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Tag der Krisensitzungen beim DFB

Frankfurt (dpa) - Ottmar Hitzfeld muss weiter warten, aber der Druck auf den DFB und dessen Chef Gerhard Mayer-Vorfelder wächst.

Frankfurt (dpa) - Ottmar Hitzfeld muss weiter warten, aber der Druck auf den DFB und dessen Chef Gerhard Mayer-Vorfelder wächst.

Nach dem Doppel-Schock mit dem Vorrunden-K.o. und dem überraschenden Rücktritt von Rudi Völler standen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) in zahlreichen Krisenzeitungen in Deutschland und Portugal die Aufarbeitung des EM-Desasters und die Trainerfrage auf der Tagesordnung. «Wir sind dabei, die ganze Sache zu verarbeiten, uns aufzustellen und abzustimmen, wie was zu erledigen ist in den nächsten Tagen», sagte DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt, der in der Frankfurter Verbandszentrale als Koordinator fungierte.

Die Entscheidung, wer die deutsche Mannschaft zur WM 2006 führt, hat Verbandspräsident Mayer-Vorfelder zur Chefsache erklärt. Auf die Gesprächsbereitschaft von Top-Favorit Hitzfeld hatte er aber auch am Tag nach dem abrupten Ende der Ära Völler noch nicht reagiert. «Es wurde weder mit ihm gesprochen, noch mit jemand anderem», berichtete Schmidt. So unerwartet schnell, wie Völlers Abschied über die Bühne ging, wird die Nachfolge nicht geregelt werden, obwohl die Rufe nach dem ehemaligen Bayern-Trainer immer lauter werden. «Es gibt nur den einen Namen, alles andere kannst du vergessen. Es muss gelingen, ihn zu verpflichten. Dann gibt es einen Schub», sagte Hertha-Manager Dieter Hoeneß als Vertreter des einflussreichen «Arbeitskreises Nationalmannschaft» der Bundesliga.

Andere Namen wie der von Griechen-Coach Otto Rehhagel oder des nach der Kokain-Affäre als Bundestrainer untragbaren Christoph Daum (Fenerbahce Istanbul), die beide zudem vertraglich gebunden sind, wurden nur in einigen deutschen Medien diskutiert. Außerdem erteilte Bayern München seinem beurlaubten Ex-Coach bereits die Freigabe. «Wenn der DFB sich entscheidet, Ottmar Hitzfeld als Nachfolger haben zu wollen, wird es mit dem FC Bayern kein Problem geben», sagte Franz Beckenbauer in Lissabon. Der Bayern-Präsident und Chef des deutschen Organisationskomitees für die WM 2006 empfahl dem DFB nochmals die Verpflichtung Hitzfelds: «Er ist die perfekte Alternative und er ist frei», sagte Beckenbauer, der sich von Schmidt, seiner rechten Hand im WM-OK, ständig über den neuesten Sachstand informieren ließ.

Telefon-Kontakt hielt Schmidt auch in das verwaiste deutsche EM-Quartier in Almancil, das vom DFB bis zum Finale gebucht worden war, und in dem Mayer-Vorfelder fast allein die Stellung hält. Der 69- Jährige analysierte am Freitag im Hotel «Ria Park» zusammen mit Liga-Präsident Werner Hackmann die Situation. Auch hier stand die Trainerfrage im Mittelpunkt, die Mayer-Vorfelder «nicht auf die lange Bank schieben» will. «Je eher die Entscheidung fällt, desto besser - aber ohne Druck», laute die Devise, wie Hackmann berichtete.

Mayer-Vorfelder musste sich aber auch gegen Vorwürfe zur Wehr setzen, er habe in der Nacht nach dem 1:2 gegen Tschechien nicht intensiv genug um Völler gekämpft. «DFB-Boss ließ ihn fallen», lautete eine «Bild»-Schlagzeile auf Seite 1. «Die Spekulationen sind abenteuerlich und entbehren jeder Grundlage», empörte sich der DFB - Chef, der über den Ablauf der Nacht nicht ins Detail gehen wollte: «Alles, was zu diesem Vorgang zu sagen ist, habe ich auch auf Nachfrage erklärt.» Auch Hackmann bestritt, dass es in der Nacht zu einem Zerwürfnis gekommen sei. «Da gab es überhaupt nichts, das ist alles falsch. Rudi Völler hat die Entscheidung ganz allein getroffen», versicherte der mit dem Teamchef eng verbundene Nationalmannschafts-Manager Bernd Pfaff.



Der Funktionärs- und Betreuerstab stand auch 24 Stunden nach der Rückkehr aus Portugal immer noch unter Schock. Völlers Rücktritt ging «auch persönlich sehr nahe», bemerkte Schmidt. Pfaff sprach von einem «großen Verlust für den DFB». Auch Beckenbauer ärgerte, dass Völler «stur» geblieben sei und sich nicht mehr habe umstimmen lassen. Der Blick nach vorne war dem «Kaiser» aber wichtiger, obwohl die Leistung der deutschen Mannschaft keinerlei Vorfreude auf die WM 2006 wecken könne: «Ich wage es zu bezweifeln, ob wir die Defizite ausgleichen können.»

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