T-Mobile startet „Friendly-User“-Phase
UMTS unternimmt erste Testläufe

In einzelnen Ländern ist das magische Kürzel seit zwei Monaten mit Leben erfüllt: UMTS-Angebote werden inzwischen in Großbritannien und Italien vom asiatischen Vorreiter Hutchison Whampoa vermarktet; Österreich wird in wenigen Tagen folgen. So weit ist man zwar in Deutschland noch längst nicht. Doch verlässt der Mobilfunkstandard der dritten Generation hier zu Lande jetzt endlich die Labors und wird der rauen Wirklichkeit ausgesetzt - im Mai beginnen Probeläufe mit ausgewählten Nutzern, die UMTS vor dem kommerziellen Start auf Herz und Nieren testen sollen.

vwd DÜSSELDORF. Beim Marktführer T-Mobile in Bonn läuft vom nächsten Monat an eine "Friendly-User"-Phase: Dann können ausgewählte Privat- und Geschäftskunden mit den neuen Handys telefonieren und vor allem Multimedia-Anwendungen nutzen. Die Zahl der Nutzer liegt "im unteren vierstelligen Bereich". Sie können zwei Modelle testen, das Nokia 6650 und das U10 von Siemens. Einsatzgebiet: Bestimmte Gebiete in Ballungsräumen. Die Kommentare der Kunden seien für die Fortentwicklung von UMTS sehr wichtig, sagt ein Firmensprecher. "Wir erwarten nicht, dass anfangs alles zu 100 % funktioniert, und wir rechnen damit, dass die Kunden uns einiges erzählen."

Dabei kommt es T-Mobile vor allem darauf an, was die Nutzer zu der technischen Seite sagen, also der höheren Bandbreite, mit der die Dienste übertragen werden. Außerdem wolle man für den kommerziellen Start sehen, welche Anwendungen präferiert würden. Möglicherweise kämen während der Testphase, deren Ende nicht festgelegt sei, auch noch Services zu den bestehenden Diensten hinzu, führt der Sprecher aus. Die allgemeine Vermarktung von UMTS-Handys sei dann nach derzeitigem Stand "eher zum Ende des dritten Quartals" geplant.

Tests nicht im GSM-Netz möglich

Die technische Aussagekraft der Tests ist allerdings zu relativieren. Denn die Geräte funktionieren einzig und allein in der UMTS-Infrastruktur - eine Nutzung im bestehenden GSM/GPRS-Netz von T-Mobile ist nach Aussage des Sprechers nicht möglich: "Die Handys sind absichtlich rein auf eine UMTS-Umgebung ausgelegt." Genau dieser Übergang zwischen dem alten und dem neuen Mobilfunkstandard gilt aber unter Experten als der große technische Knackpunkt. Das sieht auch der Branchenzweite Vodafone D2 so. "Es sind noch keine Endgeräte da, die einen sauberen Handover in kommerziell verwendbarer Version erlauben", wird bei dem Düsseldorfer Unternehmen betont.

Angesichts dessen ist Vodafone mit seinen eigenen Plänen für eine Testphase noch sehr vorsichtig. Denn hier sollen nur Geräte verwendet werden, die auch schon für den breiten Markt tauglich wären. Der Termin ist noch völlig offen. War bisher allgemein vom Frühjahr die Rede, so heißt es nun, dass daraus auch Sommer werden könnte. Testen sollen Geschäftskunden und eigene Mitarbeiter. Der Breitenstart ist irgendwann in der zweite Hälfte 2003 geplant. E-Plus, die Nummer Drei in Deutschland, will UMTS ohnehin erst zur CeBIT 2004 offensiv vermarkten. Ob eine Probephase vorgeschaltet werde, hänge unter anderem vom einwandfreien Funktionieren der Technik ab.

Beim vierten Netzbetreiber O2 ist im Prinzip klar, dass es Testwochen geben soll - vermutlich im Spätsommer, da der kommerzielle Startschuss in den Oktober oder November fallen dürfte. Seit Anfang März sind UMTS-Handys bereits in Großbritannien zu kaufen. Hutchison hatte laut Presseberichten Mitte April 10 000 Vorbestellungen, konnte aber bislang nur rund 100 Geräte pro Tag ausliefern. Managing Direktor Canning Fok bezeichnete den dreimal verschobenen Start als ermutigend. Indes: Bereits wenige Wochen später senkte Hutchison Anfang April die Preise für die neuen Geräte drastisch.

Entäuschung über Breitenstart in England

"Es gibt Probleme mit den Handys, Probleme mit der Vermarktung - bisher funktioniert es einfach noch nicht", sagt Analyst Per-Ola Hellgren von der Landesbank Rheinland-Pfalz zum England-Engagement des Hongkonger Konzerns. "Wir werden auf kurze Sicht wohl vor allem von Schwierigkeiten bei der UMTS-Einführung in Europa hören." Auch ein anderer Experte spricht von einem enttäuschenden Debüt. "Die Kunden sind nicht bereit, für die neuen Dienste einen Aufschlag zu zahlen - erst recht nicht in der momentanen Wirtschaftslage." Testnutzer monieren offenbar lückenhafte Netzabdeckung, unscharfe Live-Bilder und kurze Lebendauer der Akkus.

Hinzu kommt: In Großbritannien wie in Italien können sich die Kunden nur im UMTS-Netz selbst bewegen - eine eigene GSM-Infrastruktur hat Hutchison nämlich nicht. Gleichwohl will das Unternehmen in beiden Ländern bis zum Ende dieses Jahres eine Million UMTS-Kunden gewinnen. Im Handy-vernarrten Italien sieht es für den Frontrunner nicht übel aus. Bis Mitte April, also fünf Wochen nach Inbetriebnahme des Netzes, wurden 40 000 Kunden mit den neuen multimedialen Geräten versorgt. Bis Ende Mai sollen es 130 000 UMTS-Pioniere sein. "Wir hatten mit einem solchen Andrang nicht gerechnet", wurde Italien-Chef Vincenzo Novari in der Presse zitiert.

Für Deutschland herrscht unter Experten weiterhin die Einschätzung, dass sich erst 2005 und 2006 die UMTS-Dienste wirklich verbreiten. Der Blick über Europa hinaus könnte den Strategen hier zu Lande Mut machen. In Japan legte NTT DoCoMo vor einem Jahr ein schleppendes Debüt hin. Zu wenig Handys und technische Probleme wie eine zu kurzlebige Batterieleistung zwangen den Marktführer, seine Absatzziele zunächst zurückzuschrauben. Doch der Monat März könnte der Wendepunkt gewesen sein: Mehr als 130 000 UMTS-Geräte wurden bei DoCoMo verkauft - fast so viele wie in den ersten 18 Monaten zusammen.

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