Tacho spiegelt sich in der Autoscheibe
Siemens bringt Head-up-Display auf den Markt

Assistenzsysteme im Auto unterstützen den Fahrer in vielen Situationen - sie bringen aber auch eine Gefahr mit sich: Die Fahrer lassen sich ablenken und schauen nicht auf die Straße. Head-up-Displays können helfen, das Sicherheitsproblem zu meistern. Sie nutzen die Autoscheibe als Projektionsfläche.

DÜSSELDORF. Head-up-Displays ziehen in Autos ein: Schon bald könnten sie Warn- oder Navigationshinweise in die Windschutzscheibe einblenden. Im Anschluss an die Internationale Automobil-Ausstellung im September will der Elektronikzulieferer Siemens VDO das erste farbige Head-up-Display in Serie bauen. Für den Fahrer sieht es so aus, als schwebe eine Anzeige in rund zwei Metern Entfernung über der Stoßstange. Vorteil: Er muss nicht mehr auf den Tacho oder die Mittelkonsole blicken, um Tempo oder Weghinweise abzulesen.

Eine interessante Entwicklung, finden die Autobauer: "Wir arbeiten an dem Thema, einen konkreten Zeitpunkt für die Umsetzung gibt es aber noch nicht", sagt BMW-Sprecher Jochen Müller. Ähnlich klingt das bei der Konkurrenz.

Das Siemens-Head-up-Display sitzt zwischen Lenkrad und Windschutzscheibe. Es besteht im Wesentlichen aus drei Komponenten: einer starken Lichtquelle, mehreren Spiegeln und einem Flachbildschirm, wie ihn viele Laptops haben. Das auf dem Monitor erzeugte Bild wird von der Windschutzscheibe reflektiert. Wie beim Blick in den Spiegel, sieht der Fahrer das Bild nicht an der Glasoberfläche, sondern in etwa zwei Meter Abstand frei schwebend über der Motorhaube. "Dadurch verringert sich die Umgewöhnungszeit, die das menschliche Auge benötigt, um Gegenstände in unterschiedlicher Entfernung scharf zu sehen", erläutert VDO-Sprecher Johannes Winterhagen.

Bereits Ende der achtziger Jahre gab es erste Head-up-Displays auf dem amerikanischen Automarkt, zum Beispiel in einem Oldsmobile. Diese Systeme konnten aber nur einfache Daten anzeigen, unter anderem die Geschwindigkeit. Mit den neuen Displays ist diese Beschränkung aufgehoben. "Bei der Darstellung gibt es heute kaum noch Grenzen", sagt Winterhagen. Wenn das Navigationssystem angeschaltet ist, blinken die Richtungspfeile. Wird das Öl knapp, leuchtet ein Signal. Empfängt der Fahrer eine SMS, erscheint ein kleiner Umschlag. Was in der Windschutzscheibe erscheint, das bestimmen die Autohersteller.

Die Technik bringt zusätzliche Sicherheit ins Auto: "Der Blick wird deutlich kürzer von der Straße abgewendet als beim Blick auf den Tacho", sagt Rainer Marstaller vom Lehrstuhl für Ergonomie an der Technischen Universität München. Untersuchungen zeigen: Im Durchschnitt benötigt ein Fahrer etwa eine Sekunde, um etwas aus den Kombinationsinstrumenten abzulesen - bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h werden dabei 14 Meter zurückgelegt. Das Head-up-Display halbiert diese Zeit.

Trotz dieser Vorteile rechnet Audi-Sprecher Udo Rügheimer nicht damit, dass Head-up-Displays vor 2005 in die Autos kommen. Die Systeme sind vor allem dann sinnvoll, wenn Warnhinweise direkt ins Sichtfeld gebracht werden sollen. Zum Beispiel könnten Nachtsichtsysteme unbeleuchtete Fußgänger erkennen und den Fahrer über das Head-upDisplay warnen. An einem solchen Nachtsichtsystem arbeiten Ingenieure bei Daimler-Chrysler: Eine Videokamera nimmt Bilder von der Straße auf, die mit Hilfe von zwei Laserscheinwerfern in Infrarotlicht ausgeleuchtet wird. Die Bildinformationen werden anschließend in Schwarzweiß umgewandelt und könnten künftig auf das Head-up-Display gespielt werden. Mit dieser Technik könnte der Autofahrer Hindernisse viel früher erkennen und hätte mehr Zeit zu reagieren.

Bei BMW erleichtert das Head- up-Display bereits heute die Kommunikation in der Formel 1. Die Box kann über das Display im Helm des Formel-1-Piloten Ralf Schumacher jederzeit wichtige Hinweise an den Fahrer senden. Bewährt sich die Technik, könnte das Head-up-Display eines Tages auch in Motorradhelmen eingebaut werden.

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