Taliban kapitulieren
Kundus fällt in Hände der Nordallianz

Truppen der afghanischen Nordallianz haben am Sonntag ohne größeren Widerstand weite Teile der Taliban- Hochburg Kundus eingenommen. Nach über einwöchiger Belagerung kapitulierten Tausende von afghanischen Talibankämpfern. Sie zogen kurz vor Ende eines Ultimatums mit Panzern und Autos aus der nordafghanischen Stadt ab und übergaben ihre Waffen.

dpa KABUL/BONN/LONDON. Zahlreiche ausländische Taliban-Söldner blieben jedoch offenbar weiterhin in ihren Stellungen. Unterdessen trafen UN-Gesandte und die ersten afghanischen Delegationen zur Konferenz in Bonn ein, auf der über die politische Zukunft Afghanistans diskutiert werden soll.

Unter den Taliban, die aufgaben, waren nach Angaben der Nordallianz auch einige Milizionäre aus arabischen Ländern, die als besonders fanatische Kämpfer gelten. Auch der Talibanführer Mullah Khaksar ergab sich dem Gegner. Khaksar war früher Taliban- Innenminister. Er ist der bisher ranghöchste Überläufer aus dem Lager der Taliban.

Mit dem Fall von Kundus bleibt den Taliban nur noch Kandahar im Süden als letzte Hochburg. Der Nordallianz gelang damit kurz vor der Bonner Afghanistan-Konferenz, die am Dienstag beginnen soll, ein entscheidender Geländegewinn. Ihre Truppen haben jetzt in drei Vierteln des Landes die Oberhand. Nach Informationen des "Sunday Telegraph" (London) wollen die USA 25 000 US-Fallschirmjäger beim Sturm auf Kandahar einsetzen, um den Widerstand der Taliban völlig zu brechen.

Nach Angaben der afghanischen Nachrichtenagentur AIP übernahmen Nordallianz-Truppen unter dem Kriegsherrn Raschid Dostum in über zwei Dritteln von Kundus die Kontrolle. Unabhängige Beobachter konnten dies jedoch nicht überprüfen. Korrespondenten vor Ort berichteten, Truppen rückten mit Panzern von mehreren Seiten auf das Zentrum der Stadt vor. Es sei lediglich zu kleineren Feuergefechten gekommen. Das Ultimatum der Nordallianz an die Taliban, die Waffen zu strecken, lief am Sonntag aus.

Unklar blieb dagegen das Schicksal der arabischen, pakistanischen und tschetschenischen Kämpfer in Kundus, von denen nach Angaben der USA viele zum Terrornetz El Kaida gehören. Beobachter befürchten, sie könnten noch in letzter Minute erbitterten Widerstand leisten. Viele unter ihnen seien zum Kampf bis zum Tode bereit. Nordallianz-Führer Burhanuddin Rabbani rief die ausländischen Milizionäre auf, sich ebenfalls zu ergeben. Falls sie dies täten, wolle man sie den UN übergeben, sagte er in Kabul. Rabbani sprach sich auch erneut gegen die Präsenz amerikanischer und britischer Soldaten im Land aus. "Afghanistan braucht keine ausländischen Soldaten. Fremde sollen ihre Finger von Afghanistan lassen", sagte er. Allerdings brauche sein Land Entwicklungshilfe aus dem Ausland.

Die Rebellion einiger 100 Taliban-Kämpfer, die bei Masar-i-Scharif in einer Festung gefangengehalten werden, konnte am Sonntag unter Kontrolle gebracht werden. Das US-Verteidigungsministerium dementierte aber Berichte, wonach dabei ein US-Soldat während eines Kampfeinsatzes getötet worden sei. Bestätigt wurde hingegen, dass die USA mit Luftangriffen geholfen hätten, den Aufstand zu beenden.

Unterdessen traf am Sonntag der UN-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, zur Afghanistan-Konferenz in Bonn ein. Ein Sprecher Brahimis äußerte sich mit verhaltenem Optimismus zum Konferenzausgang. Das Mindestziel sei die Schaffung von Voraussetzungen für eine Übergangsregierung in Kabul, sagte Achmed Fausi.

Mit Brahimi kam auch der UN-Gesandte Francesc Vendrell. Vendrell hatte kürzlich in der afghanischen Hauptstadt Kabul Gespräche geführt. Auch die ersten Delegationen der afghanischen Seite seien eingetroffen, sagte das Auswärtige Amt. Die Konferenz soll offiziell am Dienstag beginnen. Rund 50 Vertreter der wichtigsten ethnischen, religiösen und politischen Gruppen Afghanistans werden neben den UN - Unterhändlern auf dem Petersberg bei Bonn zusammenkommen.

Ein Vorauskommando der deutschen Spezialkräfte im Anti-Terror- Kampf ist nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" in das Sultanat Oman verlegt worden. Damit nehme der Einsatz von Bodentruppen der Bundeswehr konkrete Formen an, schrieb das Blatt. Japan schickt drei weitere Kriegsschiffe in die Krisenregion, um die USA logistisch zu unterstützen. Das japanische Parlament hatte kürzlich ein Anti-Terror-Gesetz verabschiedet, das Japans Militär erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg die Teilnahme an militärischen Aktionen im Ausland erlaubt.

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