Talfahrt in der Consultingbranche hält an
Berater können trotz Konkurs Karriere machen

Die Talfahrt auf dem Arbeitsmarkt für Unternehmensberater hält an. Nur noch wenige Firmen stellen ein. Top Consultants bekommen jedoch noch immer attraktive Jobs geboten.

Herzlichen Glückwunsch: Ausgerechnet am Tag vor Marcel Fujikes Geburtstag drehte die Commerzbank seinem Arbeitgeber, der Hamburger Popnet Internet AG, den Geldhahn zu. Das Unternehmen, ein Spezialist auf dem Gebiet des Internets und der E-Business-Beratung, musste Ende September Konkurs anmelden.

Der 34-jährige Fujike, der bislang als Geschäftsführer und Vertriebschef der Frankfurter Popnet-Niederlassung gearbeitet hatte, sieht seitdem einer ungewissen Zukunft entgegen. "Noch geht das Geschäft hier weiter wie bisher", sagt der Berater. Doch die Gehälter der Mitarbeiter sind nur bis Ende November gesichert. Und die traurigen Beispiele anderer Pleiteunternehmen aus dieser Branche, allen voran Kabel New Media, lassen die Hoffnung mancher Popnet-Beschäftigten auf eine Rettung des Unternehmens durch einen geldschweren Investor fast als Illusion erscheinen. Dennoch gibt sich Fujike zuversichtlich: Wenn Popnet wirklich dicht gemacht werden sollte, werde er schon neue Jobs für sich und die Mitglieder seines Teams finden.

Einfach wird die Stellensuche sicher nicht werden, denn die meisten Wettbewerber von Popnet kämpfen selbst ums nackte Überleben. Sie schließen eine Niederlassung nach der anderen und setzen Mitarbeiter auf die Straße.

Talfahrt in der Consultingbranche hält an

Ähnlich trist erscheint die Lage bei den Multimedia-Töchtern von Werbeagenturen, die in den vergangenen Jahren ebenfalls als Nachfrager auf dem Arbeitsmarkt der Consultants aufgetreten waren. Und auch die Technologieberater von Accenture, Cap Gemini Ernst & Young, Price Waterhouse Coopers oder KPMG Consulting klagen über schlechte Geschäfte.

Die Chefs dieser Firmen haben bereits Tausende von Mitarbeitern entlassen. Sie versuchen zudem, ihre Consultants zu Sabbaticals zu überreden und vertrösten den bereits angeheuerten Beraternachwuchs auf spätere Eintrittstermine. Die Talfahrt in der Consultingbranche hält weiter an.

Headhunter, die sich auf die Suche von Consultants spezialisiert haben, melden einen dramatischen Rückgang an Aufträgen: "Der Markt ist mausetot", sagt beispielsweise Gerd Krampe, Leiter der Abteilung Professional Services beim Personalberatungskonzern Korn/Ferry Hofmann Herbold in Königstein bei Frankfurt.

Kein Wunder: Selbst bei den klassischen Beratungsfirmen wie Arthur D. Little, A.T. Kearney, McKinsey oder Booz Allen & Hamilton, die in den vergangenen Jahren nicht genug Personal bekommen konnten, gibt es jetzt Überkapazitäten und Entlassungen.

Die beiden letzteren bestreiten dies zwar. Die Sprecher dieser Firmen geben aber zu, dass so genannte unfreiwillige Trennungen einen zentralen Bestandteil ihrer Personalpolitik bilden.

Einige Firmen suchen aber weiter Personal

Doch das ist nicht ganz einfach: Die Berater, die wissen, dass sie auf einen schlechten Arbeitsmarkt treffen, geben ihren Job nicht mehr ganz so freiwillig auf wie bisher. "Die natürliche Fluktuation bei Booz Allen & Hamilton geht zur Zeit gegen Null", sagt Christian Burger, Vice President im Münchner Büro dieser US-Beratungsfirma. Dann fügt er hinzu, "aus Gründen der Qualität" achte man aber darauf, dass etwa zehn Prozent der Mitarbeiter pro Jahr ausscheiden.

