Taliban-Truppen graben sich in Kandahar ein
CNN meldet Tod des Stellvertreters von bin Laden

Nach ihrer Vertreibung aus Kabul und anderen Städten haben sich die aufgeriebenen Taliban-Truppen in der Stadt Kandahar verschanzt. Entgegen früheren Meldungen hat die islamisch-fundamentalistische Miliz ihre Hochburg im Süden Afghanistans offenbar weiter unter Kontrolle. Die USA setzten ihre Luftangriffe am Freitag trotz des Fastenmonats Ramadans fort, doch erreichten diese nicht das Ausmaß der ersten Kriegswochen.

ap/afp KABUL/TEHERAN/WASHINGTON. Bei einem Angriff südlich von Kabul ist einem US-Fernsehbericht zufolge ein ranghoher Führer der Terrororganisation el Kaida bei einem US-Angriff getötet worden. Der Militärchef von El Kaida, Mohammed Atef, sei getötet worden, berichtete der Fernsehsender CBS am Freitag. Der Ägypter Atef soll die Terroranschläge vom 11. September US-Medienberichten zufolge organisiert haben. Er gilt als ein enger Vertrauter des islamischen Fundamentalistenführers Osama bin Laden.

Wie der Nachrichtensender CNN meldete, ist Atef Stellvertreter von bin Laden und der Militärstratege der El-Kaida-Organisation. Er soll an der Planung verschiedener Terrorattacken, darunter die Bombenanschläge auf zwei afrikanische Botschaften, beteiligt gewesen sein. Offiziell bestätigt wurde der Tod zunächst nicht.



"Die Taliban haben noch eine starke Stellung in Kandahar", sagte ein Sprecher der paschtunischen Stammesführer in der pakistanischen Stadt Quetta. "Sie graben sich dort jetzt ein." Nach seinen Schätzungen haben sich etwa sieben von zehn Taliban-Kommandeuren entschieden, dem Aufruf von Taliban-Führer Mullah Mohamed Omar zu folgen und den Kampf fortzusetzen. Flüchtlinge aus Kandahar bestätigten, dass Stadt und Flughafen weiter in der Hand der Taliban seien.

Am Sonntag will eine Delegation paschtunischer Stammesführer nach Kandahar reisen, um Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar zur Kapitulation zu bewegen. Wenn die für Sonntag geplante Mission der Stammesführer in Kandahar scheitern sollte, sei es wahrscheinlich, dass die paschtunischen Stammesführer zum Krieg gegen die Taliban aufriefen, sagte ihr Soprecher.

Bei Luftangriffen auf Kandahar wurden nach einer Meldung der unabhängigen Nachrichtenagentur AIP das Außenministerium der Taliban und eine Moschee im Osten der Stadt getroffen. Mindestens elf Bewohner seien getötet worden, meldete die Agentur Afghan Islamic Press.

Zweiter Brennpunkt des Afghanistan-Kriegs ist jetzt die im Nordosten gelegene Stadt Kundus, die von Truppen der Nordallianz belagert wird. Auch hier wurden Stellungen der Taliban von US-Kampfflugzeugen bombardiert. Zu den Verteidigern von Kundus sollen 2000 bis 3000 ausländische Unterstützer der Taliban gehören, die auf Seiten Bin Ladens stehen. Nahe der Stadt Herat, unweit der Grenze zu Iran gelegen, sollen die Taliban nach einer AIP-Meldung einen Luftwaffenstützpunkt aufgegeben haben. Die pakistanischen Behörden verstärkten ihre Grenzbefestigungen mit Panzern und zusätzlichen Truppen. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass sich islamische Extremisten und Anhänger des mutmaßlichen Terroristenführers Osama Bin Laden nach Pakistan absetzen.

Die US-Angriffe konzentrieren sich nach Angaben des Pentagons zunehmend auf bin Laden und dessen Netzwerk El Kaida. "Wir ziehen die Schlinge enger", sagte der zuständige US-Befehlshaber, General Tommy Franks, am Donnerstag in Washington. Bei Kandahar seien in den vergangenen Tagen amerikanische Spezialtruppen im Einsatz gewesen, sagte der General.

Unterdessen landeten britische Soldaten auf dem Flugplatz Bagram nördlich von Kabul. Sie sollen dort vor allem die technischen Einrichtungen überprüfen, wie das Verteidigungsministerium in London mitteilte.

Im Norden Afghanistans traf am Freitag ein Kahn mit 200 Tonnen Weizen aus dem usbekischen Hafen Termes ein. Die Lieferung des Welternährungsprogramms (WFP) der Vereinten Nationen soll von Hairaton aus, 18 Kilometer flussaufwärts von Termes, an die hungernde Bevölkerung verteilt werden. Die Vereinten Nationen schätzen, dass drei Millionen Afghanen dringend auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen sind.

Iranischer Sender: Bin Laden und Taliban-Führer in Pakistan

Der islamische Fundamentalistenführer Osama bin Laden und Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar sind nach Angaben eines iranischen Rundfunksenders am Freitag nach Pakistan geflohen. Die beiden Männer seien auf der Straße durch das freie Gebiet Manatik-e-asad nach Pakistan gelangt, berichtete der Radiosender "Maschhad" im Nordosten Irans unter Berufung auf eine "informierte Quelle". Diese habe beim Sender angerufen. Der Sender strahlt seine Programme in Dari aus, einer Sprache, die von vielen Afghanen gesprochen wird. Hörer sind in Iran lebende Afghanen sowie die Bevölkerung im Grenzgebiet zwischen Iran und Afghanistan.

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