Archiv
Tanz-Muffel Federer im erlauchten KreisDPA-Datum: 2004-07-05 12:50:16

London (dpa) - Roger Federer sank auf die Knie, die Tränen kullerten ihm übers Gesicht. Er hatte nicht geahnt, wie schwer es sein würde, seinen Wimbledon-Titel zu verteidigen.

London (dpa) - Roger Federer sank auf die Knie, die Tränen kullerten ihm übers Gesicht. Er hatte nicht geahnt, wie schwer es sein würde, seinen Wimbledon-Titel zu verteidigen.

Als das entscheidende Ass im Endspiel der 118. All England Championships zum 4:6, 7:5, 7:6 (7:3), 6:4 gegen den amerikanischen Draufgänger Andy Roddick nach zweieinhalbstündiger Berg- und Talfahrt auf dem «Heiligen Rasen» gelandet und sein zweiter Triumph unter Dach und Fach gebracht war, entluden sich die Emotionen bei dem Schweizer denn auch heftiger als vor einem Jahr.

«Es war ein unglaubliches Gefühl», beschrieb er den Moment, in dem der Jubel der 13 800 Zuschauer auf dem Center Court aufbrandete. «Ich war wahnsinnig erleichtert», erzählte der Schweizer, der nun zum erlauchten Kreis der sieben erfolgreichen Titelverteidiger zählt - wie auch Boris Becker und der siebenmalige Champion Pete Sampras, mit dem ihn ohnehin schon viele vergleichen. Mit dem Siegpunkt war der Druck von ihm abgefallen, der sein Spiel im Finale gelähmt hatte.

Nervöser als sonst, sei er gewesen, und schon «mit kalten Händen» auf den Platz gekommen, sagte der noch immer trainerlose Federer. Zwar versuchte er, kühl und ruhig zu wirken, sein hochmotivierter Kontrahent aber spürte, dass gegen den nun schon seit 24 Spielen auf Rasen unbesiegten Eidgenossen an diesem Tag mehr als eine Statisten- Rolle für ihn übrig war. «Andy hat unglaublich aggressiv gespielt. Und ich war überrascht, wie stark er auf der Rückhandseite war», gestand der Schweizer. «Dass ich trotzdem gewonnen habe, macht mich unheimlich stolz.»

Die beiden Regenpausen nutzte er zur Manöverkritik und erkannte: «Ich muss etwas ändern, mehr riskieren und konsequenter ans Netz kommen.» Ein probates Rezept, dem Spiel gegen den starken Roddick («Ich habe bis zum letzten gekämpft») eine Wende zu geben. «Der Meister der dunklen Künste wird verzaubert durch den Mann mit dem magischen Schläger», schrieb die englische Zeitung «The Independent». «Wer Roger Federer derzeit zuschaut, muss vermuten, das Selbstvertrauen des 22-Jährigen sei aus Panzerglas», stellte der Schweizer «Bund» fest.

Fast wäre der Champion aber doch von der Last der Erwartungen erdrückt worden: «Dass Federer verliert, galt ja schon als Wunder», meinte Federer. Die «Berner Zeitung» machte am Montag das Dilemma des Tennis-Genies deutlich. Der Ausnahmekönner dominiere seine Gegner fast nach Belieben: «Aber das wird nicht zum Normalzustand werden, obwohl man Federer-Siege vor allem in der Schweizer Öffentlichkeit schon fast gelangweilt zur Kenntnis nimmt. Und das ist eigentlich ein wenig zu bedauern, denn Federer ist ein Tennis-Juwel.»

Und ein begehrter junger Mann. Wimbledonsiegerin Maria Scharapowa, 17 Jahre altes Fräuleinwunder aus Russland mit Model-Vertrag, hatte sich bei ihrem ersten Auftritt beim Ball der Champions auf einen Tanz mit dem 22-Jährigen gefreut. Doch der ausgewiesene Nicht-Tänzer verdrehte nur die Augen und meinte spitzbübisch: «Wieso, beim Champions-Dinner wird doch gar nicht mehr getanzt.»

Ob Tanz oder nicht Tanz: Am Morgen danach wartete schon sehr früh ein Wagen des All England Clubs auf den zweimaligen Titelträger, denn spätestens am Mittwoch steht Federer beim Heimturnier in Gstaad schon wieder auf dem Platz. Auf Sand ist der Hagener Tomas Behrend sein Auftaktgegner. Eine alte Bekannte wird der Weltranglisten-Erste dann auch wiedersehen. «Juliette hat ein Baby bekommen», berichtete Federer über Familienzuwachs bei seiner Kuh, die er nach dem ersten Wimbledonsieg im vergangenen Jahr geschenkt bekommen hatte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%