Tagebuch der Handelsblatt-Reporter
Im Einsatz für Schröder

Der Radiowecker zeigt 2.13 Uhr. Peter Struck kann nicht schlafen. Er starrt unruhig an die Decke. Nur eine Frage beschäftigt den Verteidigungsminister: Was kann ich tun, damit Gerhard Kanzler bleibt und ich Minister? Dann plötzlich der rettende Einfall. Ich bin doch jetzt selbst Chef. Ich gebe einfach einen Tagesbefehl aus: Bundeswehrsoldaten haben SPD zu wählen. Hunderttausende Stimmen sind dem Kanzler plötzlich sicher - Wahlkampfmanager Machnig wird vor Neid erblassen.

Lieber Franz Müntefering, um jede Klage zu vermeiden: Diese Szene ist frei erfunden, zugegeben. Nie würde ein Minister sein Amt derart missbrauchen. Aber ein ganz klein bisschen schon, oder? Wie ist denn sonst die von Struck nun vorgestellte Initiative "Soldaten für Schröder" zu verstehen? Den Spruch vom "Staatsbürger in Uniform" muss der Kurzzeit-Minister jedenfalls irgendwie falsch verstanden haben.

Aber Respekt, die Reaktion der Union war gut einkalkuliert. Erst deren Empörung hat die Initiative schließlich bekannt gemacht. Und nix ist jetzt mit der geplanten "Soldaten heimlich für Stoiber"-Kampagne. Ansonsten wäre der Inlandseinsatz für Schröder auch noch glatt untergegangen angesichts des anscheinend kollektiven Outings der Deutschen. Wer will jetzt nicht alles plötzlich für den Kanzler stimmen: Filmemacher, Familienväter, Greise - angeblich sogar Städte versammeln die Sozialdemokraten in skurrilsten Initiativen.

Alles eine prima Sache. Deshalb ein paar weitere Vorschläge: Auch der Club der bekennenden Steuerberater könnte für die SPD werben - weil ihnen komplizierte Gesetze weiter Arbeit sichern. Der Verein tandemfahrender Windrad-Mechaniker müsste energisch für die Grünen eintreten - schließlich sichern nur sie weitere hohe Subventionen. Und alle Welt wartet auf das Outing der Vereinigung golfspielender Apotheker für die FDP - weil ihnen die Liberalen unliebsame Konkurrenz etwa durch Internethandel vom Hals halten wollen.

Ein Problem bleibt: Wer soll dann eigentlich noch Stoiber wählen? Vorschlag: die Bruderschaft gleichgeschlechtlicher Almbauern. Denen garantiert Stoiber nicht nur weiter die Homo-Ehe, sondern auch den Erhalt der Agrarsubventionen.

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