Taliban verweigern Visa-Verlängerung
Diplomaten wollen vorläufig in Kabul bleiben

Die drei westlichen Diplomaten, die sich bisher vergeblich um Zugang zu den in Afghanistan inhaftierten Landsleuten bemüht haben, wollen der Aufforderung der Taliban zur Ausreise nicht folgen, sondern nach eigenen Angaben zunächst weiter in Kabul bleiben.

Reuters KABUL. "Wir bleiben hier so lange wie es geht", sagte der australische Botschafter Alistair Adams am Freitag vor Journalisten in der afghanischen Hauptstadt. Zwar hätten sie noch nichts von einer Verlängerung ihrer Visa gehört, aber sie versuchten auch das. Die Diplomaten aus Deutschland, Australien und den USA bemühen sich seit Dienstag um Zugang zu acht Landsleuten, die als Mitarbeiter des Hilfswerks Shelter Now International von der Religionspolizei der radikalislamischen Taliban-Regierung wegen angeblicher unerlaubter Missionstätigkeit verhaftet worden waren.

Entgegen internationalen Normen hatten die Taliban den Diplomaten einen konsularischen Zugang zu den Verhafteten verweigert. Am Donnerstag wurde von den Taliban lediglich erlaubt, dass einige persönliche Dinge, darunter auch Briefe, nach Prüfung durch die Behörden an die Gefangenen übergeben werden könnten. Der Chef der Taliban-Konsularabteilung, Abdur Rahman Hotak, hatte am Donnerstag gesagt, der Reisezweck der Diplomaten sei erfüllt, und die Diplomaten sollten wieder abreisen. Sie könnten den weiteren Verlauf der Ermittlungen gegen die vier Deutschen, zwei Australier und zwei Amerikaner von Shelter Now auch von der Botschaft der Taliban im pakistanischen Islamabad aus verfolgen.

Die Taliban-Regierung stützt sich auf das strenge islamische Recht, die Scharia. Dies will sie auch im Fall der beschuldigten Ausländer sowie gegen 16 der unerlaubten Missionstätigkeit beschuldigte Afghanen anwenden. Die Abwerbung von Moslems von ihrer Religion ist danach schlimmstenfalls mit der Todesstrafe bedroht. Shelter Now hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Ihre Mitglieder wüssten, dass sie in Afghanistan nicht missionieren dürften. Übertritte von Afghanen zum Christentum seien auch bislang nicht bekannt geworden. Die Verfolgung der Shelter-Now- Mitarbeiter hat Unruhe auch unter Mitarbeitern anderer internationaler Hilfsorganisationen ausgelöst, die in dem nach jahrelangem Bürgerkrieg verarmten Land tätig sind.

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