Taliban werfen acht Ausländern christliche Propaganda vor
Vier Deutschen in Afghanistan droht die Todesstrafe

Vier in Afghanistan festgenommenen Deutschen droht die Todesstrafe. Sie und weitere vier ausländische Mitarbeiter einer Hilfsorganisation würden nach islamischem Recht bestraft, teilte die Regierung in Kabul am Montag mit.

afp BERLIN/KABUL. Die in Afghanistan regierenden radikalislamischen Taliban werfen den Mitarbeitern der christlichen Hilfsorganisation Shelter Now International (SNI) vor, Propaganda für das Christentum betrieben zu haben. Darauf steht in Afghanistan die Todesstrafe. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin setzte sich die deutsche Vertretung in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad inzwischen mit der Taliban-Miliz in Verbindung. Auch die UNO äußerte sich besorgt über die Festnahmen.

Bei einem der Deutschen handelt es sich laut Auswärtigem Amt um den aus Bayern stammenden Leiter der SNI-Vertretung in Afghanistan, der bereits seit vielen Jahren in dem Land und im benachbarten Pakistan lebe. Zudem seien drei Mitarbeiterinnen der Organisation aus Niedersachsen festgenommen worden. Sie waren seit Herbst in Afghanistan. Die deutsche Vertretung in Islamabad habe sich am Montag an die Taliban gewandt und sich für eine zügige Freilassung sowie die Sicherheit der Deutschen eingesetzt, sagte ein Sprecher des Außenministeriums weiter.

Religionspolizei nimmt 24 Mitarbeiter fest

Die Religionspolizei der Taliban hatte am Wochenende die Einrichtungen der SNI in Afghanistan geschlossen und insgesamt 24 Mitarbeiter festgenommen. Neben den Deutschen wurden zwei Australier, zwei US-Bürger sowie 16 Einheimische festgenommen. Die acht Ausländer hätten "ihre Verbrechen gestanden", sagte der stellvertretende Minister für Religionspolizei, Mohammed Salim Hakani, laut Radio Scharia. Die Festgenommenen hätten sich schriftlich entschuldigt. Das Strafmaß werde bereits erlassenen Dekreten entsprechend festgesetzt. Laut einem Dekret der Taliban werden Moslems, die zu einer anderen Religion übertreten, und Ausländer, die missionieren, mit dem Tod bestraft. Nach eigenen Angaben fand die Religionspolizei bei den Ausländern christliche Literatur, darunter eine Bibel. Die Religionspolizei nahm die Ausländer fest, als sie einer afghanischen Familie einen christlichen Videofilm auf einem Computer vorgespielt hätten.

Zwangsmaßnahmen gegen Mitarbeiter von Hilfsorganisationen seien in dem von den Taliban beherrschten Land zur Regel geworden, sagte die UN-Koordinatorin in Pakistan, Letizia Rossano. Seit 1996 regiert in Kabul die international geächtete radikalislamische Taliban-Miliz. Mit ihrer Auslegung des Islam, die in der moslemischen Welt weithin abgelehnt wird, wollen sie Afghanistan zu einem Gottesstaat machen. Die Hilfsorganisation Shelter Now International kümmert sich in erster Linie um Flüchtlinge und baut Notunterkünfte. SNI wird unter anderem aus Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und vom UN-Welternährungsprogramm unterstützt.

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