Taliban-Führer angeblich zur Aufgabe Kandahars bereit
USA treiben bin Laden in die Enge

Nach dem Zusammenbruch der Taliban-Herrschaft in weiten Teilen Afghanistans wird nach Ansicht der US-Regierung die Lage für den mutmaßlichen Terroristenführer Osama bin Laden immer brenzliger. US-Kriegsflugzeuge und Kämpfer der Nordallianz nahmen am Montag Stellungen der Taliban im Norden, Osten und Süden des Landes unter Beschuss. In der belagerten Stadt Kundus sollen nach Angaben von Flüchtlingen 300 Taliban-Kämpfer, die kapitulieren wollten, von eigenen Leuten erschossen worden sein.

ap KABUL/WASHINGTON. Nach Ansicht der USA ist der Bewegungsradius Bin Ladens inzwischen erheblich eingeschränkt. Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice erklärte am Sonntagabend, mit dem fehlenden Schutz durch die Taliban verringerten sich bin Ladens Versteckmöglichkeiten. US-Außenminister Colin Powell erklärte: "Es wird immer schwieriger für ihn, sich zu verstecken, während immer mehr Gebiete dem Einfluss der Taliban entzogen werden."

Kämpfer der Nordallianz nahmen am Montag Taliban-Stellungen vor Kundus unter Feuer. Kundus ist die letzte Stadt im Norden, die noch von den Taliban gehalten wird. Widersprüchlich sind die Meldungen über die Lage in der Taliban-Hochburg Kandahar im Süden. Berichten zufolge behaupteten die Taliban ihre Kontrolle über die Stadt. Die Situation werde aber immer gespannter, berichteten Gewährsleute aus Kandahar.

Nach anderen Berichten verhandelte Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar mit dem Stammesführer Hadschi Bascher über eine Übergabe der Stadt. Dies wird aber von Teilen der Taliban-Gegner abgelehnt, da Bascher als Stütze des Regimes galt.

Die Taliban sollen sich unterdessen aus der Provinz Farah in der Nähe der Grenze zu Iran zurückgezogen haben. Sprecher paschtunischer Stämme berichteten, die Taliban hätten sich in Verhandlungen am Wochenende zum Rückzug bereit erklärt. Der Abzug sei friedlich vonstatten gegangen.

Seit Montag werden in Afghanistan mindestens vier westliche Journalisten vermisst. Die Reporter waren nach Berichten von Augenzeugen in einem Konvoi unterwegs und wurden zwischen Dschalalabad im Osten des Landes und Kabul von bewaffneten Männern angehalten. Das Gebiet fiel kürzlich unter die Kontrolle der Anti-Taliban-Truppen. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass sich auch noch Taliban-Kämpfer dort aufhalten. Fahrer der Kolonne von sechs bis acht Wagen berichteten, zwei Autos seien gestoppt worden. Die Journalisten seien gezwungen worden, auszusteigen und in die Berge geführt worden. Es seien Schüsse zu hören gewesen. Die Fahrer flüchteten und warnten ihre Kollegen in den anderen Autos.

Pakistan ermahnt afghanische Gruppen

Mit eindringlichen Worten forderte die pakistanische Regierung die streitenden Gruppierungen in Afghanistan auf, nicht die historische Chance zur Befriedung des kriegszerstörten Landes zu verpassen, sondern die UN-Bemühungen zur Bildung einer multiethnischen Regierung zu unterstützen. Außenminister Abdul Sattar erklärte vor Journalisten, wenn die Afghanen diese Chance verpassten, würde sich die internationale Gemeinschaft wie vor zwölf Jahren wegen der internen Streitigkeiten im Land aus Afghanistan zurückziehen.

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