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T-Online erwartet offenbar hohen Verlust

Die Telekom-Tochter steckt angeblich tiefer in den roten Zahlen als erwartet. Der Internet-Provider hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2000 nach Angaben aus Unternehmenskreisen ein Minus von 130 bis 135 Millionen DM erwirtschaftet.

vwd DÜSSELDORF. Die T-Online International AG, Darmstadt, wird bei deutlich höherem Umsatz für das Geschäftsjahr 2000 offenbar einen Verlust von 130 bis 135 Mill. Euro ausweisen. Aus Unternehmenskreisen erfuhr vwd am Freitag, man rechne damit, diese jüngsten Ergebniserwartungen von Analysten führender internationaler Investmentbanken zu treffen. 1999 hatte die seit einem Dreivierteljahr als Schwergewicht am Neuen Markt notierte Gesellschaft noch ein positives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibung (EBITDA) von 17,6 Mill. Euro erzielt. Der Umsatz 2000 dürfte sich in der Größenordnung von 750 bis 780 Mill. Euro bewegen nach 428 Mill. Euro im Jahr zuvor. Das Unternehmen wird am kommenden Mittwoch seine vorläufigen Eckdaten bekannt geben.

In den Kreisen wurde auf mehrere Studien verwiesen, von denen vier im Januar aktualisiert wurden. Die dort vorhergesagten Verluste liegen erheblich höher als die Prognosen anderer, deutscher Häuser, die offenbar erst am Freitag auf Grund neuer Informationen deutlich schlechtere Zahlen als bisher erwarteten. So veranschlagte die WestLB noch am Donnerstag ein negatives EBITDA von 88,5 Mill. Euro, während Merck Finck von minus 55 Mill. Euro und HVB von minus 42 Mill. Euro ausgingen. In diesen Zahlen sind nicht die Sondererlöse aus dem Börsengang der comdirect bank AG in Höhe von 39,2 Mill. Euro enthalten, an der T-Online beteiligt ist.

Auch die Schätzungen der Banken, auf die jetzt in den Unternehmenskreisen verwiesen wurde, sind ohne diesen außerordentlichen Posten zu verstehen. UPS Warburg geht von einem Umsatz von 770 Mill. Euro und einem EBITDA von minus 158 Mill. Euro aus, Morgan Stanley nennt 768 Mill. Euro Umsatz und ein Ergebnis von minus 128 Mill. Euro, CSFB kommt auf Erlöse von 773 Mill. Euro und ein negatives EBITDA von 134 Mill. Euro, und die Bank of America schätzt Umsatz und Verlust des Internetunternehmens auf 772,1 Mill. bzw. 135,9 Mill. Euro. Diese Prognosen wurden seit Jahresbeginn aktualisiert. An älteren Studien prognostizierte etwa J.P. Morgan im Oktober einen Umsatz von 768,5 Mill. Euro und einen Verlust von 127 Mill. Euro, während Lehman Brothers bereits im April von 793 Mill. Umsatz und minus 176 Mill. EBITDA für das gesamte Geschäftsjahr 2000 ausgingen.

Von informierter Seite hatte es jedoch geheißen, T-Online trete jetzt an Analysten heran, um wenige Tage vor Veröffentlichung noch einmal über das Zahlenwerk zu sprechen. Dies wurde in den Kreisen als ungewöhnlicher Vorgang gewertet. Wie es hieß, hat sich unter anderem das Internet-Zugangsgeschäft negativer entwickelt als erwartet, außerdem seien im vierten Quartal höhere Kosten für die Kundengewinnung in Frankreich angefallen.

Der größte europäische Internetdienst wird am Mittwoch neben dem Umsatz, aufgesplittet in Zugangs- und Portalgeschäft, und dem EBITDA noch die Kundenzahl zum Jahresende nennen. Nach den ersten drei Quartalen des auch von externem Wachstum geprägten vergangenen Jahres hatte sich die Zahl der T-Online-User auf gut sieben Millionen belaufen. Die Zahlen werden einen Tag nach den vorläufigen Eckdaten des Mutterkonzerns Deutsche Telekom AG in Bonn veröffentlicht.

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