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Tabak-Aktien profitieren von Nasdaq-Talfahrt

Des einen Leid ist des anderen Freud. So konnten die Tabakaktien kräftig vom Absturz des Nasdaq profitieren. Als im März vergangenen Jahres die rasante Talfahrt des Technologieindex anfing, starteten Werte wie Philip Morris, J.R. Reynolds und British American Tobacco einen bis heute anhaltenden Aufwärtstrend.

DÜSSELDORF. Trotz der Milliardenklagen gegen amerikanische Tabakkonzerne, des stetig schrumpfenden Zigarettenkonsums und der anhaltenden Konjunkturflaute stiegen die Kurse der Tabakaktien kontinuierlich an. Das Papier des weltweit größten Tabakunternehmens Philip Morris Companies legte in den vergangenen zwölf Monaten um 117,95 % zu. Auch der Branchenzweite R.J. Reynolds konnte seit April vergangenen Jahres den Kurs seines Wertpapiers von 22 Euro auf 64 Euro erhöhen.

"Der wichtigste Grund, weshalb Tabakaktien in den vergangenen Monaten so stark angestiegen sind, ist der Absturz des Nasdaq," erklärt Simon Willis, Analyst bei ING Barings, den Aufwärtstrend. "Die Marktteilnehmer zählen Tabakpapiere zu den defensiven Werten." Mit einem weiteren Wachstum sei zu rechnen, wenn auch nicht mehr so schnell.

Ein Risiko stellen weiterhin die Sammelklagen dar. Karl Strohmeier, US-Analyst bei der Landesbank Baden Württemberg, hält Tabakaktien aus diesem Grund für wenig kalkulierbar. "Es ist schwer zu sagen, was passieren wird, wenn die Welle der Klagen nach Europa überschwapp," gibt Strohmeier zu bedenken.

Andere Branchenkenner halten es für unwahrscheinlich, dass die enorm hohen Schadenersatzzahlungen, die Unternehmen in Konkurs stürzen. "Die Tabakindustrie ist zu einflussreich und mächtig, als dass die Klagen die Branche in existenzielle Nöte stürzen könnte," schätzt Emil Heppel, US-Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin, die Klagen als wenig bedenklich ein.

Ein gutes Beispiel dafür ist Philip Morris. "Das Unternehmen hat scheinbar so einen gigantischen cash flow, dass trotz der Schadenersatzzahlungen eine unverändert hohe Dividende ausgeschüttet werden konnte," sagt der US-Analyst Karl Strohmeier von der Landesbank Baden Württemberg.

Die Bedenken wegen der Sammelklagen in den USA sind auch durch die Wahl des neuen Präsidenten George W. Bush gedämpft worden. Während die Regierung unter Präsident Clinton den Tabakunternehmen noch offen den Krieg erklärt hatte, machte Bush bereits in seinem Wahlkampf deutlich, dass er nicht gegen die Tabakindustrie vorgehen wolle.

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