T-Aktie zeitweise bei 9,71 Euro
US-Verbrauchervertrauen drückt Dax-T-Aktie unter 10 Euro

Ein deutlich schwächer als erwartet ausgefallener Index für das Verbrauchervertrauen in den USA hat am Freitag enormen Verkaufsdruck an den deutschen Aktienmärkten ausgelöst.



Reuters FRANKFURT. Der Deutsche Aktienindex (Dax) fiel zeitweilig um knapp fünf Prozent auf den tiefsten Stand seit Anfang Oktober 2001. Am Neuen Markt brachen die Indizes auf neue Rekordtiefstände ein. Zu den branchenübergreifenden Verkäufen kam es, nachdem der Index des US-Verbrauchervertrauens laut New Yorker Finanzkreisen im Juni kräftig auf 90,8 von zuvor 96,9 Punkten im Mai gefallen war. Ein neues Rekordtief markierten auch die Aktien der Deutschen Telekom, die zum ersten Mal unter die psychologisch wichtige Marke von zehn Euro rutschten.

Der Dax ging mit einem Verlust von 3,7 Prozent auf 4303 Stellen ins Wochenende, nachdem er zuvor zeitweilig um 4,9 Prozent auf ein Tagestief bei 4252 Punkten gefallen war. "Ich habe schon lange keine Vier vor dem Komma gesehen", kommentierte ein Börsianer den prozentualen Abschlag. "Das ist schon schockierend."

Nachdem der Dax endgültig durch die wichtige Unterstützung bei 4450 Punkten gefallen sei, werde er vielleicht zunächst im Bereich von 4100 Punkten einen Boden finden, sagte Alfred Kaiser, Analyst beim Bankhaus Nols. Die weitere Entwicklung am Montag sei nur sehr schwer zu prognostizieren, fügte er hinzu. "Nach dem Absturz von vier Prozent heute kann sich am Montag der Ausverkauf fortsetzen. Andererseits ist die Chance recht groß, dass der Markt den Verlust von heute um ungefähr 50 Prozent gegen korrigiert", sagte Kaiser.

Nemax50 auf Rekordtief

Am Neuen Markt markierten die Indizes neue Rekordtiefstände. Der Blue-Chip-Index Nemax50 schloss um 3,4 Prozent schwächer bei 648 Zählern. Zuvor war er um sieben Prozent auf 624 Punkte und damit unter sein Tief vom September vergangenen Jahres gefallen. Der MDax für die mittelschweren Werte gab um 1,9 Prozent auf 4077 Zähler nach.

An den Märkten in New York verzeichnete der Industriewerte-Index Dow Jones bei Börsenschluss in Frankfurt ein Minus von 1,1 Prozent auf 9397 Stellen und durchbrach damit die wichtige Unterstützungsmarke bei 9500 Punkten. Der Technologie-Index Nasdaq gab um 0,3 Prozent auf 1492 Stellen nach.

Die Tatsache, dass das Vertrauen der US-Verbraucher in die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes nach vorläufigen Daten im Juni stark gesunken war, ließ die internationalen Aktienmärkte ihre bereits im frühen Verlauf verbuchten Verluste massiv ausweiten. "Das Verbrauchervertrauen war deutlich schwächer als im Vormonat und lag auch deutlich unter den Erwartungen", sagte Nols-Analyst Kaiser. Von Reuters befragte Volkswirte hatten einen deutlich höheren Indexstand von 96,8 Punkten vorausgesagt.

"Im Zusammenspiel mit den US-Einzelhandelsumsätzen von gestern, die auch unter den Erwartungen lagen, zeigt das, dass der Konsum in den USA noch nicht angesprungen ist", fügte Kaiser hinzu. "Das wird nicht zu einer ernsthaften Beschleunigung des Bruttoinlandsproduktes in den USA führen, da der Verbraucherkonsum ungefähr zwei Drittel des BIP ausmacht", sagte er weiter. In der Folge dürften sich diese Faktoren nach Einschätzung des Experten negativ auf die Unternehmensgewinne auswirken.

Die T-Aktie fiel in der Spitze um knapp fünf Prozent auf ein Allzeittief bei 9,71 Euro. Mit dem Unterschreiten der symbolischen Marke von zehn Euro wachse der Druck auf den Telekom-Chef Ron Sommer, sagte ein Händler. Sollte er wie von vielen Aktionären gefordert zurücktreten, werde sich die Aktie voraussichtlich umgehend stark erholen. Für die kommende Woche geht Helaba-Aktienhändler Christian Schmidt von einer Handelsspanne bei dem Papiere zwischen 9,20 und 10,50 Euro aus. "Unter zehn Euro sollte der Verkaufsdruck etwas nachlassen", sagte er. Die Papiere gingen mit einem Abschlag von 3,8 Prozent auf 9,82 Euro aus dem Handel.

Unter Druck standen auch die Technologiewerte. Epcos fielen um knapp fünf Prozent auf 34,39 Euro. Siemens gaben um 3,5 Prozent auf 59,39 Euro nach.

Am Neuen Markt ragten indes die Papiere des Handy-Ausrüsters Balda mit einem Plus von knapp neun Prozent auf 3,10 Euro hervor. In einem Reuters-Interview hatte der Firmenchef Gerhard Holdijk die Quartals- und Jahresprognose bekräftigt.

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