Täter wurde immer müder
SEK befreit Geiseln aus Bus auf Autobahn

Auf der Autobahn bei Hildesheim hat ein Sondereinsatzkommando der Polizei am Freitag nach mehrstündiger Fahrt einen in Bremen entführten Bus gestürmt und mehrere Geiseln befreit. Bei dem Geiselnehmer soll es sich um einen 17-jährigen Libanesen handeln.

rtr/dpa HILDESHEIM. Das Sondereinsatzkommando (SEK) habe einen Moment der Unaufmerksamkeit des Geiselnehmers genutzt und den Bus um 16.13 Uhr gestürmt, sagte ein Sprecher der Hildesheimer Polizei. Der bewaffnete Täter, der die 14 Passagiere und den Busfahrer seit dem Morgen in der Gewalt gehabt hatte, sei im Laufe des Nachmittags immer müder geworden. In den Verhandlungen habe er mit der Zündung einer Bombe gedroht. Die Ermittler hätten allerdings keinen Sprengsatz an Bord des Busses gefunden. Das Motiv des Täters sei unklar. Während der Geiselnahme kam es in der Region zu einem Verkehrschaos, weil die Polizei die wichtige Nord-Süd-Autobahn über Stunden komplett sperrte.

Der jugendliche Täter werde in Hildesheim befragt, sagte der Polizeisprecher. Als das Sondereinsatzkommando am Nachmittag zugegriffen habe, hätten sich noch vier Geiseln und der Busfahrer in dem Linienbus befunden. Der bewaffnete Mann war am Morgen in Bremen in den Linienbus gestiegen und hatte den Busfahrer zu der mehrstündigen Fahrt über die Autobahn gezwungen. Auf der A7 bei Hildesheim stoppte die Polizei den Bus durch einen vorgetäuschten Unfall und sperrte die Autobahn für alle anderen Fahrzeuge, so dass sich in der gesamten Region kilometerlange Staus bildeten.

Während der stundenlangen Verhandlungen mit der Polizei ließ der Täter mehrere Geiseln frei. Die restlichen fünf Geiseln seien von dem Sondereinsatzkommando unverletzt befreit und zur psychologischen Betreuung nach Hildesheim gebracht worden, sagte der Polizeisprecher. In den Verhandlungen hatte der Geiselnehmer einen Ersatzfahrer, ein Austausch-Handy sowie Verpflegung gefordert. Er sagte, er wolle seine Fahrt in Richtung Süden fortsetzen. Außerdem verlangte der Mann nach Polizeiangaben den Bremer Oberbürgermeister Henning Scherf (SPD) als Vermittler.

Stundenlange Irrfahrt auf der Autobahn

Der Mann war den Angaben zufolge am frühen Vormittag im Stadtgebiet von Bremen in den Bus gestiegen und hatte den Fahrer mit einer Waffe bedroht. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie der Bus gefolgt von mehreren Fahrzeugen die Autobahn entlang fuhr. An den abgeriegelten Zufahrten warteten Krankenwagen und Zivilfahrzeuge der Polizei. Hubschrauber kreisten über der Autobahn. Die Sicherheitskräfte schirmten den Verkehr auf der Fahrstrecke hinter dem Bus ab. In dem Bus waren mehrere Menschen zu sehen, die im hinteren Fahrzeugteil saßen.

Im weiteren Verlauf habe der Täter aus unbekannten Gründen einmal in die Luft geschossen, hieß es. Dann habe er einen Mann wegen Kreislaufschwäche freigelassen, danach weitere Personen. Sie seien unverletzt, würden aber psychologisch betreut. Auch die zuletzt freigelassenen Personen sollen unverletzt sein.

Scherf war nicht als Vermittler eingeschaltet

Bremens Regierungschef Henning Scherf (SPD) war nach Angaben der Senatskanzlei nicht als Vermittler in die Gespräche mit dem Entführer des Bremer Linienbusses eingeschaltet. "Die Polizei hat es bis zum Schluss nicht für notwendig angesehen, dass Henning Scherf einbezogen wird, obwohl er dazu bereit gewesen wäre", sagte ein Sprecher am Freitag. "Scherf hat erklärt, er wolle sich nicht in die Arbeit der Polizei einmischen, halte sich aber bei Bedarf zur Verfügung." Er sei über das unblutige Ende der Entführung glücklich.

Erst vor zwei Wochen kaperte ein Bankräuber einen Linienbus in Berlin. Die Geiseln wurden bei einer Blitzaktion der Polizei befreit. Unwillkürlich wurden auch bei neuen Tat die Bilder vom Geiseldrama im nordrhein-westfälischen Gladbeck 1988 wach, als Geiselgangster auf ihrer Flucht ebenfalls in Bremen einen Bus mit 35 Menschen kaperten. Tote, Verletzte und jede Menge Kritik an der Arbeit der Polizei und der Medien waren damals die Folge. Das Drama dauerte 54 Stunden.

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