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«Tannhäuser» - Bayreuther Sängerkrieg als Singspiel

Bayreuth (dpa) - Der Kontrast hätte nicht größer sein können: Einen Tag nach Christoph Schlingensiefs kompliziertem, symbolbeladenen «Parsifal» präsentierte sich «Tannhäuser» im Bayreuther Festspielhaus als schlichtes Singspiel in bunten Kulissen.

Bayreuth (dpa) - Der Kontrast hätte nicht größer sein können: Einen Tag nach Christoph Schlingensiefs kompliziertem, symbolbeladenen «Parsifal» präsentierte sich «Tannhäuser» im Bayreuther Festspielhaus als schlichtes Singspiel in bunten Kulissen.

Zwar hat Regisseur Philippe Arlaud seine Inszenierung im dritten Jahr etwas nachgebessert, doch blieb der Eindruck statischer Monotonie über weite Strecken bestehen. Ein engagiertes Sängerensemble und der machtvolle Festspielchor entschädigten jedoch reichlich für die kraftlose Regie.

Allen voran Bayreuth-Debütant Stephen Gould in der Titelrolle bewies enormes Potenzial. Zwar sang der Amerikaner gelegentlich etwas undifferenziert und traf auch nicht immer den richtigen Ton, doch stemmte er die schwere Partie mit beeindruckender Leichtigkeit. Seine Rom-Erzählung im dritten Akt geriet zum dramatischen Höhepunkt - ein dem Wahnsinn naher Tannhäuser, vom Papst verdammt, sucht den Weg zurück in den Venusberg, ehe ihm in letzter Sekunde Rettung zuteil wird.

Überhaupt gewinnt die Aufführung im Schlussteil an Kraft und Intensität. Bis dorthin ist es aber ein weiter Weg, den der Regisseur vor allem mit Arme fuchteln, Schwerter schwingen und zähen Grußzeremonien überbrückt. Wären nicht die farbenfrohen, wenn auch beliebigen Bühnenbilder, es entstünde bisweilen fast der Eindruck einer konzertanten Aufführung.

Immerhin, in der Anfangsszene im Venusberg lässt Arlaud nun wenigstens ein erotisches Flämmchen zwischen Venus (temperamentvoll: Judit Nemeth) und Tannhäuser knistern. Doch da ist der Sänger schon entschlossen zur Rückkehr in die Welt der Menschen. Kaum angekommen, entsinnt er sich aber doch wieder der Freuden im Venusberg - was den Kollegen Minnesängern, die die Liebe zwar besingen, aber nicht kennen, gar nicht gefällt.

Zwar hängen die Frauen hingerissen an Tannhäusers Lippen, während er die Wonnen der Liebe preist, der Männergesellschaft aber passt das gar nicht. Man schickt die Frauen hinaus, und nur die Fürsprache Elisabeths rettet Tannhäuser vor dem Tod. Ricarda Merbeth verlieh der «frommen Dulderin» einen lyrischen, eindringlichen Sopran. Die Zuverlässigkeit in Person war erneut Roman Trekel als Wolfram von Eschenbach, was auch für Kwangchul Youn in der Rolle des Landgrafen galt.

Christian Thielemann am Dirigentenpult sorgte mit dem Festspielorchester für einen breit und mächtig dahinfließenden Klangstrom, machte aber auch die feinen musikalischen Strukturen deutlich - allerdings war manche Unebenheit ebenfalls nicht zu überhören. Das Publikum dankte gleichwohl mit frenetischem Applaus, der gleichermaßen dem gewohnt stimmgewaltigen Festspielchor galt.

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