Tadschikistan offenbar doch zur Kooperation mit USA bereit
Zentralasien wehrt sich gegen die Islamisten

Je mehr Afghanistan ins Visier der Amerikaner gerät, desto größer die Sorge der Nachbarn in Zentralasien. Sie könnten von den Taliban, aber auch von bin Laden als Rückzugsbasis genutzt werden.

bbr/mbr ALMATY/MOSKAU. In den zentralasiatischen Staaten wächst die Furcht, von amerikanischen Vergeltungsschlägen gegen Afghanistan massiv betroffen zu sein. Grundsätzlich sind die Staaten der Region unter der Führung Moskaus zur Zusammenarbeit mit Washington bereit, doch könnte vor allem Tadschikistan dadurch direkt in militärische Aktionen verwickelt werden. Das Außenministerium in Duschanbe erklärte am Montag, Tadschikistan sei bereit, mit den USA beim Kampf gegen den Terrorismus zu kooperieren. Bislang habe es aber keine Anfrage der USA gegeben.

Am Sonntag hatte Tadschikistan es noch offiziell abgelehnt, den USA seinen Luftraum oder den Boden für Angriffe auf das benachbarte Afghanistan zu öffnen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei Russland, dass bis zu 27 000 Soldaten in dem verarmten Tadschikistan stationiert hat. Schon bei der sowjetischen Besetzung Afghanistans diente die Republik als Aufmarschgebiet.

Nun ist Moskau zumindestens nach US-Angaben zu einer engeren militärischen Kooperation bereit als bisher angenommen. Der US-Gesandte John Bolton sagte am Montag nach Gesprächen mit dem russischen Außenminister Igor Iwanow, Russland habe die Möglichkeit offen gelassen, den US-Streitkräften in diesem Fall seine Militärstützpunkte in den zentralasiatischen GUS-Republiken zur Verfügung zu stellen. Russland habe "nichts abgelehnt und nichts zugestimmt", sagte Bolton weiter. Noch am Freitag hatte Iwanow eine Stationierung von US-Truppen in den an Afghanistan angrenzenden Republiken mit klaren Worten zurückgewiesen.

Auch Usbekistan, das ebenfalls an Afghanistan grenzt, sowie das nördlich angrenzende Kasachstan und Kirgistan schließen eine Kooperation mit den Amerikanern nicht aus. Turkmenistan dagegen, das auf seine Neutralität pocht und keinem GUS-Sicherheitspakt angehört, hat als einziger zentralasiatischer Staat die Taliban anerkannt. Seither floriere auch der Drogenhandel aus Afghanistan über Turkmenien nach Russland und weiter gen Europa.

Die in Afghanistan regierende Taliban drohte den zentralasiatischen Republiken bereits mit Vergeltung, sollten sie sich darauf einlassen. Das wäre das Alptraumszenario für Zentralasien schlechthin. Dennoch ließ Kasachstans Präsident Nursultan Nasarbajew keinen Zweifel an seiner Position aufkommen. "Kasachstan ist mit allen seinen zur Verfügung stehenden Mitteln bereit, die Maßnahmen der Vereinigten Staaten im Kampf gegen den Terrorismus zu unterstützen", sagte er am vergangen Samstag. Die Tatsache, dass Afghanistan sich nicht weit von Kasachstan entfernt befinde, ändere daran nichts. Was in New York und Washington passiert sei, könne morgen auch in Europa, Russland oder Kasachstan geschehen.

Situation in Tadschikistan bleibt unklar

Unklar bleibt die Situation in Tadschikistan, dass eine 1 000 km lange Grenze zu Afghanistan hat. Der Sprecher des Ausseministeriums, Igor Sattarow, erklärte, dass Tadschikistan keinesfalls Angriffe auf Afghanistan von seinem Territorium aus zulassen würde. Tadschikistan leidet noch immer unter den Folgen des fünf Jahre andauernden Bürgerkriegs zwischen der säkularen Regierung und der islamischen Opposition, der 1997 zu Ende ging. Als Teil der Friedensvereinbarungen wurden Islamisten in die tadschikische Regierung aufgenommen.

Die Bedrohung Zentralasiens durch islamische Fundamentalisten wurde erstmals vor über zwei Jahren erkannt. Im Februar 1999 explodierten Bomben im Zentrum der usbekischen Hauptstadt Taschkent, durch die mehr als ein Dutzend Menschen getötet wurden. Als Schuldige wurden von offizieller Seite islamische Fundamentalisten ausgemacht. Beobachter sind sich jedoch bis heute nicht sicher, ob nicht politische Gegner des Präsidenten Islam Karimows, der keine Opposition zulässt, dahinter waren.

Ausgerechnet das weitgehend stabile Kirgistan im Osten der Region wurde mehrfach Ziel direkter Angriff islamistischer Gruppen. In den vergangenen zwei Jahren überfielen militante Gruppen, die der Islamischen Bewegung Usbekistans (IBU) angehörten, von Tadschikistan aus das Territorium Kirgistans. Ihr Ziel war es, im Ferghana-Tal zwischen Usbekistan und Kirgistan einen islamischen Staat zu errichten. Sie wurden teilweise in afghanischen Trainingslagern ausgebildet. Diese Angriffe konnten zwar zurückgeschlagen werden, doch ist die Gefahr nicht gebannt.

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