Tarifanhebung "kontraproduktiv"
Keine Luft in den Flugpreisen

Die in Folge der Terroranschläge in den USA unter Druck geratenen Fluggesellschaften werden nach Einschätzung von Luftfahrtexperten und Analysten große Mühe haben, höhere Flugpreise am Markt durchzusetzen.

DÜSSELDORF. Undenkbar sei auch, dass die Airlines generell über Absprachen ihre Tickets teurer machten; dies würde in jedem Fall die Kartellwächter auf den Plan rufen. Als erste der großen internationalen Gesellschaften hatte Lufthansa gestern Preiserhöhungen auf breiter Front angekündigt.

Vor dem Hintergrund der erheblichen Buchungsrückgänge bei den Airlines sei es "sicherlich der falsche Zeitpunkt, über Preiserhöhungen zu reden", sagte Ralf Hallmann, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin, dem Handelsblatt. Jörg Krämer von Invesco wurde noch deutlicher: "Hauptproblem der Airlines ist die niedrige Auslastung. Wer jetzt die Preise erhöht, handelt kontraproduktiv und katapultiert sich aus dem Markt."

Nach entsprechenden Äußerungen von Lufthansa-Vorstandschef Jürgen Weber und Passage-Vorstand Wolfgang Mayrhuber am späten Mittwochabend bestätigte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag auf Anfrage, dass die deutsche Airline "nicht um massive Preiserhöhungen herum kommt". Über Höhe und Zeitpunkt der Tarifanhebungen sei aber derzeit noch nichts zu sagen.

Jedenfalls sehe Lufthansa zurzeit noch nicht quantifizierbare Mehrkosten durch höhere Versicherungsprämien und Investitionen für eine Steigerung des Sicherheitsstandards in den Maschinen auf sich zukommen. Diese Belastungen könne die Fluggesellschaft nicht auffangen. Nach einer "klaren Marktanalyse" sei die Kranich-Airline davon überzeugt, Preiserhöhungen auch durchsetzen zu können.

Bei British Airways ist eine Anhebung der Ticketpreise derzeit nicht geplant. "Was im Markt möglich ist, muss sich noch zeigen", sagte eine Sprecherin. Vorstellbar seien auch Preissenkungen, um die Jets voll zu bekommen.

Auch Karl-Heinz Neumeister, Generalsekretär der Association of European Airlines (AEA) in Brüssel, ist gegenüber Tarifanhebungen skeptisch: "Ich habe es in vielen Krisen noch nicht erlebt, dass das funktioniert, obwohl es der gesunde Menschenverstand gebieten würde." Dieter Schneiderbauer, Airline-Experte der Münchener Beratungsfirma Mercer Management Consulting, erwartet, dass es künftig in der Touristenklasse der Jets "noch mehr Schnäppchen" gebe. Die Fluggesellschaften würden auf die reduzierte Nachfrage mit dem branchenüblichen "Yield-Management" reagieren und über Billigtickets für leere Sitze den Ertrag zu steigern suchen. Wenn das dazu führe, dass beim Vollzahler "abkassiert" werde, "beteiligt man ihn an der Krise" und verschärfe nur die Situation. Vielmehr müsse das Fliegen nun auch für die voll zahlenden Business-Fluggäste günstiger werden, um die leeren Sitze zu füllen, schlägt der Hochschullehrer und Consultant Peter Wolf vom Airport Research Center der RWTH Aachen vor.

Martin Gaebges, Generalsekretär des Board of Airline Representatives in Germany (Barig) der 106 nach Deutschland fliegenden Fluggesellschaften, stellte gegenüber dem Handelsblatt Überlegungen über eine "sachgerechte Zuordnung" zusätzlicher Kosten für die Sicherheit an Bord an. Man müsse fragen, ob diese von den Passagieren zu tragen seien oder "ob nicht auch die Flughäfen und der Staat daran zu beteiligen sind".

Auch Analyst Uwe Weinreich von der Hypo-Vereinsbank will zusätzliche Kosten für die Sicherheit nicht auf den Ticketpreis aufschlagen; diese müsse der Staat tragen, denn "der Bürger hat ein Recht auf Sicherheit".

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