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T-Online stuft Keuntje-Rücktritt als Rückschlag ein

Im Gegensatz zu offiziellen Stellungnahmen des Internet-Anbieters T-Online wird der überraschende Rücktritt von Vorstandschef Wolfgang Keuntje intern als Rückschlag eingestuft.

Reuters DARMSTADT. In einem an diesem Donnerstag bekannt gewordenen Brief an die Mitarbeiter des Darmstädter Unternehmens vom vergangenen Freitag wird der Rücktritt Keuntjes mit den Worten kommentiert: "Mit der Entscheidung sehen wir schwierigen Zeiten entgegen." Alle Mitarbeiter würden gebeten, künftig "noch enger und konstruktiver zusammenzuarbeiten, denn nur dann können wir die Zukunft von T-Online gemeinsam positiv gestalten", heißt es in dem per E-Mail versendenten Brief des Vorstands. In offiziellen Erklärungen hatte es bislang immer geheißen, Keuntjes Rücktritt sei aus persönlichen Gründen erfolgt, die man respektiere. Es gebe keine Einschränkungen der Handlungsfähigkeit.

Maulkorb für die Mitarbeiter

Mit dem Vorstandsbrief waren die T-Online-Mitarbeiter am vergangenen Freitag unmittelbar nach der öffentlichen Bekanntgabe über den bevorstehenden Rücktritt Keuntjes informiert worden. Den Mitarbeitern in der Darmstädter Zentrale von T-Online wurde in dem Schreiben empfohlen, "umgehend nach Erhalt dieser E-Mail das Haus zu verlassen", um "unangenehme Begegnungen mit der Presse zu vermeiden". Der Vorstand bat, gegenüber der Presse keine Erklärungen abzugeben.

Der kommissarische Vorstandsvorsitzende Detlev Buchal sagte am Donnerstag auf der Halbjahrespressekonferenz des Unternehmens in Darmstadt, der Rücktritt von Keuntje bedeute "keine Einschränkung" bei der geplanten internationalen Expansion und der Entwicklung neuer Internet-Inhalte. Nach dem Rücktritt sei Kontinuität angesagt. Man akzeptiere und respektiere die Gründe für den Rücktritt, sagte Buchal. Er sprach Keuntje für die "Pionierarbeit" der vergangenen Jahre seinen Dank aus. Man suche derzeit "zügig aber nicht hastig" einen Nachfolger für Keuntje. Die Nachfolgeregelung sei "nicht kriegsentscheidend", sagte Buchal. Nach seinen Worten sollen bereits in den nächsten Monaten Ergebnisse der laufenden Gespräche über Akquisitionen und Kooperationen im westeuropäischen Ausland vorgelegt werden.

Kein Kommentar

Ein Sprecher der Telekom wollte die in dem internen Brief gemachten Aussagen zur künftigen Entwicklung von T-Online nicht kommentieren.

In Branchenkreisen war der Rücktritt des seit Sommer 1996 als Chef von T-Online amtierenden Keuntje auf mögliche Unstimmigkeiten mit dem Chef des Mutterkonzerns Deutsche Telekom, Ron Sommer, zurückgeführt worden. Aus unternehmensnahen Kreisen verlautete zuletzt, es gebe nach dem Rücktritt Unruhe im Unternehmen. Die Handlungsfähigkeit sei jedoch nicht gefährdet. Von T-Online wird seit längerem erwartet, dass das bislang stark auf die deutschsprachigen Länder konzentrierte Unternehmen internationale Partner findet.

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