"Taliban-Herrschaft ist beendet"
Bin Laden möglicherweise ins Ausland entkommen

Anti-Taliban-Kämpfer haben im Osten Afghanistans nach eigenen Angaben den wichtigsten Stützpunkt des Moslem-Extremisten Osama bin Laden in der Bergregion Tora Bora erobert. Ein Sprecher der Nordallianz, Mohammed Habeel, sagte am Freitag, die Kämpfer hätten keine Hinweise auf den Verbleib bin Ladens gefunden. US-Militärs schließen nicht aus, dass Extremistenführer Osama bin Laden aus Afghanistan entkommen ist. Die Talibankämpfer in der belagerten Bastion Kandahar haben am Freitag damit begonnen ihre Waffen abzugeben.

dpa/afp/rtr/ap ISLAMABAD/QUETTA/KABUL. Der amerikanische Nachrichtensender CNN berichtete am Freitag, US-Geheimdienste suchten bin Laden auch in anderen Ländern, etwa in Somalia, aber auch in Asien und Europa. Bislang hieß es, bin Laden verstecke sich in den Bergfestungen von Tora Bora in Ostafghanistan. Tagelang hatten die USA die Region aus der Luft angegriffen.

Auch Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar befindet sich nach Angaben des designierten afghanischen Regierungschefs Hamid Karsai auf der Flucht. Falls man ihn finde, werde er festgenommen, sagte Karsai am Freitag in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. Zugleich wertete er die Übergabe der südafghanischen Stadt Kandahar am Freitag als definitives Ende des Taliban-Regimes in Afghanistan. "Die Taliban-Herrschaft ist beendet. Von heute an sind sie nicht länger ein Teil Afghanistans", sagte Karsai.

Ein Sprecher der Nordallianz, Mohammed Habeel, erklärte die Anti-Taliban-Kämpfer hätten nahezu die ganze Region und deren wichtigsten Höhlen erobert, und seien dabei, auch die noch verbliebenen Gebiete einzunehmen. Bei ihrem Vormarsch seien die Anti-Taliban-Kämpfer auf starken Widerstand gestoßen.

Die Talibankämpfer in der belagerten Bastion Kandahar in Südafghanistan haben sich währenddessen dem paschtunischen Stammesführer Mullah Nakibullah ergeben. Auch in der angrenzenden Regionen Hemand gäben die Taliban auf, berichtete die in Pakistan ansässige afghanischen Nachrichtenagentur AIP. Völlig unklar sei allerdings, wo sich Talibanführer Mullah Mohammed Omar befinde.

Die radikalislamischen Taliban hatten nur wenige Stunden zuvor mit dem künftigen Chef der afghanischen Übergangsregierung Hamid Karsai die Übergabe ihrer letzten verbliebenen Hochburg beschlossen. Karsai sagte: "Im Gegenzug zur Aufgabe Kandahars haben wir ihnen Amnestie angeboten. Sie können sicher und ohne Probleme nach Hause gehen." Omar müsse sich allerdings vom Terrorismus lossagen.

Der Taliban-Anführer soll sich nach Angaben Karsais vor Gericht verantworten, falls ihm Verbindungen zum Terrorismus nachgewiesen werden. "Wenn es Beweise gegen ihn gibt, wird er zur Rechenschaft gezogen", sagte Karsai am Freitag. Der ehemalige Taliban-Botschafter in Pakistan, Abdul Salam Saif, hatte am Donnerstag erklärt, die Miliz habe im Gegenzug für die friedliche Aufgabe ihrer letzten großen Hochburg Kandahar freies Geleit für Omar ausgehandelt. Der Vereinbarung zufolge werde Omar nach der Kapitulation unbehelligt in seinem Haus leben können. Ein Prozess gegen den Taliban-Chef komme nicht in Frage.

Die USA sind strikt dagegen, dass Talibanführer freies Geleit erhalten. Rund 1 000 US-Elitesoldaten, die vor Kandahar in Stellung sitzen, sollen überwachen, dass keine Talibanführer unerkannt aus der Stadt entkommen.

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