Trotz der Flaute im Beraterbusiness suchen einige Firmen weiter Personal. McKinsey beispielsweise will dieses Jahr im deutschsprachigen Raum etwa 300 neue Mitarbeiter einstellen, Booz Allen & Hamilton meldet immerhin einen Bedarf von rund 50 Consultants. Die Chefs dieser Häuser können sich dabei die Rosinen aus dem reichlich vorhandenen Angebot picken: "Sie gehen sehr selektiv vor", sagt der Frankfurter Headhunter Frank Höselbarth.

Unter den wenigen, die Personalbedarf signalisieren, ist auch Wolfgang Zillessen, seit September Chef von Deloitte Consulting, der deutschen Beratungsgesellschaft des Wirtschaftsprüfungskonzerns Deloitte & Touche. Zillessen will seine Mannschaft "so schnell wie möglich" von derzeit rund 400 auf 1 000 Mitarbeiter aufstocken. Dabei weiß er als ehemaliger Deutschland-Chef des pleite gegangenen Internet-Beratungshauses Marchfirst nur zu genau, dass die Branche zurzeit in einer Krise steckt.

Positiv-Beispiel macht Mut

Trotzdem macht seine eigene Karriere in gewisser Weise Mut. Zillessen berichtet, er habe bereits kurz nachdem die amerikanische Muttergesellschaft von Marchfirst Konkurs angemeldet hatte, die ersten Offerten bekommen. Er habe seine Mitarbeiter jedoch nicht im Stich lassen wollen und sei an Bord geblieben, um mit IBM, A.T. Kearney und anderen Interessenten über einen kompletten Verkauf der deutschen Marchfirst-Büros zu verhandeln.

Zwar scheiterte der Unternehmensberater mit diesem Vorhaben, immerhin aber gelang ihm der Verkauf eines Großteils des Unternehmens an die amerikanische Beratungsfirma Divine. Außerdem sorgte Zillessen dafür, dass die meisten von den rund 50 Strategieberatern, die für ihn bei Marchfirst gearbeitet hatten, zu IBM wechseln konnten.

Auch er selbst hätte dorthin gehen können. Er habe sich aber für die Offerte von Deloitte Consulting entschieden, weil er hier auf internationaler Ebene arbeiten könne, so Zillessen.

Technologieriesen müssen sich im Consultingbereich engagieren

Attraktive Karrierechancen für Consultants bieten auch die Beratungstöchter großer Technologiekonzerne. So paradox es klingt: Es ist die Flaute auf dem Markt rund um Computer und Software, welche die Technologieriesen zu einem stärkeren Engagement im Consultingbusiness zwingt. So wollen sie den Vertrieb ihrer Produkte ankurbeln und einen Teil der Wertschöpfung, der bislang bei den Consultingunternehmen stattfand, unter das eigene Dach holen.

Hier sind verkaufsstarke Consultants mit Managementerfahrung gefragt. Beispiel Olaf Sundt: Dem ehemaligen Arthur-D.-Little-Mitarbeiter gelang Ende August dieses Jahres der Sprung an die Spitze von HP Consulting, der deutschen Beratungsorganisation von Hewlett Packard.

Auch der Walldorfer Softwarekonzern SAP will seine Produkte über eine eigene Beratungstochter vermarkten lassen. Im Zentrum der Anstrengungen des Konzerns steht dabei der nordamerikanische Markt.

Verdrängungswettbewerb im Consultingbereich

Auch hier wurde neu eingestellt: Seit August dieses Jahres leitet R. Anthony Yocham die amerikanische Business Consulting Practice von SAP. Zuvor hatte Yocham bei IBM und den Beratungstöchtern großer Wirtschaftsprüfungskonzerne, unter anderem bei Grant Thornton gearbeitet.

Die Beratungstöchter von Computerkonzernen und Softwarehäusern tragen jedoch in der Summe nicht zu einem größeren Stellenangebot für Consultants bei. Es geht hier eher um einen Verdrängungswettbewerb. Das zeigt das Beispiel der Frankfurter Itelligence AG. Das Unternehmen gehört zu den Spezialisten für SAP-Beratung und beschäftigt immerhin rund 1 500 Mitarbeiter in 19 Ländern. Das Management von Itelligence trennte sich in diesen Tagen von 90 Beschäftigten. Fast die Hälfte der Entlassungen entfällt dabei auf Deutschland.

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