Taktik der Nadelstiche
USA setzen auf „Blitzkrieg“ - Irak auf Straßenkampf

In einem Irak-Krieg dürften die USA mit ihren hochtechnologischen Waffensystemen ihr Heil in einer Art "Blitzkrieg" gegen das arabische Land suchen.

Reuters DUBAI. Iraks Präsident Saddam Hussein, dessen Armee als den Amerikanern und Briten weit unterlegen gilt, wird wohl auf eine Nadelstich-Taktik und Straßenkampf setzen. Er könnte sich schließlich nach Bagdad oder seine Heimatstadt Tikrit zurückziehen.

Es folgt eine Übersicht über mögliche Strategien der Kriegsgegner, die auf Reuters-Informationen aus Diplomatenkreisen und von Militärexperten beruhen:

USA:

Die USA verfügen über ein gewaltiges Arsenal an hochtechnologischen Waffen: Marschflugkörper und Bomben, die etwa über Laser oder Satellit gelenkt werden. Zudem gibt es Bomben, die sich in unterirdische Einrichtungen wie Bunker eingraben können und erst dort explodieren. Andere Modelle legen mit einem elektronischen Impuls ihr Zielobjekt weitgehend lahm. Mit diesen Waffen könnten die USA versuchen, die psychologischen Effekte einer Atombombe zu simulieren, um die irakische Armee zu schockieren und womöglich zur Aufgabe zu bewegen. Ziel wäre es, Saddam und sein Umfeld zu isolieren, den Kampfeswillen der irakischen Armee zu schwächen und Überläufer zu ködern.

Im Golfkrieg 1991 folgte den fünfwöchigen Luftangriffen eine etwa 100-stündige Bodenoffensive der USA. Diesmal könnten die britischen und US-Truppen dank ihrer erwarteten Lufthoheit möglicherweise gleichzeitig oder aber frühzeitig eine Bodenoffensive starten. Mit Panzern, Truppentransportern und Luftlandetruppen könnte dies zu einer Zangenoffensive aus dem Norden von Kuwait in Richtung Bagdad und aus dem Süden auf die Stadt Basra und die südlichen Ölfelder Iraks führen.

Spezialtruppen, die schon in Afghanistan zum Sturz der radikal-islamischen Taliban beitrugen, sind sicherlich bereits in Irak, um Ziele zu identifizieren, Geheimdienstinformationen zusammenzutragen und Kontakt zu Oppositionellen aufzunehmen. Bei Beginn einer Invasion dürfte es auch zu ihren Aufgaben gehören, die mobilen Panzerabwehrraketen Iraks auszuschalten und gegen Saddam und sein Umfeld vorzugehen. Die USA haben rund 235 000 Soldaten in der Golf-Region zusammengezogen.

Irak:

Iraks Strategie dürfte es sein, für kleinere Überraschungen auf dem Schlachtfeld zu sorgen und den Gegnern mit einer Guerilla-Taktik zuzusetzen. Die Hoffnung dabei wird sein, dass in der Öffentlichkeit in den USA immer mehr tote US-Soldaten wahrgenommen werden und eine daraus erwachsende Antikriegsstimmung den Kampfeswillen der Invasoren schwächen könnte.

Saddam hat Irak in vier Militärregionen aufgeteilt und seinen Sohn Kusai und drei andere Vertraute jeweils mit der Verteidigung beauftragt. Kusai wird für Saddams Hochburg Bagdad und die Region um Tikrit zuständig sein. Die irakische Armee hat etwa 350 000 Soldaten, aber viele ihrer Panzer und anderer Waffen gelten als veraltet. Spezialtruppen der besser ausgerüsteten Republikanischen Garde werden voraussichtlich in Bagdad stationiert. Rund 15 000 paramilitärische Sicherheitskräfte beschützen Saddam und die Staatsführung.

Großbritannien:

Großbritannien hat etwa 45 000 Soldaten in der Golf-Region in Bereitschaft, den Flugzeugträger Ark Royal, weitere Kriegsschiffe und Flugzeuge. Die amerikanische und britische Marineinfanterie wird sich wahrscheinlich auf Basra konzentrieren. Sie werden wohl auch die südlichen Ölfelder sichern, damit Irak sie nicht in Brand setzt, wie es 1991 beim Golf-Krieg in Kuwait geschah. Die Aufgabe der britischen Marine dürfte es sein, zu Land und zu Wasser anzugreifen sowie Minen zu räumen.

Andere Staaten:

Australien gilt als enger Verbündeter der USA und hat 2 000 Soldaten sowie Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe in die Golf-Region entsandt. Auf Anfrage der USA haben Bulgarien, Tschechien, Rumänien, die Slowakei und die Ukraine angekündigt, Spezialeinheiten zur Abwehr atomarer, biologischer und chemischer Waffen zu schicken.

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