Taiwan will Biotechnologie-Zentrum in Asien werden
Mit Biotech-Orchideen auf den Weltmarkt

Was Taiwan in der Elektronikindustrie gelang, soll in der Biotechnologie wiederholt werden: Das Land will sich zum Auftragsfertiger und-forscher für führende Pharmafirmen mausern und wichtiger Biotechstandort werden. Doch der Aufbau ist schwierig: Es fehlt an Talenten und Kapital.

mg TAIPEI. Mit einem Kraftakt will sich Taiwan in den kommenden zehn Jahren als Zentrum für Genforschung und Arzneimittelproduktion in Asien etablieren. Taiwans Präsident Chen Shui-bian hat dafür 1,6 Mrd. $ staatliche Investitionen zugesagt, die Privatwirtschaft will vier Mrd. $ aufbringen. Mit dem Geld sollen in dem Zeitraum 500 junge Biotech-Firmen als industrieller Kern gegründet werden, um den herum sich die Zukunftsbranche entwickeln kann.

Vor allem als Standort für Produktionsauslagerungen westlicher Pharmakonzerne will die Regierung das Land präsentieren - und preist die Nähe zum riesigen chinesischen Markt an. Das Biotech-Projekt soll auch ein Rettungsring sein für die kränkelnde Industrie des Landes und für die Taiwaner, die von Arbeitslosigkeit bedrückt sind und sich nach einer neuen wirtschaftliche Perspektive sehnen.

Exzellente Voraussetzungen

Auf dem Papier hat Taiwan exzellente Voraussetzungen, das hoch gesteckte Ziel zu erreichen: Die überwiegend mittelständische Industrie ist risiko- und innovationsfreudig, das Gesundheitssystem ist vergleichsweise gut entwickelt und die Forschung hat mittlerweile einen respektablen Stand erreicht. Einer der größten Vorteile: Der riesige Markt China liegt vor der Tür.

Taiwan ist in den vergangenen Jahren zum Weltzentrum für die Auftragsfertigung westlicher Computerfirmen aufgestiegen und will dies nun auch in der Biotechnologie schaffen. Doch in der Praxis stockt der Aufbau. Viele der derzeit 150 jungen Biotech-Firmen klagen über mangelnde Koordinierung staatlicher Hilfen, fehlende Talente und zögerliche Risikokapital-Fonds. "Die Regierung muss noch kräftiger anschieben", fordert Lily Ho, Sprecherin von Vita Genomics, ein Unternehmen das im März von führenden Industriekonzernen Taiwans gegründet wurde. Vita will gemeinsam mit dem US-Biotechunternehmen und Vita-Anteilseigner Celera Genomics eine asiatische Gendatenbank erstellen und eine medizinische Landkarte häufiger Krankheiten auf dem Kontinent entwickeln. Drei der fünf Manager in dem bald 100 Mitarbeiter großen Unternehmen Vita Genomics kommen von US-Elite-Universitäten - Rückkehrer aus den USA sind mangels lokaler Talente eine zunehmend wichtige Quelle für den Aufbau.

Probleme bei Kapitalbeschaffung

Bei der Beschaffung von Kapital stoßen die jungen Biotechfirmen auf weitere Probleme. "Von den 52 Mrd. zugesagten Taiwan-Dollar hat die Regierung erst 0,5 Mrd. frei gegeben", klagt Tzeng Chi-Meng, Präsident des Biotech-Unternehmens U-Vision. Tzeng hat sich an Universitäten in den USA auf die Therapie von Magenkrebs spezialisiert und will in Taiwan einfache und schnelle Diagnose-Verfahren für Krebs und Diabetes entwickeln. Mit umgerechnet 5 Mill. DM Eigenkapital kann er keine großen Sprünge machen und greift daher heimische Wagniskapitalfonds wegen ihrer Mittelverteilung an: "Für Kartoffelchips würde ich Geld kriegen, für Biochips eher nicht."

Den Großteil der verfügbaren Mittel - auch staatliches Kapital - investierten die Fonds in den USA, nicht in Taiwan, kritisiert Tzeng. Er spielt aus diesem Grund mit dem Gedanken, seine Firma bald in die USA zu verlegen.

Biotechbranche wächst rapide

Dennoch, die Biotechbranche in Taiwan wächst derzeit rapide. Das bestätigt Johnsee Lee, Generaldirektor im Biomedical Engineering Center von Taiwans Industrial Technology Research Institute. "Meine Mannschaft wächst um 40 % pro Jahr", sagt er. In dem Institut entwickeln 300 Forscher - darunter 90 Doktoranden - einen neuen Biochip, sie arbeiten 18 Stunden am Tag auf engem Raum.

Zuversichtlich gestimmt ist auch Irwin Chu, Präsident von Taiwan Flower Biotech. Das Unternehmen startete vor drei Jahren mit 30 Mill. $ und will mit elf eigenen Forschern und zugekaufter Forschungskapazität in Japan, Neuseeland und ab kommendem Jahr auch im ostchinesischen Qingdao biotechnisch veredelte Schnittblumen produzieren. Mit Biotech-Orchideen greift das Unternehmen die dominierenden Züchter in den Niederlanden an. "Ich habe mehr Kapital als ich brauche", sagt der gebürtige Japaner. Mit Blumen könne er den Risikofonds anschaulichere Geschäftspläne offerieren als mit Biochips.

Doch auch im Falle von Taiwan Flower offenbart sich eine Startschwäche in Taiwans Biotechbranche. Bislang sind es nur wenige große Konzerne, die mit Kapitalspritzen für kleine Biotech-Ableger den Plänen der Regierung folgen. Und das Geld fließt vergleichsweise spärlich: Der Schweizer Pharmakonzern Roche investiert jährlich mehr in die Forschung als sämtliche staatlichen und privaten Pharma-Projekte in Taiwan zusammen.

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