"Tag des Zorns"
Palästinenser rufen zum Generalstreik auf

Nach dem ersten Militärschlag der Regierung Scharon haben die Palästinenser zu einem Generalstreik aufgerufen und den Freitag erneut zu einem "Tag des Zorns" erklärt. Auch die in Israel lebenden Araber bereiteten sich zu Protesten gegen die Regierung vor. Diese kündigte unterdessen an, künftig Soldaten direkt in die autonomen Gebiete der Palästinenser schicken zu wollen, wenn dies für notwendig erachtet werde.

ap JERUSALEM. Tausende Palästinenser haben am Freitag an einem weiteren "Tag des Zorns" gegen die israelische Regierung protestiert. Bei Auseinandersetzungen und einem Feuergefecht mit israelischen Soldaten wurden im Westjordanland drei Palästinenser getötet und mehr als 55 verletzt. Die Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern griffen auch auf den Jerusalemer Tempelberg über. Etwa 100 Palästinenser warfen Steine auf gläubige Juden an der Klagemauer.

Nach dem ersten militärischen Angriff der Regierung von Ministerpräsident Ariel Scharon vom Mittwochabend riefen die Palästinenser zu einem Generalstreik auf und erklärten den Freitag zu einem "Tag des Zorns". Sie verbrannten israelische und amerikanische Flaggen sowie Bilder Scharons. Die in Israel lebenden Araber versammelten sich zu friedlichen Protesten gegen die Regierung. Für die Palästinenser war der Freitag auch der "Tag des Bodens", an dem sie jedes Jahr an die Enteignung von Land zu Gunsten jüdischer Dörfer am 30. März 1976 erinnern. Die Untergrundorganisation Hamas kündigte weitere Terroranschläge in Israel an.

Heftige Gefechte im Westjordanland

Zu den heftigsten Gefechten kam es im Westjordanland. Hunderte Palästinenser warfen in Ramallah Steine auf israelische Soldaten, die Gummigeschosse und scharfe Munition abfeuerten. Ein 21-jähriger Palästinenser wurde getötet. In Nablus demonstrierten 10.000 Palästinenser, mehrere tausend von ihnen zogen zu einem israelischen Kontrollpunkt, wo sie von israelischen Soldaten beschossen wurden. Zwei Palästinenser wurden getötet und 15 verletzt. Im Gazastreifen führten 30 Kämpfer der Organisation Fatah eine Demonstration an. Sie gaben Schüsse in die Luft ab und drohten in Sprechchören, der Gazastreifen werde für Scharon zum Grab werden.

Auf dem Tempelberg gingen Polizisten mit Tränengas und Hartgummigeschossen gegen etwa 100 Palästinenser vor, die mit Steinen auf gläubige Juden an der Klagemauer warfen. Die heiligste Stätte des Judentums wurde zeitweise gesperrt. Auch in Jordanien und Libanon kam es zu Demonstrationen gegen Israel.

Verteidigungsminister Binjamin Ben Elieser drohte damit, Israel werde Soldaten direkt in die autonomen Gebiete der Palästinenser schicken, wenn dies für notwendig erachtet werde. Israel wolle so lange militärisch aktiv bleiben, bis der palästinensische Präsident Jassir Arafat eingesehen habe, dass nur Verhandlungen zu einer Lösung führten, sagte Ben Elieser während einer Telefonkonferenz mit jüdischen Vertretern in den USA. Seit Beginn des Aufstands Ende September vergangenen Jahres wurden 447 Menschen getötet, unter ihnen 366 Palästinenser.

Angesichts der politischen Sackgasse im Nahostkonflikt wollen sich die europäischen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats verstärkt um eine Resolution bemühen, die einen größeren Schutz für die Bewohner der palästinensischen Gebiete ermöglicht. In Brüssel rief die EU beide Seiten zu Zurückhaltung auf. Es könne keine militärische Lösung des Konflikts geben, hieß es in einer Erklärung der schwedischen Ratspräsidentschaft. Der palästinensische Generaldelegierte in Deutschland, Abdallah Frangi, sprach sich für eine stärkere Vermittlerrolle Europas aus. "Wenn sich die Amerikaner nicht in diesen Konflikt einschalten wollen oder können, hoffe ich, dass sich die Europäer vermittelnd einschalten", sagte Frangi im DeutschlandRadio Berlin.

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