T-Aktien und Anleihen geraten unter Druck
Telekom droht Verzug beim Schuldenabbau

Der Deutschen Telekom werden 15,5 Milliarden Euro zum Schuldenabbau fehlen, wenn der geplante Verkauf des Fernsehkabels scheitert und der Börsengang der Mobilfunksparte T-Mobile verschoben wird. Damit würden sich auch die Zinslast für den Konzern und der Druck auf die T-Aktie erhöhen.

cü/slo DÜSSELDORF/FRANKFURT. Die Pläne der Deutschen Telekom AG zum Schuldenabbau geraten möglicherweise ins Stocken. Konzernchef Ron Sommer schließt angesichts des schlechten Klimas an den Kapitalmärkten nicht aus, dass sich der geplante Börsengang der Mobilfunksparte T-Mobile auf das nächste Jahr verschieben könnte. Das sagte er am Freitag am Rande einer Konferenz des Bundesverbandes der Deutschen Industrie in Berlin. Auch dem beabsichtigten Verkauf des TV-Kabels an den US-Konzern Liberty Media räumt Sommer nur noch "geringe Chancen" ein. Damit würden dem Konzern insgesamt 15,5 Mrd. Euro fehlen. Mit dieser Summe wollte die Telekom den Schuldenberg von 65 Mrd. Euro abbauen.

Mit seinen Aussagen schickte Sommer die T-Aktie auf Talfahrt. Der Kurs sank um mehr als 4 % auf 15,17 Euro. Auch die Anleihen der Telekom gerieten unter Druck. So stiegen die Risikoaufschläge des im Juli 2006 fälligen Telekom-Bonds um etwa 0,30 Prozentpunkte im Vergleich zu Bundesanleihen mit ähnlicher Laufzeit.

Noch hat die Telekom ihre ursprünglichen Pläne aber nicht aufgegeben: T-Mobile soll im Juni oder November aufs Parkett. Man treibe die Vorbereitungen weiter voran, sagte ein Telekom-Sprecher. Aus Unternehmenskreisen heißt es: Der Juni werde als Termin für die Aktienplatzierung langsam unwahrscheinlich, und "was im November sein wird, muss man abwarten".

Telekom droht Herabstufung der Kreditwürdigkeit

Der geplante Verkauf des Kabelnetzes an Liberty gilt dagegen in der Branche jetzt schon als gescheitert. Offiziell hat das Bundeskartellamt bis 28. Februar Zeit, um über den Deal zu entscheiden. Die Wettbewerbshüter hatten ihre Zustimmung von Zugeständnissen des US-Konzerns abhängig gemacht. Das Unternehmen hat dies abgelehnt - ebenso wie andere Möglichkeiten, etwa das Geschäft durch eine Ministererlaubnis zu retten.

Wenn die Erlöse aus dem Kabelverkauf und dem T-Mobile-Börsengang ausbleiben, droht dem Unternehmen ein Herabstufen der Kreditwürdigkeit durch die Bewertungsagenturen. "Das würde uns 80 bis 100 Millionen Euro an zusätzlichen Zinszahlungen kosten, bei einem Zinsaufwand von insgesamt etwa 4,5 Milliarden Euro pro Jahr", hat Sommer im Handelsblatt-Gespräch Anfang Februar gesagt. Standard & Poor?s hatte erst vor gut einer Woche erneut betont, die Einstufung der Kreditwürdigkeit der Telekom sei gefährdet, wenn der Konzern T-Mobile nicht an die Börse bringe und beim Verkauf von Vermögensteilen wie dem Kabelnetz scheitere.

Zudem würde ein verzögerter Schuldenabbau nach Ansicht von Analysten den Druck auf die T-Aktie erhöhen. "Insgesamt wäre das Ganze aber kein Drama", sagte Frank Rothauge von bei Sal. Oppenheim, "und nichts, was die Telekom in ihren Grundfesten erschüttern würde." Analysten von Credit Suisse First Boston sehen das ähnlich - vorausgesetzt das operative Geschäft werde sich weiterhin so gut entwickeln wie bisher.

DSL ist stark positioniert

Auf der Haben-Seite der Telekom stehen demnach vor allem steigende Margen beim Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen im Mobilfunkgeschäft sowie ein profitables Festnetzgeschäft mit stabilen Marktanteilen und einer guten Position im Wachstumsmarkt mit schnellen Internetzugängen über DSL. Die Telekom hat 2,2 Millionen DSL-Kunden und ist damit Marktführer. Beide Segmente tragen zum Cash-Flow von geschätzten 12,5 Mrd. Euro Ende dieses Jahres bei. "Und jedes Jahr kommt voraussichtlich 1 Milliarde Euro an Cash-Flow durch den Mobilfunk hinzu", sagt Analyst Rothauge.

Was zur Zeit vor allem Kosten verursacht, ist die US-Mobilfunktochter Voicestream. Das Unternehmen ist mit sieben Millionen Kunden der kleinste unter den sechs US-weit agierenden Mobilfunkbetreibern und will zu den Marktführern aufschließen. Weiterer Kostenfaktor, der die Schulden in diesem Jahr erhöht: Die Datensystem-Sparte T-Systems übernimmt für 4,6 Mrd. Euro die Rest-Anteile von Daimler-Chrysler an Debis. Analysten gehen daher davon aus, dass die Telekom-Verbindlichkeiten Ende 2002 auf knapp 70 Mrd. Euro steigen werden. Unterm Strich erwirtschaftet die Telekom heute schon Verluste. Analysten schätzen das Minus in 2001 auf über 2 Mrd. Euro.

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