Talibangegner vor Kandahar
US-Militärs sprechen von "Endkampf"

Anti-Taliban-Kämpfer haben sich Medienberichten zufolge vor Kandahar verschanzt. Auch Truppen der afghanischen Nordallianz befänden sich bereits in der Region um die letzte verbliebene Taliban-Bastion. Zugleich berichtete der britische Rundfunksender BBC am Freitag, US-Militärs sprächen von einem bevorstehenden "Endkampf" in Afghanistan.

ap KABUL. Spezialeinheiten suchten Terroristenchef Osama bin Laden und El-Kaida-Terroristen auch in der Nähe von Dschalalabad im Osten Afghanistans. US-Kampfflugzeuge haben Medienberichten zufolge Tunnelanlagen nahe der nordafghanischen Stadt Dschalalabad angegriffen, wo Terroristenführer Osmama bin Laden vermutet wird. Auch auf die letzte verbliebene Taliban-Bastion Kandahar gab es erneut Luftangriffe, berichtete der US-Fernsehsender CNN am Freitag.

Das US-Verteidigungsministerium hatte bestritten, dass Nordallianz-Truppen in der Nähe der Stadt Kandahar seien. Der US-Nachrichtensender CNN meldete, auch Anti-Taliban-Kämpfer vom Volk der Paschtunens hätten sich in den Vororten Kandahars versammelt. Die Taliban sind ebenfalls mehrheitlich Paschtunen, während in der Nordallianz Usbeken und Tadschiken dominieren. Die Paschtunen im Süden haben starkes Misstrauen, dass die Nordallianz die Herrschaft anstrebt.

Im Widerspruch zu den US-Angaben stehen die Aussagen der Nordallianz. "Wir sind nach Kandahar eingedrungen", sagte Bismillah Chan, der stellvertretende Verteidigungsminister der Nordallianz am gestrigen Donnerstag.

In den Außenbezirken der Stadt werde gekämpft, man sei noch nicht ins Zentrum vorgedrungen, erklärte Chan gestern unter Berufung auf seine Kommandeure in Kandahar. Westliche Journalisten wurden von den Taliban nicht in Kandahar zugelassen, so dass Chans Darstellung zunächst nicht bestätigt werden konnte. Der paschtunische Kommandeur Mohammed Dschalal Chan erklärte, seine Soldaten rückten ebenfalls auf Kandahar vor. "Unsere Einheiten sind fünf Kilometer östlich des Flughafens", sagte er. "Wir hoffen, dass wir Kandahar bald einnehmen."

In Washington gab ein Regierungsvertreter die Gefangennahme eines mutmaßlichen hohen El-Kaida-Funktionärs bekannt. Dabei soll es sich um Ahmed Abdel Rahman handeln, den Sohn des ägyptischen Geistlichen Omar Abdel Rahman, der wegen eines Anschlags im Jahr 1993 auf das World Trade Center in den USA verurteilt worden war. Rahman sei bereits vor einiger Zeit in Afghanistan von Soldaten der Nordallianz gefasst worden, bis jetzt aber nicht an die USA ausgeliefert worden, sagte der Regierungsvertreter. Der ägyptische Anwalt Montasser el Sajat, der mutmaßliche militante Islamisten verteidigt, bestätigte die Gefangennahme Rahmans. Er befinde sich in Masar-i-Scharif. Eine Mitgliedschaft Rahmans in der El-Kaida-Organisation wies der Anwalt zurück.

US-Soldaten einer in Usbekistan stationierten Gebirgsjägerdivision wurden unterdessen nach Nordafghanistan entsandt. Sie sollen vor allem bei der Reparatur der Flugplätze bei Masar-i-Scharif und Bagram helfen, verlautete aus dem US-Verteidigungsministerium. Das kleine Kontingent könne aber keinen Schutz bei großen Bedrohungen bieten, hieß es.

Der Taliban-Führer Omar erneuerte in einem Interview für die polnische Wochenzeitung "Wprost" seine Drohungen gegen die USA. Wenn die Bombardements nicht beendet würden, könnten "unsere amerikanischen Feinde nicht eine Nacht mehr in Frieden schlafen". Afghanistan werde befreit. "Wir bleiben in Kandahar, aber wir werden andere Orte angreifen. In Afghanistan gibt es 40 000 gut ausgerüstete Taliban, die ungeduldig auf den Kampf warten."

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