T-DSL kommt jetzt mit Astra auch vom Himmel herab
Satellitenfirmen starten ins Internet-Geschäft

Das Geschäft mit leistungsfähigem Internet per Satellit kommt nun auch in Europa in Schwung. Der europäische Ableger des US-Satellitenpioniers Hughes baut sein Geschäft seit Jahresanfang verstärkt aus. Gleichzeitig tritt ein ernst zu nehmender Konkurrent auf: die Luxemburger SES Global.

cha/DÜSSELDORF. Der größte Satellitenbetreiber der Welt, die Luxemburger SES Global S.A., wagt sich offen ins Geschäft mit Breitbandinternet per Satellit. Seit dieser Woche bietet SES gemeinsam mit der Deutschen Telekom satellitengestütztes T-DSL bundesweit an. Kürzlich haben sich die Luxemburger mit der französischen Alcatel Space zur technischen Weiterentwicklung von Internet per Satellit verbündet.

Lange galt dieses Geschäft als die Wachstumsrakete für die ebenso kleine wie lukrative Branche. Doch die New-Economy-Blase ist geplatzt und mit ihr die Szenarien: Jetzt heißt es bescheiden, dass der Markt für Hochleistungs-Internet per Satellit im Schnitt jährlich um 30 Prozent wachsen und erst im Jahr 2004 die Umsatzschwelle von 1 Mrd. $ erreichen werde, so die Berater von Frost & Sullivan in ihrer Marktübersicht.

Fast zwei Drittel dieses Geschäfts sichert sich derzeit Hughes Electronics. Etwa 1,3 Mrd. Dollar Umsatz machte Hughes 2001 mit seiner Marke Direc-PC alleine in USA - wobei Breitband-Internet hierbei nur einen kleineren Anteil des gesamten Satellitenumsatzes ausmacht. Entsprechend dem Hughes-Geschäftsmodell bietet auch die europäische Tochter Hughes Network Systems Europe (HNSE) Firmen und Privatleuten ein Komplettangebot für Zwei-Wege-Kommunikation. Vom Netzstecker bis zur Datenspeicherung in der Bodenstation der deutschen Tochter Hot Telecommunications in Darmstadt-Griesheim reicht der Service. Dabei nutzt das Unternehmen im Gegensatz zur US-Mutter, die sich auf eigene Satelliten stützt, den W-1-Satelliten der Pariser Eutelsat S.A.

Die SES hingegen pflegt traditionell ein offenes Geschäftsmodell. Der Satellitenbetreiber sorgt für den Datentransport und die leistungsfähige Technologie, der Kunde selbst sucht sich die Technik - von der Antenne bis zum Receiver - am Markt aus.

Dass schnelles Internet per Satellit bislang in Europa nicht richtig läuft, ist kein wirklich technisches Problem. Vielen IT-Leitern tritt einfach der Schweiß auf die Stirn, wenn sie daran denken, dass ihre Softwareupdates in 36 000 Kilometer Höhe über den Äquator gejagt werden. "Das ist nur noch eine Mentalitätsbarriere", sagt Dieter Renner, Verkaufsdirektor von Hot. Das sehen immer mehr IT-Spezialisten ähnlich.

So stellt die in der Branche als innovativ geltende IT-Abteilung der Daimler-Chrysler-Tochter MCC Smart den rund 200 Smart-Händlern in Europa neue satellitengestützte Internet-Breitbanddienste von Hughes zur Verfügung. Smart ist einer der Paradekunden von Hughes, seit 1998 ordern die Händler ihre Ersatzteile und konfigurieren die Smart-Fahrzeuge per Satellit. Hartwig Faber, Chef des Informationsmanagements bei MCC: "Wir müssen die Leistungsfähigkeit für unser europäisches Netz ständig erweitern. Deswegen arbeiten wir mit den neuen Breitbandanwendungen von Hughes." Tatsächlich können Zweiwege-Internetzugänge, die auch Videokonferenzen an vielen Plätzen weltweit möglich machen, zum bedeutenden Geschäftsfeld für die Satellitenkommunikation werden.

Denn das Internetprotokoll (IP) hat sich zum Standardprotokoll für Datenübertragung entwickelt. Weltweit hat der Hughes-Konzern daher inzwischen 500 000 Computerterminals installiert, in Europa versorgt HNSE gut 18 000 Empfänger - 3 000 mehr als im Vorjahr. Darunter sind 800 Anlagen für Schulen in der niederländischen Provinz. Nun soll das Geschäft aber erst richtig losgehen. "In diesem Jahr kommt der Markt in Fahrt", ist Renner überzeugt.

Dafür sorgt nicht zuletzt die Belebung durch die Konkurrenz. Denn die Luxemburger SES, die mit ihren Astra-Satelliten auch den Fernsehmarkt in Europa revolutionierte, wagt sich nun ins Massengeschäft für schnelles Internet per Satellit - Stichwort Sky-DSL. Der Vorstoß der SES hat den Pariser Erzrivalen Eutelsat natürlich nicht ruhen lassen. Gemeinsam mit der Berliner Teles AG bietet die Nummer zwei in Europa eine ganze Palette von Tarifen für Breitband-Internet.

Gleichzeitig nehmen die Satellitenbetreiber Kabelkunden ins Visier. Während immer mehr Kabelgesellschaften ob der hohen Investitionen in die Digitalisierung des Netzes in Schwierigkeiten geraten und ihre Kunden mit drastischen Gebührenerhöhungen ärgern, werden die Empfangsanlagen für Breitband-Anwendungen vom Himmel immer günstiger. "Die Satellitenfirmen werden fürs Kabel zur ernsten Konkurrenz", sagt ein Branchenexperte.

Bei Eutelsat, Europas Trendsetter für Datenübertragung per Satellit, sieht man die Chancen des Marktes wieder rosig. Eutelsat zitiert aus einer Studie von Northern Space: Der Markt für schnelles Internet per Satellit soll demnach bis 2007 von zuletzt 330 Mill. $ auf 12,4 Mrd. $ wachsen.

Quelle: Handelsblatt

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