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Taliban-Anhänger fühlen sich von El Kaida unterdrückt

Arabische Kämpfer der El-Kaida-Organisation Osama bin Ladens haben durch ihr Verhalten in der afghanischen Stadt Dschalalabad viele Afghanen verärgert und zur Flucht veranlasst. Ein afghanischer Stammeschef und Taliban-Kommandeur, der die Stadt verließ und nach Pakistan geflohen ist, berichtete, die Leute von El Kaida benähmen sich so, als hätten sie die Macht in Afghanistan und nicht die Taliban.

Reuters PESHAWAR. Nach den Anschlägen in den USA hätten die Araber, die den größten Teil der El Kaida ausmachten, die Afghanen in Dschalalabad zusammengerufen und ihnen gesagt, sie hätten jetzt das Kommando in der Stadt, berichtete Malik Schersad Chan der Nachrichtenagentur Reuters. Chan war Kommandeur der Taliban und Arabisch-Dolmetscher.

In der Stadt seien inzwischen zahlreiche Araber und Tschetschenen, um sie gegen einen Angriff der US-Truppen zu verteidigen, sagte Chan und fügte hinzu: "Die Araber und Tschetschenen haben mittlerweile mehr Macht als die Taliban." Montag vor einer Woche hätten die Araber von El Kaida Mitarbeitern der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Dschalalabad verboten, Englisch zu sprechen. Andernfalls würden sie erschossen. "Die Mitarbeiter informierten die Taliban und wir gingen zum arabischen Kommandeur für Dschalalabad", erzählte Chan, "der sagte uns, 'wir sind jetzt die Herrscher hier, ihr seid wertlos'". "Wir gaben dann aus Protest unsere Waffen bei der Polizei ab", fügte er hinzu. Die Ärzte der WHO hätten wegen des Verhaltens "der Araber" ihre Arbeit eingestellt.

Vor Beginn der Bombenangriffe waren nach Chans Worten nur wenige El-Kaida-Kämpfer in Dschalalabad zu sehen. Danach seien sie von den Taliban zur Verteidigung in die Stadt gebracht worden. Deswegen seien auch keine Leute mehr in den Lagern gewesen, als diese von den US-Truppen bombardiert worden seien. Die 1800 El-Kaida-Kämpfer in Dschalalabad verfügten über 180 Kleinlaster, um beweglich zu sein. Sie würden jede Nacht an andere Schlafplätze gefahren und sie seien immer nur in kleinen Gruppen zusammen. Auch die Taliban-Kämpfer seien sehr mobil. Sie schliefen unter Bäumen und Brücken, ihre Häuser seien leer.

Nach Chans Worten sind einige der Araber, die sich nach dem 11. September, dem Tag der Anschläge in den USA, in Dschalalabad versammelten, aus Deutschland gekommen. Einer, der sich Abu Imad nenne, stehe auf der US-Liste der meistgesuchten Terroristen. Er selbst habe die Stadt verlassen, weil sich die Araber wie Kolonialherren aufgeführt hätten. Außerdem sei die Stadt wegen der vielen El-Kaida-Kämpfer zu einem gefährlichen Angriffsziel geworden. "Als ich sah, wie viele Araber dort sind, fand ich es besser, Dschalalabad zu verlassen", sagte der 43-jährige Chan. Von sich erzählt er, dass er die radikal-moslemische Taliban lange Zeit unterstützt hat. Stolz zeigte er seine Lizenz, ein Kalaschnikow-Sturmgewehr zu tragen, um den Islam zu verteidigen. Arabisch habe er in Kuwait gelernt, wo er gearbeitet habe.

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