Tag der Arbeit
DGB fordert weniger Überstunden und mehr Bildung

Mit den Forderungen nach Reinvestition von Unternehmensgewinnen für neue Jobs, dem Abbau von Überstunden und einer "Bildungsoffensive" haben die Gewerkschaften bundesweit den Tag der Arbeit begangen. An den rund tausend Kundgebungen nahmen nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) am Dienstag etwa eine halbe Million Menschen teil.

dpa-afx BERLIN/ROSTOCK. Auf der zentralen Kundgebung in Rostock forderte DGB-Chef Dieter Schulte die Unternehmer auf, ihre teilweise kräftigen Gewinne endlich auch in neue Arbeitsplätze investieren. "Das Gebot der Stunde lautet: Abbau von Überstunden und die Schaffung von mehr qualifizierten Teilzeitarbeitsplätzen." Auf der selben Kundgebung sicherte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) die Fortsetzung des Solidarpaktes für die neuen Länder zu. "Noch für lange Zeit" seien "erhebliche Mittel" notwendig, damit der Prozess der wirtschaftlichen Entwicklung sich auch im Osten selbst trage.

"Mitbestimmung gewinnt"

Die DGB-Veranstaltungen standen unter dem Motto "Zukunft braucht alle Köpfe. Mitbestimmung gewinnt". Schulte verteidigte die von der Bundesregierung geplante Reform des Betriebsverfassungsgesetzes gegen die Kritik der Arbeitgeber: Wer den wirtschaftlichen Wandel sozial gestalten wolle, "der braucht nicht weniger, sondern mehr Mitbestimmung in unserem Land". Der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, sprach sich in Hannover für ein Investitionsprogramm Ost aus.

Schröder sagte, die Förderung des Aufbaus Ost müsse auf die kleinen und mittleren Betriebe konzentriert werden. Auch müsse dafür gesorgt werden, dass in den neuen Ländern eine Forschungslandschaft entstehe, "weil dies dazu führen kann, dass aus Forschung und Entwicklung neue Produkte gemacht werden. Neue Produkte bedeuten neue Arbeitsmöglichkeiten. Dafür lasst uns kämpfen", rief der Kanzler. In den Beifall der Mai-Demonstranten für den Kanzler mischten sich aber auch Pfiffe.

Kritik an Formulierung "faule" Arbeitslose

Bsirske kritisierte in Hannover die Äußerungen des Kanzlers über "faule" Arbeitslose. Es gehe nicht an, dass der Kanzler für den Aufschwung verantwortlich sei und die Arbeitslosen für die Arbeitslosigkeit. Der nordrhein-westfälische CDU-Landeschef Jürgen Rüttgers mahnte in Moers auf einer DGB-Kundgebung eine größere Reformbereitschaft der Gewerkschaften an. Sie seien ebenso wie Arbeitgeber und Politik noch nicht genügend auf den Übergang von der Industrie- auf die Wissensgesellschaft vorbereitet.

Schröder wollte am Nachmittag noch an der "Job Parade" des DGB in Schwerin teilnehmen. Dort wollte er sich Fragen zum Thema Jugendarbeitslosigkeit stellen. Auf der Rave-Veranstaltung in der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern nach Vorbild der Berliner "Love Parade" erwartete der DGB mehr als 40.000 Jugendliche.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%