Tag der deutschen Fechter bei Olympia
„Ich hatte Angst zusammenzubrechen“

Benjamin Kleibrink und Britta Heidemann haben dem deutschen Fechtsport binnen 19 Minuten zweimal Gold und damit eine Rückkehr in die Weltspitze beschert. Imke Duplitzer und Peter Joppich scheiden unverhofft früh aus.

PEKING. Es ist heiß unter einem Fechtanzug, und nach einem langen Tag fand es Benjamin Kleibrink an der Zeit, das Kleidungsstück so weit als möglich loszuwerden. Um halb zwölf Uhr am Vormittag hatte er am Mittwoch sein erstes Gefecht bestritten, um halb zehn Uhr abends hatte er auch das letzte gewonnen. Kleibrink schlüpfte aus dem oberen Teil des Anzugs, fummelte in mühsamer Kleinarbeit einen Präventivverband vom linken Arm und zog die Hose bis unter die Hüftknochen. All das, während er seine ersten Statements als Olympiasieger im Florett abgab.

Wobei, so viel hatte er gar nicht zu sagen. Selbst zum Lachen, sagte Kleibrink, „bin ich zu müde“. Also erklärte er bloß, dass er schon ab dem Viertelfinale das Gefühl gehabt habe, dies könne sein Tag werden, und warum er im Finale gegen den Japaner Yuki Ota eine andere Strategie gewählt hatte als gewöhnlich. „Gegen ihn kann man es nicht so locker machen, wie ich das sonst gern tue, deshalb bin ich mehr von hinten gekommen.“

Das gelang dem 23-jährigen Rheinländer vorzüglich, es war tatsächlich sein Tag. Die Mimik, die Gesten – alles sah am Mittwoch unwiderstehlich aus. Der Weltranglisten-Sechste dominierte seine Gefechte nach Belieben, er gewann sie 15:10, 15:7, 15:4 und 15:9. „Ich habe die Gegner echt weggefegt“, sagte Kleibrink.

Im Schnellverfahren also zu etwas, worauf seine Heimat zuvor eine ganze olympische Geschichte lang gewartet hatte: Es war das erste Florett-Gold bei den Männern für Deutschland überhaupt. Und weil Britta Heidemann eine halbe Stunde später noch den Olympiasieg im Degen hinzufügte, darf man von einem historischen Abend für das deutsche Fechten sprechen. Seit 1992 hatte es keine Goldmedaille mehr zu feiern gehabt, damals beendeten Mannschaftssiege in Florett und Degen die größten Jahre der Tauberbischofsheimer Fechtschule. Sollte jetzt erneut eine goldene Epoche anbrechen, dann wird sie einen anderen regionalen Schwerpunkt haben. Heidemann und Kleibrink trainieren im Rheinland, wie auch die anderen beiden Granden im deutschen Team, Florett-Weltmeister Peter Joppich und Degen-Fechterin Imke Duplitzer.

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