Tabakbranche in heller Aufregung
Steuerpläne verprellen Industrie und Handel

Die deutsche Tabakindustrie hat mit großer Besorgnis auf die Pläne der Bundesregierung reagiert, die Tabaksteuer drastisch zu erhöhen. In der deutschen Zigarettenindustrie herrsche "blankes Entsetzen", sagte ein Branchensprecher. Auch Unternehmen des Handels und die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) sehen in den Steuerplänen der rot-grünen Koalition eine Gefahr.

ire DÜSSELDORF. "Wir haben den Eindruck, dass die Bundesregierung jetzt die Kuh schlachtet, die sie melken will", sagte ein Sprecher von JT International Germany, dem Hersteller der Marken Camel, Club und Winston, dem Handelsblatt. Nach Berechnungen der Industrie droht der Branche infolge der erneuten Steuererhöhung ein Absatzverlust von 30 Mrd. Zigaretten durch Abstinenz, Schmuggel und Internethandel. Derzeit koste eine Schachtel Zigaretten beispielsweise in Polen oder Tschechien nur halb so viel wie in Deutschland. Hierzulande werden pro Jahr insgesamt rund 140 Mrd. Industriezigaretten geraucht. Marktführer ist Philip Morris (Marlboro) mit einem Marktanteil von rund 37 % vor British American Tobacco (Lucky Strike) mit etwa 23 % und Reemtsma/Imperial (West) mit rund 20 %.

Nach Angaben der Industrie müsste der derzeitige durchschnittliche Verkaufspreis für eine Schachtel Markenzigaretten von 3,20 Euro um 1,20 Euro steigen, wenn die Steuererhöhung im geplanten Umfang durchgesetzt würde. Die Absatzverluste würden die Steuermehreinnahmen auf etwa 2,2 Mrd. Euro drücken. Das Steueraufkommen würde somit nur von 14,4 im Jahr 2003 auf 16,6 Mrd. Euro im Jahr 2004 steigen. Die angestrebten Mehreinnahmen von 4 bis 5 Mrd. Euro blieben so ein frommer Wunsch.

"Hier wird aus Unkenntnis der Zusammenhänge eine ganze Branche zerschlagen", klagt Ernst Brückner, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Cigarettenindustrie (VdC). Der Verband habe zuletzt bei der Erhebung der so genannten "AntiTerror-Abgabe" über die Tabaksteuer bewiesen, dass sich Steuern in Zusammenarbeit mit der Industrie wesentlich marktschonender erhöhen ließen. Derzeit ist eine Automatenpackung im Wert von 3 Euro bereits mit einer Tabaksteuer von 1,90 Euro und einem Mehrwertsteueranteil von 0,41 Euro belastet, bei Handel und Industrie landen insgesamt nur 69 Cent pro Packung.

"Dieser Beschluss ist unrealistisch, marktfremd und unverantwortlich", behauptet der Bundesverband der Tabakwarengroßhändler und Automatenaufsteller (BDTA). Schon jetzt seien die rund 300 meist mittelständischen Betriebe mit ihren rund 10 000 Mitarbeitern in einer "kritischen Situation", so ein Verbandssprecher.

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