Täter gibt auf
Deutsche nach dreitägigem Geiseldrama frei

Ein Reiseleiter hat am frühen Donnerstagmorgen in der oberägyptischen Stadt Luxor vier junge Deutsche freigelassen, die er über drei Tage lang in seiner Wohnung gefangen gehalten hatte. Der 45-jährige Ibrahim Ali el Sajed Mussa ergab sich, wie ein Polizeibeamter am Schauplatz mitteilte.

ap LUXOR. Er hatte versucht, mit der Geiselnahme die Rückgabe seiner Kinder zu erzwingen, die von seiner deutschen Frau mit nach Deutschland genommen worden waren. Das seit 1991 verheiratete Paar hatte sich vor eineinhalb Jahren im Streit getrennt.

Die ägyptischen Behörden hätten mitgeteilt, dass die Freigelassenen unversehrt seien, berichtete ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Von deutscher Seite seien dem Geiselnehmer keine Zugeständnisse gemacht worden. Die Frau und die Kinder seien während der letzten Tage von einer für solche Fälle zuständigen Gruppe des Bundeskriminalamts betreut worden. Einen Ort nannte er nicht.

Die beiden Jungen im Alter von sieben und drei Jahren waren von ihrer Mutter mit nach Deutschland genommen worden. Das älteste Kind des Mannes, eine aus einer früheren Ehe stammende Tochter, blieb bei dem Vater. Im Januar erhielt die Mutter ein vorläufiges Aufenthaltsbestimmungsrecht für die Jungen.

Täter wollte Aufmerksamkeit erregen



Augenzeugen sahen am frühen Donnerstagmorgen, wie ein Mann, offenbar der Geiselnehmer, zu einem Polizeifahrzeug gebracht wurde. Etwa zwei Stunden vorher hatte er über Funktelefon der Nachrichtenagentur AP mitgeteilt, dass er das Drama beenden wolle. Er hielt die Deutschen in seiner Wohnung im Obergeschoss eines zweistöckigen Gebäudes in einem Wohnviertel von Luxor gefangen. Die Umgebung war von von der Polizei abgeriegelt.

Der Täter soll eine Schusswaffe und einen Sprengkörper gehabt haben. Am Dienstag hatte er in einem Interview mit der Ermordung der Geiseln gedroht. Am Mittwoch äußerte er Bedauern darüber und sagte, er habe dies nur getan, um Aufmerksamkeit zu erregen. Er sei gegen jede Form der Gewalt.

Spontane Tat



Die Verhandlungen mit ihm wurden nach Angaben des Auswärtigen Amtes von ägyptischen Behörden geführt. Der Reiseleiter hatte die vier Touristen am Montag in der Nähe von Luxor verschleppt. Drei der 25 bis 27 Jahre alten Reisenden stammen laut Angaben des Auswärtigen Amtes aus Sachsen-Anhalt, einer aus Nordrhein-Westfalen. Sie waren am 6. März in Luxor angekommen und hätten ursprünglich am vergangenen Dienstag aus ihrem Hotel auschecken sollen. Am Mittwoch holte die Polizei ihr Gepäck ab.

Auf Berichte angesprochen, er und die vier Touristen hätten das Ganze inszeniert, sagte Mussa: "Das war nicht arrangiert. Es passierte spontan. Es ist möglich, dass ich die Idee von einem von ihnen hatte." Mussa fuhr fort: "Einer von ihnen hat es angeregt und gemeint, ein Telefonanruf könne die Sache in Bewegung bringen."



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