Tagung in Montreal
Icann verabschiedet sich von Kritikern

Die gewählten Direktoren haben den Vorstand des Internet-Regulierers offiziell verlassen, unter ihnen der deutsche Hacker Andy Müller-Maguhn. Die Nachfolger wurden ernannt, unter ihnen ein Ex-Telekom-Manager. Die umstrittene Organisation begrub damit endgültig ihren Demokratie-Versuch.

Der Internet-Regulierer Icann (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) hat seine Führungsmannschaft jetzt auch offiziell neu formiert: Mit der gestern zu Ende gegangenen Sitzung im kanadischen Montreal verließen die gewählten Vertreter der Internet-Gemeinde den Icann-Vorstand, unter ihnen der Deutsche Andy Müller-Maguhn und der US-Amerikaner Karl Auerbach.

Demokratie-Versuch gescheitert

Beide gehörten zu den schärfsten Kritiker der Internet-Verwaltungsorganisation mit Sitz im kalifornischen Marina del Rey. Müller-Maguhn ist Sprecher des Chaos Computer Clubs. Er wurde im Herbst 2000 von der europäischen Internet-Gemeinde in das Gremium gewählt. Die Wahlen galten damals als Pilotprojekt für eine neue Form der Nutzerbeteiligung und erregten weltweit Aufsehen - zumindest in Fachkreisen. Mittlerweile hat sich Icann von dem basisdemokratischen Versuch, der noch unter der Ägide der Clinton-Administration zustande kam, wieder verabschiedet. Die Entscheidung, künftig keine Internet-Wahlen mehr zu veranstalten, war bereits im vergangenen Jahr gefallen. In Montreal konnte Icann nun auch offiziell in der Version 2.0 die Arbeit aufnehmen.

Icann-Direktoren werden ernannt

Statt der gewählten Vertreter wurden die nachfolgenden Icann-Direktoren schlicht ernannt. Icann hatte dazu eigens ein Nominierungskomitee gebildet. Unter den Neuzugängen ist wiederum ein Deutscher: Hagen Hultzsch, ehemaliger Manager der Deutschen Telekom. Neben Hultzsch traten sechs weitere neue Mitglieder gestern offiziell ihr Amt bei Icann an.

Künftig will Icann die Beteiligung der Nutzer durch ein neues System ausreichend berücksichtigt wissen. In den fünf Kontinenten sollen jeweils regionale Komittees gebildet werden, die Icann beraten sollen.

Icann entschied zudem bei der Tagung in Montreal, dass weitere neue Internet-Adress-Endungen eingeführt werden sollen,wie zum Beispiel .law für den Rechtsbereich, .travel für Reiseorganisationen und-unternehmen und .health für den Gesundheitssektor. Welche Adress-Endungen, so genannte Top Level Domains, zum Zuge kommen werden, ist noch nicht klar.

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