge, sei sehr zweifelhaft.

Gewinnmitnahmen drücken Technologie-Werte

Die Technologiewerte wurden Händlern zufolge erneut von Gewinnmitnahmen belastet, die noch von den Kurssteigerungen vom vergangenen Freitag motiviert waren. Der Branchenindex für diesen Sektor im Dax fiel um 4,6 Prozent. Die Aktien des Börsenschwergewichts Siemens verbilligten sich nach einer Senkung des Kursziels durch die Investmentbank Lehman Brothers auf 50 von 60 Euro um mehr als fünf Prozent auf 59,32 Euro. Damit war allein dieser Titel für einen Verlust des Dax-Barometers von knapp 25 Punkten verantwortlich.

T-Aktie schwankt hin und her

Die T-Aktie schloss bei stark überdurchschnittlichen Umsätzen 6,8 Prozent fester bei 11,32 Euro, nachdem sie zuvor in einer Spanne von mehr als zwölf Prozentpunkten geschwankt hatte. Einem Magazinbericht zufolge will Telekom-Chef Sommer am kommenden Montag seinen Rücktritt erklären. Außerdem hieß es aus Kreisen, das Präsidium des Telekom-Aufsichtsrats werde noch im Tagesverlauf bei einer außerordentlichen Sitzung über die Zukunft Sommers beraten.

Kurz vor Börsenschluss drehte die "Aktie Gelb" ins Minus und schloss 0,8 Prozent schwächer bei 13,21 Euro. Einem vorab veröffentlichten Zeitungsbericht zufolge muss die Deutsche Post zum Jahreswechsel das Briefporto senken, wodurch Einnahmeausfälle von 1,5 Milliarden Euro bis 2007 zu erwarten seien. Die Portoentscheidung wurde inzwischen aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen bestätigt.

Erste Kauf-Interessenten für Babcock

Im MDax legten die Aktien von Babcock Borsig um gut 13 Prozent auf 0,95 Euro zu. Nach der gescheiterten Sanierung des Maschinenbauers meldete sich mit dem US-Finanzinvestor One Equity Partners (OEP) ein erster Kaufinteressent für einige Unternehmensteile. Nach Börsenschluss teilte der Babcock-Aufsichtsrat mit, Horst Piepenburg zum neuen Vorstandschef und Helmut Balthasar zum neuen Finanzvorstand berufen zu haben.

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