T-Mobile-Chef Ricke und Vertriebsvorstand Brauner stärken ihre Positionen
Sommer ordnet Telekom-Vorstand neu

Die Deutsche Telekom lässt dem Umbau der Konzernstruktur in vier Sparten nun auch die Reorganisation der Vorstands folgen. Dabei besetzt Konzernchef Ron Sommer Schlüsselpositionen mit Leuten seines Vertrauens. Neu in den Vorstand kommen T-Mobile-Chef Kai-Uwe Ricke und Sommers Büroleiter Max Hirschberger.

HB BERLIN. Die Deutsche Telekom AG organisiert ihren Vorstand um. Dem Konzept von Telekom-Chef Ron Sommer hat gestern der Aufsichtsrat zugestimmt. Die neuen starken Männer hinter Sommer sind der bisherige Vertriebsvorstand Jo Brauner (50), dem künftig das gesamte operative festnetzgebundene Geschäft untersteht, und Kai-Uwe Ricke (39), bisher Chef der Mobilfunksparte T-Mobile. Ricke bekommt im Laufe der nächsten Monate zusätzlich zur Verantwortung für die Mobilfunksparte auch die für T-Online übertragen. Sie lag bisher bei Sommer.

Hier der 3-Monatsverlauf der T-Aktie

Damit entlastet sich der Konzernchef von Zusatzaufgaben und stärkt gleichzeitig seine Position mit ihm nahe stehenden Personen. Organisatorisch war das Vorstandsrevirement erwartet worden. Sommer hatte die Telekom in die vier Sparten T-Com (Festnetz), T-Systems, T-Mobile und T-Online umgruppiert. Ricke und Brauner werden diese vier "Säulen" künftig im Konzern-Vorstand repräsentieren und damit das operative Geschäft der Telekom führen. "Mittelfristig" würden sie als Chefs von T-Com und T-Mobile abgelöst, heißt es bei der Telekom. Kai-Uwe Ricke wird also noch einige Monate Chef von T-Mobile bleiben, weil er dort die Integration der US-Tochter Voicestream abschließen soll. Die Chefs der Töchter - so der T-Online-Vorstandsvorsitzende Thomas Holtrop - sollen künftig vor allem das Tagesgeschäft verantworten.

Die Neuorganisation des Vorstands zeigt, dass die Telekom keineswegs die völlige Verselbstständigung ihrer Sparten anstrebt, wie es etwa bei British Telecom der Fall ist. Denn der zentrale Telekom-Vorstand wurde nicht als reine Holding umstrukturiert, sondern im Gegenteil operativ gestärkt. Auch wenn einzelne Sparten wie T-Online und - bei einer Erholung der Aktienmärkte - irgendwann auch T-Mobile an die Börse kommen, so soll dies lediglich dazu dienen, die Werte der Teile des Unternehmens sichtbar zu machen. Man wolle damit Akquisitionswährungen bekommen, hat Ron Sommer bereits mehrfach gesagt.

Erklärtes Ziel der neuen Vorstandsressorts CS (Com+Systems) und MO (Mobile+Online) ist die starke Kooperation der Doppelsparten. So sollen T-Mobile und T-Online auf dem Weg zu mobilen Datendiensten und dem UMTS-Mobilfunk eng zusammenarbeiten. Kooperationen wird es auch zwischen T-Com und T-Systems geben: Datendienste, die für große Unternehmensnetze bei T-Systems entwickelt werden, sollen von T-Com für Mittelstandskunden übernommen und angepasst werden.

Die Säulenstruktur führt auch dazu, dass sich der Vorstandsbereich von Gerd Tenzer ändert. Lange Zeit galt Tenzer als Nummer zwei hinter Sommer, nun muss der Technik-Vorstand die Verantwortung für die T-Networks an T-Com abgeben. Tenzer erhält im Gegenzug den gesamten Vorstandsbereich Technik und Innovation, den bisher Hagen Hultzsch leitete. Der 60-Jährige verlässt ebenso wie der bisherige Vertriebsvorstand Detlev Buchal (56) den Vorstand. Beide wechseln Ende des Monats in den Aufsichtsrat.

Vorstandschef Sommer entlastet sich zudem um die Bereiche Konzernrevision, Strategie sowie Informations- und Prozessorganisation, die künftig sein bisheriger Büroleiter Max Hirschberger (44) als Vorstandsmitglied für "Corporate Affairs" übernimmt. Sommer will sich neben der strategischen Ausrichtung des Konzerns auf die Bereiche Regulierung und Konzernkommunikation konzentrieren.

Die Neuordnung des Vorstands stieß bei Beobachtern auf ein positives Echo. Die Geschäftsführerin der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jella Benner-Heinacher, sprach von einem überfälligen Schritt. Die Aufgaben im Konzern seien nun nicht mehr so stark wie bisher auf eine Person konzentriert. "Sommer hat jetzt mehr Zeit und Kraft für seine eigentlichen Aufgaben als Konzernchef", sagte Analyst Werner Stäblein von der BHF-Bank.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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