Täter minderjährig
Spanisches Geiseldrama: Täter in Haft

Nach der Geiselnahme in einer kirchlichen Schule nahe Barcelona sitzt der Schock in Spanien tief. Ein solches Verbrechen hatte das Land bislang nicht erlebt.

HB/dpa BARCELONA. Einige Eltern wollten nach Angaben der Behörden am Dienstag ihre Kinder nicht in die Schule im Vorort L'Hospitalet de Llobregat bringen. Dort hatte ein 17 Jahre alter und mit einem Messer bewaffneter Ex-Schüler am Montagabend 20 Kinder und deren Lehrerin in ihrer Klasse als Geiseln genommen. Die Polizei konnte das Drama nach vier Stunden unblutig beenden. Der maskierte Täter wurde festgenommen, die Schüler im Alter von 8 bis 10 Jahren blieben unversehrt.

Einem als Bote getarnten Zivilfahnder gelang es, den als Problemkind beschriebenen Kidnapper zu überwältigen, als er ihm wie gefordert eine Pizza brachte. Zu diesem Zeitpunkt hatte der 17- Jährige dank der Vermittler der Polizei bereits 16 seiner Geiseln gehen lassen, darunter auch die Lehrerin. Für die Freilassung der verbleibenden Schüler forderte er zunächst 1,5 Millionen und einige Zeit darauf noch 6 000 Euro Lösegeld. Unter den Opfern war auch die Schwester des Täters. Als Motiv gab er später Geldsorgen an. Er habe die Pflege des Grabes seines Großvaters bezahlen wollen. Zugleich prahlte der Kidnapper aber mit seiner Tat und freute sich über den Medienrummel.

"Die Schüler schrien und weinten, sie waren völlig verängstigt", sagte eine Lehrerin. Psychologen meinten, dass die Schüler noch lange unter dem Schock leiden werden. Der Jugendliche wurde unter wütenden Protesten einer Menschenmenge in einem Polizeiwagen abgeführt. "Ich bringe Dich um!", riefen einige. Inzwischen sitzt der 17-Jährige in Jugendhaft. Im Dezember, noch bevor der Prozess beginnt, wird er volljährig. Vor zwei Jahren war er von der Schule geflogen.

Eliteeinheiten der Polizei hatten die zu einem Kirchenorden gehörende Schule "Casal de los Angeles" stundenlang umstellt. Auch zahlreiche Krankenwagen eilten zum Tatort. Draußen spielten sich dramatische Szenen ab: Unter den Hunderten von Schaulustigen waren viele Eltern, die von Psychologen betreut werden mussten. Die Schule hat rund 1 000 Schüler. Die restlichen Kinder waren unmittelbar nach Beginn des Geiseldramas von der Polizei in Sicherheit gebracht worden.

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