Tabellenführung verloren
Real gerät immer stärker in den Krisenstrudel

Statt des angestrebten "Triples" laufen Ronaldo & Co. Gefahr, am Ende mit leeren Händen dazustehen. Zuerst verlor Real Madrid das Pokalfinale gegen den Aufsteiger Real Saragossa. Dann scheiterten die "Königlichen" im Champions-League-Viertelfinale überraschend an AS Monaco. Und nun verlor Spaniens Fußball-Meister nach einer blamablen 0:3-Heimpleite gegen Außenseiter CA Osasuna auch noch die Tabellenführung in der Primera División an den FC Valencia.

HB MADRID. "Wir befinden uns in der schwierigsten Lage seit vier Jahren", gestand Manager Jorge Valdano nach Reals erster Heimniederlage seit einem Jahr ein. Das Sportblatt "Marca" titelte am Montag: "In der Real-Galaxie herrscht totale Sonnenfinsternis." Die Gäste aus dem nordspanischen Pamplona mussten vor 60 000 Zuschauern im Bernabéu- Stadion nicht einmal zur Höchstform auflaufen, um den Favoriten bloßzustellen. Ihnen reichte eine solide Abwehr, ansonsten brauchten sie nur auf die Fehler Reals zu warten.

Dazu bedurfte es keiner Geduld, denn das Starensemble hatte seinen ersten Aussetzer bereits nach einer Minute. Die Verteidiger Michel Salgado und Raúl Bravo behinderten sich gegenseitig und der frühere Real-Nachwuchsspieler Valdo konnte gegen seinen Ex-Club das 0:1 erzielen. Pablo García (43.) nach einem Patzer von Torwart Iker Casillas und Moha (60.) machten das Debakel perfekt. Reals Abwehr glich, wie "El País" schreibt, einem Hühnerhaufen: "Jeder Ball, der in den Strafraum geflogen kam, war gefährlicher als ein Elfmeter."

Zu allem Überfluss schied Ronaldo erneut mit einer Muskelblessur aus. Regisseur Zinedine Zidane steckte frühzeitig auf, David Beckham und Luis Figo mühten sich vergebens. Die Zuschauer pfiffen die Stars aus und feierten Kombinationen der Gäste mit "olé"- Rufen. Viele von ihnen verließen vorzeitig den Ort des Geschehens. Das Sportblatt "As" kommt zur Schlussfolgerung: "Die Ablösung von Trainer Vicente del Bosque durch den Portugiesen Carlos Queiroz war ein Fehler."

Aber die Krise bei Real ist tief greifender. Viele Kommentatoren meinen, dass es mit einer Entlassung des Trainers nicht getan wäre. Sie sehen das gesamte Modell von Clubchef Florentino Pérez, das auf einer Mischung von "Zidanes und Pavones" (Weltstars und Nachwuchs- Kicker) beruht, in Frage gestellt. Zu Beginn der Saison hatte man in Madrid noch geunkt: "Mit seiner Super-Elf hat Real bis Dezember die Meisterschaft sicher, und die Champions League holt es sich mit der Mütze." Die vermeintliche "Wunder-Elf" gleicht nun einer Ruine: Die "Zidanes" wirken ausgelaugt, die "Pavones" mutlos.

Real (68 Zähler) verspielte in zwei Monaten einen Acht-Punkte- Vorsprung und kann den Titel nicht mehr aus eigener Kraft holen. Valencia (69) übernahm mit einem 1:0 in Saragossa die Tabellenführung und hat in den sechs ausstehenden Spielen das leichtere Restprogramm.

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