Taliban drohen Nachbarländern mit Krieg
Erstes US-Kriegsschiff unterwegs

Angesichts eines drohenden Vergeltungsschlages der USA gegen Afghanistan spitzt sich die Lage in der Region bedrohlich zu. Pakistan sagte den USA seine Unterstützung zu, lehnte eine Beteiligung an einer militärischen Aktion außerhalb seiner Grenze jedoch strikt ab. Inzwischen hat das erste US-Kriegsschiff eine japanische Basis in unbekannte Richtung verlassen.

dpa/rtr/afp/ap ISLAMABAD/TEHERAN/WASHINGTON. In Afghanistan setzte eine Massenflucht ein. Iran begann damit, wegen des befürchteten Flüchtlingsstromes seine 900 Kilometer lange Grenze zum Nachbarland Afghanistan zu schließen. Die in Afghanistan regierenden radikal-islamischen Taliban wollen ungeachtet aller US-Drohungen den mutmaßlichen Terroristenführer Osama bin Laden nicht ausliefern.

Osama bin Laden bekräftigt seine Unschuld

Der Islamist und Milliardär Osama bin Laden hat der Nachrichtenagentur Afghan Islamic Press (AIP) zufolge erneut verneint, für die Angriffe auf das World Trade Center und das Pentagon verantwortlich zu sein. "Ich habe (dem Taliban-Anführer Mullah Mohammad Omar) einen Treueeid geschworen, der es nicht zulässt, dass ich solche Aktionen von Afghanistan aus ausführe", sagte ein Sprecher Bin Ladens am Sonntag der Agentur. "Uns ist in der Vergangenheit die Schuld gegeben worden, aber wir sind nicht beteiligt."

Pakistan lehnt Beteiligung außerhalb seiner Landesgrenzen ab

Die Taliban bekräftigten am Sonntag nach Angaben der afghanischen Nachrichtenagentur AIP, dass sie bin Laden um jeden Preis schützen wollen. Taliban-Außenminister Wakil Ahmed Mutawakil sagte der in Pakistan ansässigen privaten Agentur im afghanischen Kandahar, die USA seien "in jedem Fall darauf aus, Afghanistan anzugreifen, ohne Rücksicht darauf, was wir über Osama denken". Selbst wenn die USA nur bin Laden treffen wollten, sei sein Land "verantwortlich für die Sicherheit von allen, die in Afghanistan leben", sagte Mutawakil.

Die USA hatten Pakistan nach Medienberichten aus Washington und Islamabad unter anderem um die Überfluggenehmigung und eine eventuelle Truppenstationierung bei einem Vorgehen gegen das Nachbarland Afghanistan gebeten. Der Minister bestätigte, dass Pakistan von den Vereinigten Staaten eine Liste mit Vorschlägen für die Unterstützung der USA erhalten habe. Über diese Vorschläge werde gegenwärtig mit den USA diskutiert. Pakistans Militärmachthaber Pervez Musharraf hatte den USA nach den Anschlägen "uneingeschränkte Kooperation" bei der Jagd auf die Hintermännern des Terrors zugesagt.

Erstes US-Kriegsschiff unterwegs

In Japan hat das erste US-Kriegsschiff seit den Terrorangriffen in New York und Washington seine Marinebasis in unbekannte Richtung verlassen. Wie die Zeitung "Tokio Shimbun" am Sonntag unter Berufung auf Marinevertreter berichtete, lief der Kreuzer "Cowpens" am Vortag aus dem Hafen Yokosuka aus. Der Zeitung zufolge wurde damit gerechnet, dass er den Nahen Osten ansteuert. Das Kriegsschiff ist mit dem hochmodernen Aegis-Radar- und Abwehrsystem ausgerüstet, das Simultan-Angriffe mit Cruise Missiles auf mehrere Ziele ermöglicht. Laut "Tokio Shimbun" sollen zwei weitere US-Kriegsschiffe am Montag Yokosuka verlassen, gefolgt von dem Flugzeugträger "Kitty Hawk" wenige Tage später. Eine Bestätigung des Berichts gab es zunächst nicht.

Iran will sein Territorium in jedem Fall verteidigen

In Afghanistan versuchten nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Chabar bereits Hunderte von Afghanen, sich vor einem möglichen Militärschlag gegen ihr Land in Sicherheit zu bringen. Der Iran habe deshalb damit begonnen, seine Grenze zu Afghanistan zu schließen, berichtete die Agentur am späten Samstagabend. Militär und Polizeistreitkräfte seien in Stellung gegangen, um einen Massenzustrom zu verhindern. Iran hat in den vergangenen Jahren bereits zwei Millionen Flüchtlinge, die vor dem Taliban-Regime aus Afghanistan geflohen sind, aufgenommen.

Das afghanische Taliban-Regime drohte seinen Nachbarstaaten am Samstag offen mit Krieg, sollten diese den USA Land- oder Luftwege für Angriffe gegen Afghanistan zur Verfügung stellen. Taliban- Anführer Mullah Mohammed Omar warnte in Kandahar alle Nachbarn vor einer Hilfe für die USA. In einem solchen Fall "wäre es nicht unwahrscheinlich, dass wir das betreffende Land in größerem Ausmaß angreifen würden. Unsere Mudschaheddin (Heilige Krieger) würden in das Land eindringen, das diese Folgen selbst zu verantworten hätte".

Iran wies diese Drohung am Sonntag zurück. "Wir werden unser Territorium auf jeden Fall verteidigen", sagte der Sicherheitschef der an Afghanistan angrenzenden Provinz Khorassan, Hossein Zare- Sefat, der Agentur IRNA. Die Vereinigten Arabischen Emirate, neben Pakistan und Saudi-Arabien einer der insgesamt nur drei Staaten, die die Taliban-Regierung offiziell anerkennen, kündigten an, angesichts der derzeitigen Lage die Beziehungen zu den Taliban zu überdenken.

Die Taliban hatte am Samstag ohne Angabe von Gründen alle Ausländer aufgefordert, Afghanistan zu verlassen. Das Schicksal der acht in der Hauptstadt Kabul inhaftierten ausländischen "Shelter- Now"-Mitarbeiter, darunter vier Deutsche, ist weiter unklar.

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