Tagung in Berlin
Zwickel fordert von IG Metall mehr Reformbereitschaft

Der IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel hat von seiner Gewerkschaft mehr Reformbereitschaft nach innen und außen verlangt.

HB/dpa BERLIN. Wenn sich die IG Metall nur auf Vertrautes verlasse, nehme sie in Kauf, in die politische Isolation und Handlungsunfähigkeit abzurutschen, warnte Zwickel am Mittwoch bei einer Tagung seiner Organisation in Berlin. In Hinblick auf die geplanten Reformen der Sozialsysteme könne die Alternative nicht lauten: "Unsere tradierten Positionen gegen die "Agenda 2010"." Die IG Metall müsse sich auf Veränderungen einlassen, um sie mitgestalten zu können.

Als Beispiel nannte Zwickel auch die tarifliche Differenzierung. In der Tarifpolitik habe die IG Metall in den vergangenen Jahren immer stärker auf die unterschiedliche Leistungsfähigkeit von Branchen, Regionen und Betrieben Rücksicht nehmen und Abweichungen vom Flächentarif nach unten zustimmen müssen. Vereinbarungen zur Beschäftigungs- und Standortsicherung seien inzwischen zu einem Standardinstrument betrieblicher Regulierung geworden. Ebenso sei es mit tariflichen Öffnungsklauseln. Darüber müsse die IG Metall offensiv diskutieren. "Wenn wir es nicht tun, werden es andere tun."

Zwickel räumte ein, dass sich eine "übergroße Mehrheit" der Gewerkschaftsmitglieder in den vergangenen Wochen nicht an den Protesten gegen die Reform-"Agenda 2010" von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) beteiligt habe. "Unsere Konfliktfähigkeit steht und fällt mit dem Drohpotenzial, das wir mit unseren Mitgliedern aufbauen können", sagte der Gewerkschaftsvorsitzende. Deshalb müsse die IG Metall darauf achten, dass sie diese nicht hinter sich lasse. "Sonst stehen wir vor und die Mitglieder hinter dem Werkstor", sagte Zwickel. Die traditionellen Gewerkschaftsrituale gingen häufig an den Interessen vernunftbegabter Menschen vorbei.

Bei der Reform der Sozialsysteme sprach sich Zwickel für den Erhalt der paritätischen Finanzierung aus. Die IG Metall sei gegen eine höhere Eigenbeteiligung oder Zuzahlung der Versicherten, wolle aber über offen über nötige Ergänzungen zum System der paritätischen Finanzierung diskutieren. "Solidarität und Verteilungsgerechtigkeit müssen sichergestellt sein", sagte der Vorsitzende. Die "Agenda 2010" bezeichnete er erneut als unsozial und ungerecht. Sie sei kein Programm, sondern Flickwerk.

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