Täter hielten jungen Mann für Katholiken
Nordirische Protestantenmiliz erschießt 18-Jährigen

Protestantische Paramilitärs haben in Nordirland einen 18-jährigen Protestanten erschossen, den sie für einen Katholiken hielten. Ein weiterer Jugendlicher wurde bei der Attacke in der Nacht zum Montag in dem Dorf Glengormley nördlich von Belfast verletzt. Die radikale Protestantenmiliz "Red Hand Defenders" bekannte sich zu dem Mordanschlag, bei dem die Schützen aus einem Auto heraus auf eine Gruppe Jugendlicher feuerten.

afp BELFAST. Die Gruppe kündigte "noch abscheulichere" Taten an. Der Chef der katholischen Sinn-Fein-Partei, Gerry Adams, erklärte sich zu Gesprächen mit protestantischen Paramilitärs bereit. In den vergangenen Nächten hatten sich katholische und protestantische Jugendliche in Belfast heftige Straßenschlachten geliefert. Die Unruhen überschatteten die Versuche Großbritanniens und Irlands, den Friedensprozess in Nordirland zu retten.

Protestantische und katholische Jugendliche feierten Polizeiangaben zufolge vor einem Fußball-Club in Glengormley den Geburtstag eines ihrer Freunde, als aus einem vorbeifahrenden Wagen auf sie geschossen wurde. Der 18-jährige Protestant wurde tödlich getroffen und starb noch am Tatort. Sein katholischer Freund erlitt Schussverletzungen am Fuß und wurde ins Krankenhaus gebracht.

Die "Red Hand Defenders" teilten in einer Stellungnahme an einen lokalen Radiosender mit, ihre Terrorkampagne gegen Katholiken werde "in den kommenden Wochen, Monaten und Tagen an Heftigkeit zunehmen". Die Gruppe hatte nach einer Schießerei vor eineinhalb Wochen bereits Anschläge auf katholische Zivilisten angedroht. Die Bezeichnung "Red Hand Defenders" wird als Deckname vor allem von der protestantischen Untergrundorganisation Ulster Defense Association (UDA) verwendet. Die UDA kämpft jedoch auch unter dem Namen Ulster Freedom Fighters (UFF). Vor einigen Wochen hatten die UFF ihre Unterstützung für den Friedensprozess in der Provinz zurückgezogen.

Sinn-Fein-Chef Adams rief die protestantische Führung auf, nicht nur verbal gegen "sektiererische Anschläge" vorzugehen, sondern auch bei Treffen mit den Milizen mäßigenden Einfluss auszuüben. Er sei seinerseits zu Gesprächen mit der UDA bereit, um seinen Standpunkt klarzumachen, betonte Adams.

Der Friedensprozess für die Unruheprovinz steckt vor allem wegen der ausbleibenden Entwaffnung der Irisch Republikanischen Armee (IRA) in der Krise. Der nordirische Regierungschef David Trimble trat deshalb am 1. Juli zurück. Der britische Premierminister Tony Blair und sein irischer Kollege Bertie Ahern beschlossen am Freitag ein Maßnahmenpaket, mit dem das Karfreitagsabkommen für Nordirland und die Belfaster Regionalregierung gerettet werden sollen. Es soll noch im Laufe der Woche vorgestellt werden und sieht unbestätigten Angaben zufolge eine zügigere Entwaffnung der IRA sowie einen Teilabzug der britischen Armee aus Nordirland vor.

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