Taliban bleiben beim Nein
Diplomaten müssen Afghanistan verlassen

Die drei westlichen Diplomaten, die sich seit Tagen in Afghanistan um Zugang zu den dort inhaftierten ausländischen Helfern bemühen, müssen das Land an diesem Dienstag unverrichteter Dinge verlassen.

dpa PESHAWAR. Das bekräftigte am Sonntag in Kabul noch einmal ein Sprecher des Taliban-Außenministeriums, wie die in Pakistan ansässige Nachrichtenagentur Afghanische Islamische Presse (AIP) meldete. Taliban-Beamte sprachen die Erwartung aus, dass die Diplomaten die afghanischen Gesetze befolgen, wenn die Visa am Dienstag ablaufen.

Die drei Diplomaten, unter ihnen der Legationsrat an der deutschen Botschaft in Islamabad, Helmut Landes, versuchen seit ihrer Ankunft in Kabul am 14. August, Zugang zu vier Deutschen, zwei Australiern und zwei US-Bürgern zu erlangen. Die acht Mitglieder der deutschen Hilfsorganisation "Shelter Now" waren am 3. August zusammen mit 16 einheimischen Mitarbeitern dieser Organisation von der Religionspolizei festgenommen worden. Das in Afghanistan herrschende radikal-islamische Taliban-Regime wirft den 24 "Shelter"-Angehörigen christliche Missionierung vor. Die Scharia sieht bei Einheimischen für ein derartiges Vergehen die Todesstrafe vor.

Der Sprecher des Kabuler Außenministeriums sagte am Sonntag: "Hinsichtlich der zwei Fragen, die von den Diplomaten geforderte Verlängerung der Visa und ein Treffen mit den acht festgenommenen Ausländern, gibt es keine Änderung in unserer Politik". Bereits zuvor hatte der Taliban-Außenminister Wakil Ahmed Mutawakil laut AIP erklärt: "Es gibt keine Notwendigkeit, die Visa zu verlängern." Niemandem werde erlaubt, die Gefangenen zu sehen, so lange die Untersuchungen noch im Gange seien. Die Diplomaten hätten die Visa für den speziellen Zweck erhalten, mit Taliban-Regierungsvertretern zu sprechen. Diese Mission sei abgeschlossen.

Annan: Verstoß gegen internationales Recht

Nach Mutawakils Worten haben die festgenommene Mitarbeiter von "Shelter Now" die religiösen Gefühle von Millionen Afghanen und Moslems anderswo verletzt. Den Vorwurf von Verletzung der Menschenrechte der Gefangenen bezeichnete Mutawakil als "westliche Propaganda". Über die 16 afghanischen "Shelter"-Leute sagte Muztawakil: "Ich bin sicher, dass kein Afghane das Verbrechen begehen würde, jemanden vom Islam zum Christentum zu bekehren". Beobachter leiteten aus dieser Äußerung die Hoffnung ab, dass sie von der Todesstrafe verschont bleiben.

UN-Generalsekretär Kofi Annan hatte sich am Freitag besorgt über das Schicksal der Gefangenen geäußert. Ihre fortgesetzte Inhaftierung ohne juristischen und diplomatischen Beistand verstoße gegen internationales Recht, hatte Annan in New York gesagt.

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