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Tango in Paris - Drei «Gauchos» gegen Henman

Paris (dpa) - Auf dem roten Sand der French Open wird in diesem Jahr Tango getanzt. Erstmals in der Grand-Slam-Geschichte stehen drei Argentinier im Halbfinale von Paris.

Paris (dpa) - Auf dem roten Sand der French Open wird in diesem Jahr Tango getanzt. Erstmals in der Grand-Slam-Geschichte stehen drei Argentinier im Halbfinale von Paris.

David Nalbandian, Gaston Gaudio und Guillermo Coria sind auf der Jagd nach dem ersten großen Sandplatz-Titel für ihr Land seit Guillermo Vilas 1977. Keiner der solide ausgebildeten und mental starken «Gauchos» hat je zuvor ein Grand-Slam-Turnier gewonnen. «Drei Argentinier und ein Brite im Halbfinale - darauf hätte man vor dem Turnier lukrative Wetten abschließen können», sagte Tim Henman, der britische Exot in der Runde der letzten Vier.

Wer jetzt Wetten auf den Turniersieg von Henman abschließen würde, wäre nicht gut beraten. Der Serve-and-Volley-Spezialist hat das erste Grand-Slam-Halbfinale außerhalb von Wimbledon erreicht und muss nun gegen Coria antreten. Der 1,75 Meter große «Sandfloh» mit dem ausgeprägten Selbstbewusstsein hat seit einem Jahr nur ein Match auf Sand verloren - gegen Roger Federer im Finale von Hamburg. Und er spuckt große Töne: «Es reicht mir nicht, im Halbfinale zu siegen. Ich will die French Open gewinnen», sagte der 22-Jährige. Im letzten Jahr hatte ihm im Halbfinale der Niederländer Martin Verkerk den Weg versperrt - ein Angriffsspieler wie Henman.



Coria bekam als Vornamen Guillermo, weil sein Vater ein Vilas-Fan war. Als das Idol der Argentinier Ende der siebziger Jahre vier Grand-Slam-Turniere gewann, schossen die Tennisplätze wie Pilze aus dem Boden. Doch der noch immer langhaarige Vilas, der sich mit anderen alten Tennis-Hasen dieser Tage wieder in Paris tummelt, hat sich rar gemacht in der Heimat. Er fühlt sich nicht anerkannt und zieht es vor, eine Tennisschule in der Dominikanischen Republik zu betreiben.

Anders Gabriela Sabatini. Die US-Open-Siegerin von 1990 hat viel Geld für den Nachwuchs gespendet, denn nach ihrem Rücktritt 1996 war es stetig bergab gegangen mit dem Tennis in Argentinien. Es gab keine Konzepte, die Jugendarbeit lag brach. «Es kam vor, dass wir einen Monat lang in Europa auf das nächste Turnier warten mussten, weil wir kein Geld für den Heimflug hatten», erzählte Gaston Gaudio, der einzige ungesetzte Spieler unter den letzten Vier.

Gaudio hatte mit einem Sieg über den Australier Lleyton Hewitt das erste Grand-Slam-Halbfinale seiner Karriere erreicht, vergaß in der Stunde seines größten Erfolges aber auch die Fans zu Hause nicht. «Sie haben die schwere Wirtschaftskrise in Argentinien überstanden. Vielleicht können wir ihnen jetzt ein bisschen Kraft geben», meinte Gaudio.

Auch Nalbandian war nach seinem Erfolg gegen Publikumsliebling Gustavo Kuerten aus Brasilien aus dem Häuschen: «Das ist unglaublich, denn Guga ist hier der local hero», meinte der Wimbledonfinalist von 2002 und machte eine für alle nachvollziehbare Rechnung auf: «Unsere Chancen, den Titel nach Argentinien zu holen, stehen bei 75 Prozent.»

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