Tageslicht in Büros verbessert Atmosphäre und senkt Energiekosten
Lichtsäule lässt die Sonne rein

Glücklichere und motiviertere Mitarbeiter und eine deutlich geringere Stromrechnung - dank Tageslicht-Technik kommt mehr Sonne in die Büros. Auch günstige Lösungen sorgen für natürlich ausgeleuchtete Räume.

BERLIN. In der U-Bahn-Station Potsdamer Platz gehen morgens die Lichter aus. Denn die unterirdische Haltestelle in Berlins Zentrum hat eine direkte Verbindung zur Außenwelt. Durch Säulen aus Glas, "Light Pipes" genannt, gelangt Tageslicht nach unten. Spiegel, die die Sonnenbahn verfolgen, fangen es ein und reflektieren es in die Licht-Röhren. Das Projekt in der Hauptstadt haben gemeinsam die ITEG - Technische Projekt Planungs- und Organisations GmbH aus dem bayrischen Unterföhring und die schweizerische Heliobus AG entwickelt.

Extravagante Konstruktionen wie am Potsdamer Platz sollen nicht nur durch die auffällige Optik Aufsehen erregen. Sie senken auch die Energiekosten. Moderne Tageslicht-Technik hält nicht nur Einzug im öffentlichen Raum, sondern insbesondere in Bürogebäuden. Denn dort sprechen auch weitere Gründe für mehr Sonne, erläutert Hans Erhorn vom Fraunhofer für Bauphysik-Institut (IBP): "Das Raumklima ist angenehmer. Wenn sich die Menschen im Büro wohler fühlen, erhöht das die Kreativität und Motivation."

Debatten bei Tageslicht

Prominentestes Beispiel für moderne Tageslicht-Technik ist der Berliner Reichstag. Mit seiner riesigen Glaskuppel soll er nicht nur Transparenz demonstrieren, sondern auch Debatten unter Tageslichtverhältnissen ermöglichen. Neuere Forschungen, etwa der Ergonomic Institut für Arbeits- und Sozialforschung Forschungsgesellschaft mbH in Berlin, haben ergeben, dass Mitarbeiter bei natürlicher Beleuchtung langsamer ermüden und dass die Augen weniger belastet werden. "Zudem lassen sich die Stromkosten während der hellen Tageshälfte um bis zu 90 Prozent reduzieren", sagt Ahmet Cakir, wissenschaftlicher Leiter bei Ergonomic. Hinzu kommt ein zusätzliches Einsparpotenzial von 50 Prozent der Kosten für die Instandhaltung der künstlichen Beleuchtung.

Fenster sind dabei längst nicht mehr die einzige Tageslichtquelle. Eine klassische Alternative stellen beispielsweise Lichtkuppeln oder Lichtbänder dar, die auf dem Dach angebracht werden. Sie spenden nicht nur Licht, sondern sorgen allein durch den thermischen Auftrieb für eine natürliche Raumentlüftung. Weiterer Vorteil: In Brandfällen ziehen Rauch und gefährliche Gase durch die Oberlichter schneller ab. Allerdings können nur Bauten mit Flachdächern - und dann auch nur die obersten Etagen - von solchen Lichtquellen profitieren. Wer dagegen auch in Gebäuden mit normalem Spitz- oder Walmdach nicht aufs Oberlicht verzichten möchte, muss schon auf raffiniertere Techniken zurückgreifen.

Lichtröhre leitet Sonnenstrahlen in untere Etage

Eine Möglichkeit bietet hier der "Tageslichtkamin" der Talis Tageslichtsysteme GmbH aus dem süddeutschen Bempflingen. Bei diesem System fällt durch eine auf dem Dach angebrachte Acrylglaskuppel Licht in eine Röhre, die über eine hochreflektierende optische Schicht verfügt. Damit leitet sie die Sonnenstrahlen zu einer Linse, die dann das Licht in den Raum streut. Allerdings kann auch dieses System nur obere Stockwerke ausreichend beleuchten. Ab einer Röhrenlänge von zwei Metern ist das Licht für eine ausreichende Arbeitsplatzbeleuchtung nicht mehr intensiv genug.

Einen alternativen Ansatz, der auch die Fassaden nutzt, verfolgt die Oldenburger Firma Hüppe Form Sonnenschutzsysteme.Das Unternehmen hat in der Berliner Hauptverwaltung der Dussmann-Gruppe ein multifunktionales Jalousie-System installiert. Das Besondere: Die Jalousien werden durch eine Anlage gesteuert, die über einen Lichtsensor auf die Wetterverhältnisse reagiert. Der Winkel der speziell beschichteten Lamellen wird je nach Wetterlage so verändert, dass im Raum optimales Licht herrscht. Diese intelligenten Raummanagement-Systeme sind allerdings relativ teuer.

Eine günstige Alternative entwickelt derzeit die in Paris ansässige Internationale Energie-Agentur (IEA) im multinationalen Verbundprojekt "Tageslicht-Gebäude im 21. Jahrhundert". Helligkeitssensoren sollen dabei vorhandene Lampen regulieren. Dunkelt der Raum ab, weil die Sonne verschwindet, schaltet sich die Lichtquelle automatisch ein. Scheint die Sonne wieder stärker, wird die künstliche Beleuchtung zurückgedreht.

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