T-Online, United Internet und Web.de überraschten mit teilweise enormen Kursgewinnen
Das Internet ist wieder einen Blick wert

Internet-Aktien vom Neuen Markt gelten bei vielen Anlegern noch immer als Inbegriff für verbranntes Geld. Wer heute noch so denkt, hat jedoch die Entwicklung des letzten Vierteljahres verpasst. Denn seit Juli überraschten gerade die großen Werte mit ungewöhnlichen Zuwächsen. Und noch immer scheinen Überraschungen möglich.

FRANKFURT/M. Eines vorab: Diese Geschichte ist nicht drei Jahre alt und aus irgendwelchen ungeklärten Umständen erneut in die Zeitung gelangt. Damals galten Internet-Aktien als hip und versprachen aberwitzige Kursgewinne. Begriffe wie "New Economy", "Page Impressions" oder "One-Stop-Shop" sorgten für Phantasie. Bald darauf war allerdings nur noch von "Cash-Burn-Rate" oder "Bubble" die Rede. Das Bild vom Geldverbrennen oder der geplatzten Blase hat sich zumindest bei den Internet-Werten des Neuen Marktes seit Anfang Juli deutlich geändert: Tatsächlich haben sich in diesem Zeitraum Internet-Werte gegen den allgemeinen Abwärtstrend gestemmt und erheblich geringere Einbußen eingefahren. Die großen Internetwerte haben sogar Kurssprünge gezeigt, die an beste Zeiten erinnerten.

Nun ist es sicherlich für Anleger nicht ratsam, im großen Stil und ohne Limit in Internet-Aktien des Neuen Marktes einzusteigen. Analysten raten weiterhin unisono zur Vorsicht. Gerade die namhaften Werte lohnen jedoch wegen ihrer außergewöhnlichen Kursentwicklung zuletzt wieder einen Blick, so die einhellige Meinung.

Paradebeispiel ist die Aktie von United Internet, deren Kurs sich nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und dem anschließenden Tiefstand bei 1,60 Euro zwischenzeitlich mehr als verfünffacht hat. Zwar gab die Aktie seither wieder nach. Unter Analysten gilt das Montabaurer Unternehmen jedoch als Paradebeispiel für einen Kandidaten, der die Wende schafft. Eine Restrukturierung wurde eingeleitet, in der man sich von teuren Minderheitbeteiligungen trennte und den Fokus einzig auf die profitablen Kerngesellschaften legte. Trotzdem stellt die Breite der angebotenen Dienstleistungen weiterhin einen Vorteil beispielsweise im Vergleich zum schärfsten Wettbewerber Strato dar, loben die Analysten von West LB Panmure. Besonders gut habe sich die Tochter 1&1 entwickelt, die inzwischen mehr als die Hälfte zum Gesamtumsatz des Internet-Dienstleisters beiträgt. Die United-Internet-Aktie, aus der die Anleger noch vor einem Jahr in Scharen flüchteten, weil sie ein schlimmes Ende fürchteten, steht inzwischen in puncto Marktkapitalisierung auf Platz zwölf im Nemax 50.

Langfristige Trends

Auch die wenigen Fondsmanager, die sich noch am Neuen Markt engagieren, griffen längst wieder zu und mischten die Papiere zu so illustren Namen wie Singulus, Qiagen und BB Biotech. Dass der Aufschwung für United Internet nicht nur kurzfristig sein wird, davon sind die meisten Analysten überzeugt. Insbesondere im Produktgeschäft habe das Unternehmen nunmehr eine kritische Kundenmasse erreicht, was längerfristig noch zu einer Steigerung der ohnehin schon attraktiven Vorsteuermargen von 20 bis 23 % beitragen sollte, heißt es von Seiten der Landesbank Baden Württemberg (LBBW).

Gerade im laufenden Quartal wird United Internet allerdings von der Kursentwicklung noch übertroffen vom Internet-Portal Web.de. Dessen Kurs hat sich seit Anfang Juli mehr als verdoppelt. Trotzdem hält Ilaria Magagnoli von Credit Suisse First Boston die Aktie noch immer für einen "Outperformer", traut ihr also eine bessere Entwicklung als dem Gesamtmarkt zu. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen bauten die Karlsruher in diesem Jahr kontinuierlich ihr Produkt-Portfolio aus, beispielsweise durch Vertriebskooperation mit der Deutschen Telekom, der Direktanlagebank und 1&1. Zum anderen verringerte Web.de im ersten Halbjahr seinen Fehlbetrag auf 2,6 Mill. Euro und steht damit besser als die Masse der Zugangsportale da. Damit ist jedoch auch klar, dass das Unternehmen auch in diesem Jahr rote Zahlen schreiben wird, weshalb Analysten stets auf den spekulativen Charakter eines solchen Investments hinweisen.

Deutlich an Boden gewonnen hat seit Anfang Juli auch das Schwergewicht unter den Internet-Werten am Neuen Markt: T-Online. "Outperformer" sagen die Experten von Goldman Sachs und nennen als Begründung, dass sie in diesem Jahr lediglich mit einem Verlust von 0,20 Euro statt bisher 0,25 Euro je Aktie rechnen. Bei Morgan Stanley ist man mit dem Urteil "durchschnittlich" zwar etwas zurückhaltender. Trotzdem loben die Experten, dass T-Online der größte und profitabelste Internet-Dienstleister in Europa ist. Aber auch bei T-Online dauert es mit der echten Profitabilität noch eine Weile. Für 2003 rechnen die Analysten von Goldman Sachs noch mit einem Verlust von 0,07 Euro je Aktie. Wer also jetzt investiert, der setzt auch auf ein Zukunftsmedium, das in geraumer Zeit profitabel sein wird.

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