Täter zeigen auch vor Gericht keine Reue
Rechtsradikale erhalten hohe Haftstrafen wegen Mordes an Mosambikaner

Das Urteil gegen die Skinheads aus Dessau kommentierten Vertreter aus Politik einhellig positiv. Bundeskanzler Gerhard Schröder bezeichnete das Strafmaß als "angemessen". Bundesanwalt Joachim Lampe erhofft sich von dem Richterspruch eine "Signalwirkung" für die Gesellschaft.

ap/Reuters HALLE/WITTENBERGE. Wegen gemeinschaftlich begangenen Mordes an dem Mosambikaner Alberto Adriano sind die drei Angeklagten heute in Halle zu hohen Haftstrafen verurteilt worden. Der 24 Jahre alte Enrico H. bekam lebenslang. Gegen seine beiden mitangeklagten 16-jährigen Komplizen wurde eine Jugendstrafe von jeweils neun Jahren verhängt. Alle drei hätten aus niedrigen Beweggründen gehandelt und das Opfer aus Rassenhass getötet, hieß es. Damit folgte der Erste Strafsenat des Oberlandesgerichtes von Sachsen-Anhalt weitgehend den Anträgen von Bundesanwaltschaft und Nebenklägern.

Das Gericht sehe es als erwiesen an, dass das Trio aus der rechtsextremistischen Szene am 11. Juni den seit den 80er Jahren in Deutschland lebenden Vater von drei Söhnen in Dessau überfallen und misshandelt habe, lautete die Urteilsbegründung des Vorsitzenden Richters Albrecht Hennig. Das Opfer starb drei Tage später an seinen schweren Kopfverletzungen.

Täter kannten keine Gnade

Der Richter schilderte das blutige Verbrechen, das sich aus den Aussagen zahlreicher Tatzeugen rekonstruieren ließ. Danach trafen sich die beiden 16-Jährigen aus Wolfen mit dem Älteren aus Bad Liebenwerda am Abend des 10. Juni eher zufällig auf dem Bahnhof von Dessau. Rechtsradikale Parolen skandierend sei das Trio später mit Gleichgesinnten durch die Stadt marschiert, bis es gegen 01.50 Uhr im Stadtpark auf das Opfer "des gemeinsamen Hasses" gestoßen sei. Der arbeitslose Bäcker Enrico H. habe als erster zugeschlagen.

Als der Afrikaner am Boden lag, wurde er von allen Dreien wahllos mit Fäusten und Tritten mit den Stahlkappen der Springerstiefel traktiert. "Tiere gehen mit dem am Boden liegenden Opfern gnädig um, Rechte offensichtlich nicht", stellte der Richter fest. Denn die Gewalttätigkeit der drei Jugendlichen habe sich weiter gesteigert. Sie zogen ihr Opfer aus und verteilten seine Kleidungsstücke im Park. Dann fielen sie erneut über Adriano her, bis gegen 02.00 Uhr ein Streifenwagen dem Überfall ein Ende bereitete und die Polizeibeamten das Trio festnahm.

Selbst Verteidiger forderten hohe Strafen

Später wurde bei den Tätern ein Blutalkohlwert von jeweils 1,38 bis 2,35 Promille festgestellt. Nach Ansicht der Gutachter waren sie jedoch trinkgewohnt und unvermindert schuldfähig. Die Tritte gegen den Kopf des Opfers seien gezielt gewesen, sagte der Richter. "Die eher schmächtigen Angeklagten, die keine Stiernacken sind, mussten sich anstrengen, um zu verletzen." Sie hätten gewusst, was sie taten, "sinnlos, grundlos und erbarmunsglos". Reue hätten die Täter während der Gerichtsverhandlung "in ernsthaftem Maße nicht gezeigt".

Auch die Verteidiger der Angeklagten hatten mehrjährige Haftstrafen gefordert, allerdings die Tötungsabsicht ihrer Mandanten bestritten. Sie plädierten auf schwere Körperverletzung mit Todesfolge beziehungsweise auf Totschlag. Die Anwältin des Erwachsenen kündigte Revision an. Bundesanwalt Joachim Lampe hatte für die Höchststrafen, also lebenslang für den Erwachsenen und zehn Jahre für die 16-Jährigen plädiert. Er sei jedoch mit dem Urteil zufrieden und hoffe auf eine Signalwirkung auf Politiker, Behörden und Bevölkerung, sagte er.

Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bezeichnete nach Bekanntwerden des Urteils die Haftstrafen als gerechtfertigt. Dies sei eine "angemessene Ahndung für ein abscheuliches Verbrechen", sagte Schröder im brandenburgischen Wittenberge. Das Urteil zeige, dass Staat, Justiz und Polizei Grenzen gegen rechte Gewalt setzten. Schröder, der sich nach eigenen Worten aus Respekt vor der Justiz nicht ausführlich zum Richterspruch äußern wollte, sagte, das Urteil mache auch deutlich, wie Deutschland mit rechter Gewalt umgehe.



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