Taiwanesen steigen ein
Grundig unmittelbar vor Verkauf

Der angeschlagene Elektronik-Konzern Grundig hat nach langen Verhandlungen einen Investor gefunden. Bis Mitte Januar soll der Vertrag über einen Einstieg der Sampo-Gruppe aus Taiwan unterzeichnet werden.

HB/jojo MÜNCHEN. Die Grundig AG ist sich mit dem dringend benötigten Investor offenbar endlich einig. In Unternehmenskreisen heißt es, dass ein Vertragsabschluss mit der taiwanesischen Sampo-Gruppe unmittelbar bevorstehe. Allerdings werde der Vertrag nicht mehr wie zuletzt geplant bis zum Jahresende unterzeichnet, sondern erst Anfang 2003.

Unklar ist noch, welchen Anteil der asiatische Konzern an dem Nürnberger Traditionsuntenehmen übernimmt und welchen Preis er dafür bezahlt. Offen ist auch, welche Forderungen Sampo stellt, ob die Asiaten beispielsweise staatliche Fördermittel verlangen. Anfang September hatte Grundig bereits gemeldet, dass eine Absichtserklärung mit einem strategischen Investor unterzeichnet worden sei. Namen wurden zu dem Zeitpunkt nicht genannt.

Der Fernsehgeräte-Hersteller Grundig gehört zu 89 % dem Rosenheimer Antennen-Produzenten Anton Kathrein. Dem Unternehmer fehlen allerdings die Mittel, um Deutschlands größten Unterhaltungsgeräte-Hersteller wieder auf die Beine zu bringen. Deshalb sucht Grundig seit anderthalb Jahren einen finanzkräftigen Partner. Grundig-Chef Hans-Peter Kohlhammer kam dabei bislang allerdings nur langsam voran. Eigentlich wollte er bereits im Sommer einen neuen Anteilseigner präsentieren. Im Herbst verlautete dann aus der Firma, Ziel sei ein Abschluss bis Ende November. Doch auch diese Frist wurde nicht eingehalten.

Grundig braucht dringend frisches Kapital, weil die Banken seit Monaten auf die Rückzahlung ihrer Kredite drängen. Anfang September waren die Kreditinstitute erst in letzter Minute bereit, dringend benötigte Kreditlinien in erweitertem Rahmen zu verlängern. Sonst hätte Grundig vor dem Aus gestanden. Durch eine Ausfall-Bürgschaft des Freistaats Bayern für Kredite über 45 Mill. Euro wurden die Franken zuletzt etwas entlastet. Jetzt reicht das Geld auch ohne fremde Hilfe bis ins kommende Frühjahr.

Der am vergangenen Wochenende angekündigte Verkauf des Grundig- Werkes in Wien hat den Verhandlungen mit Sampo neuen Schub gegeben. Denn die Taiwanesen haben offenbar nur wenig Interesse an der schlecht ausgelasteten Fernsehgeräte-Produktion von Grundig. Grundig-Eigentümer Anton Kathrein: "Mit dem Verkauf sind wir hinsichtlich einer möglichen Einigung mit unserem potenziellen Investor ein großes Stück voran gekommen."

Sampo interessiert sich viel mehr für den in Deutschland und anderen europäischen Ländern gut eingeführten Markennamen, die Entwicklung und den Vertrieb. Von der Produktion ist nach dem Verkauf der Wiener Fabrik mit rund 1000 Mitarbeitern ohnehin nur noch ein Werk in Portugal übrig. Am Firmensitz in Nürnberg wurden die Bänder bereits vor Jahresfrist still gelegt. Seither werden kleine, günstige Grundig-Fernseher in der Türkei gefertigt. Die größeren, hochwertigen Apparate kommen aus Wien.

Der einstige Elektro-Riesen Grundig ist damit nur noch ein Schatten früherer Zeiten: In den vergangenen 20 Jahren ist die Firma von mehr als 40 000 Mitarbeitern weniger als 5000 Leute geschrumpft. Grundig-Chef Kohlhammer hat in den vergangenen Monaten zudem für einige Randbereiche Partner mit ins Boot genommen, andere Aktivitäten wie die Decoder-Sparte hat der Manager verkauft.

Trotz eines drastischen Sparkurses wird Grundig nach früheren Angaben auch im laufenden Jahr rote Zahlen schreiben. Der Konzern lag im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 1,28 Mrd. Euro mit 150 Mill. Euro im Minus. Grundig leidet unter einem harten Preiskampf in der Branche sowie der derzeitigen Wirtschaftsflaute. Selbst der bisher äußerst erfolgreiche Luxus-Hersteller Loewe AG musste jüngst seine Prognosen für 2002 nach unten korrigieren. Und die Reste des insolventen bayerischen TV-Geräte-Herstellers Schneider wurden vor wenigen Wochen von chinesischen Investoren gekauft.

Quelle: Handelsblatt

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