Tarifabschluss
„Theoretisches Gerede“

Als die übernächtigten Chefs von IG Metall und Arbeitgebern am Samstag das Ergebnis ihres Tarifpokers verkündeten, war Rolf Meyer gerade am anderen Ende der Welt. Was der Metall-Tarfiabschluss mit Pink Floyd zu tun hat.

BERLIN. Der Geschäftsführer der Sennheiser electronic GmbH & Co. KG hatte Kundengespräche in Los Angeles zu führen - zum Beispiel mit Pink-Floyd-Gitarrist David Gilmour und mit Vertretern großer US-Rundfunkgesellschaften, die Audiotechnik des Unternehmens aus Wennebostel/Niedersachsen nutzen.

Meyers Reaktion, als die ersten Tarif-Meldungen auf sein Laptop flimmerten: "Nicht bestürzt, aber erheblich enttäuscht." Damit bringt er die dominierende Stimmungslage in der Metall- und Elektroindustrie auf den Punkt: Angesichts der Konjunkturbelebung im Inland war zwar kaum zu erwarten, dass die Arbeitgeber-Unterhändler der mächtigen IG Metall einen Lohnabschluss von deutlich unter drei Prozent abringen könnten. Trotzdem schüttelt man den Kopf - Inlandskonjunkturen sind für die weltmarktorientierte Branche mittlerweile ein ziemlich fremder Maßstab.

Zum Beispiel für eine Firma wie Sennheiser, die kaum noch ein Sechstel des Umsatzes im Inland macht. Zwar sind von 1 600 Beschäftigten noch etwa 60 Prozent an den zwei deutschen Standorten tätig, doch gerade die Fertigung läuft schon zu großen Teilen in Irland und New Mexico. "Da kennt man die Kostenstrukturen im weltweiten Vergleich", sagt Meyer und ergänzt: "In der USA haben wir bei den Lohnkosten in den gesamten fünf Jahren seit 2000 eine Erhöhung von drei Prozent gehabt." Hier zu Lande stehe dagegen 2007 schon wieder die nächste Lohnrunde an.

Nun ist Sennheiser am Weltmarkt einstweilen erfolgreich genug, um durch das Tarifergebnis vom Wochenende nicht in Schwierigkeiten zu geraten - zumal die Firmenstrategie auf langfristigen Erfolg und nicht auf Quartalszahlen ausgerichtet sei, wie Meyer betont. Im Übrigen erhalten die Mitarbeiter längst ein erfolgsabhängiges Weihnachtsgeld, das bis auf den Wert eines vollen Monatslohns steigen kann, während der Metall-Tarifvertrag nur ein Einheitsniveau von 55 Prozent vorsieht.

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