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T-Online bilanziert verlustreiches IPO-Jahr

Dass Europas größter Internetdienst, die T-Online International AG, Darmstadt, im Geldverdienen nicht unbedingt Spitze ist, hat der neue Vorstandsvorsitzende, Thomas Holtrop, kürzlich eingestanden

vwd DÜSSELDORF. Man werde bei T-Online künftig stärker auf die Profitabilität achten, so die Losung. Mit attraktiveren Inhalten will er die Surfer länger auf den Internetseiten halten, um die Erlöse aus Werbung und elektronischem Handel anzukurbeln. Bis 2004 soll das Portalgeschäft über 30 % vom Umsatz ausmachen. Wie das zu erreichen ist, dürfte zu den Hauptfragen bei der ersten Bilanzvorlage nach dem Börsengang der Telekom-Tochter am Donnerstag in Weiterstadt gehören.

Zunächst aber hat Holtrop für das Jahr des Börsenganges der jungen T-Online International AG von herben Verlusten zu berichten. Bereits bekannt ist - in vorläufiger Lesung - ein negatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 125 Mill. Euro, nachdem 1999 noch plus 17,6 Mill. Euro ausgewiesen worden waren. Einer der Verlustbringer - der Pauschaltarif für schmalbandige Verbindungen ins Web - wurde bereits vor einigen Wochen beseitigt. Daneben hatten dem Unternehmen zufolge vor allem Anlaufverluste der Auslandsbeteiligungen den Ertrag belastet, der im letzten Quartal tiefer in die roten Zahlen sackte.

Frühestens 2003 schwarze Zahlen

Auch auf den noch nicht bekannt gegebenen weiteren Stufen der Ergebniskette ist nun mit das Ebitda übersteigenden Verlusten zu rechnen, was allerdings keine Überraschung darstellt und schon zum Börsengang an den Neuen Markt im April 2000 von den Analysten vorhergesagt worden war. Bis T-Online schwarze Zahlen schreibt, dürften noch mindestens zwei Jahre vergehen. Für das vergangene Jahr rechnet Merck Finck beispielsweise mit einem Ebit von circa minus 450 Mill. und einem Jahresfehlbetrag von knapp 400 Mill. Euro. Beim Umsatz hatte T-Online im Januar bereits eine Steigerung von 86 % auf 797 Mill. Euro gemeldet.

Davon entfällt aber der Löwenanteil auf die wenig lukrative Bereitstellung des Zugangs ins Internet. Das attraktive Portalgeschäft aus der Vermietung von Werbeflächen und der Vermittlung elektronischer Geschäfte trug im vergangenen Jahr nur mit 14 % zum Umsatz bei. Um hier aufzuholen, hat der seit Januar amtierende Vorstandsvorsitzende Holtrop dem Unternehmen eine Inhalteoffensive verordnet. Auf der Cebit präsentierte er als ersten größeren Erfolg eine Kooperation mit dem ZDF: T-Online darf die Nachrichten der "heute"-Sendungen exklusiv auf seinen Seiten verbreiten.

Analysten: Kooperation mit ZDF ist ein richtiger Schritt

Nach Meinung von Analysten ist das ein Schritt in die richtige Richtung, dem aber dringend noch viele andere folgen müssten. Auch die Auslandspräsenz - bislang nur in Frankreich, Spanien, Österrreich und Schweiz - lasse zu wünschen übrig. Zwar werden auf der Bilanzpressekonferenz keine konkreten Projekte erwartet, doch geben jüngste Ankündigungen des Unternehmens, dessen Kursverfall die Anleger enttäuscht hat, Anlass zur Hoffnung: Auf der Cebit ließ ein Vorstandskollege Holtrops wissen, dass T-Online bei den Themen Content und Portale "mit hochattraktiven Partnern in engem Kontakt" stehe. Schon bald werde man weitere Neuigkeiten vermelden.

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