Talsohle im Winter durchschritten
Eichel ermutigt Verbraucher

Fünf Wochen vor Weihnachten ermutigt Bundesfinanzminister Hans Eichel die Verbraucher angesichts trüber Konjunkturaussichten und schlechter Arbeitsmarktprognosen zum Konsum. In der aktuellen Situation sei wichtig, dass sich niemand verunsichern lasse, sagte der Minister Medienberichten zu Folge.

dpa-afx HAMBURG. Die Bürger sollten zwar nicht wahllos Geld ausgeben, aber: "Wenn ihr ein Auto kaufen wollt: kauft es. Wenn ihr ein Haus bauen wollt: baut es", sagte Eichel.

Als wichtigstes Argument führte er die relativ zuversichtlichen Prognosen der Bundesregierung zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung an. "Es läuft manches besser als erwartet", betonte der Minister. "Die Zinsen sind gesunken, der Ölpreis ist wieder sehr niedrig. Der Autoabsatz ist gerade stark gestiegen. Außerdem sinkt die Inflationsrate."

Daher rechnet Eichel ungeachtet pessimistischer Vorhersagen - beispielsweise der fünf "Weisen" - weiterhin zum Frühjahr mit einer Belebung der deutschen Wirtschaft. "Die Talsohle ist im Winter durchschritten", sagte er der "Welt am Sonntag". "Ich bin sicher, im nächsten Jahr geht es mit der Wirtschaft wieder aufwärts."

Dagegen unterstrich der "Wirtschafts-Weise" und Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Horst Siebert, die skeptische Position, die der Sachverständigenrat in seinem Gutachten in der vorigen Woche veröffentlicht hatte. Deutschland stecke bereits in einer leichten Rezession. "Sowohl das dritte als auch das vierte Quartal dieses Jahres schließen mit einem leichten Minus ab, mit steigender Tendenz", sagte er der "Welt am Sonntag".

Während Eichel auch am Arbeitsmarkt im kommenden Jahr wieder mit Entspannung rechnet, sieht es nach Sieberts Einschätzung düster aus. Sorgen macht dem Experten vor allem eine steigende Sockelarbeitslosigkeit. "Wann immer es der Wirtschaft schlecht geht, werden mehr Jobs gestrichen als in Aufschwungphasen neu entstehen." Im 1. Quartal 2002 würden sogar rund 4,2 Millionen Personen ohne Arbeit sein.

Unterdessen machte sich der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit (BA), Bernhard Jagoda, dafür stark, die schwachen Konjunkturprognosen nicht tatenlos hinzunehmen. "Wir sind nicht verpflichtet, im Jahr 2002 den Kopf in den Sand zu stecken", sagte Jagoda auf einer DGB-Veranstaltung am Samstag in Nürnberg.

Die fünf "Wirtschafts-Weisen" gehen in ihrem in der vergangenen Woche veröffentlichten Bericht im nächsten Jahr von einem realen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um rund 0,7 % aus. Damit liegt das Gremium deutlich unter der Schätzung der Bundesregierung von rund 1,25 %. Auch die Prognosen der Arbeitslosenzahlen liegen auseinander. So rechnet die Bundesregierung mit 3,89 Millionen Menschen ohne Arbeit, während der Sachverständigenrat von 3,96 Millionen ausgeht.

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