Tarifdschungel zu erwarten
Nur wenig Ortsnetz-Konkurrenz für Telekom

Nur rund eine Hand voll Anbieter werden der Deutschen Telekom ab Freitag Konkurrenz bei Ortsgesprächen machen - und das mit Preisen, die nicht immer unter denen des früheren Monopolisten liegen.

Reuters BERLIN. Annähernd flächendeckende Angebote kündigten am Donnerstag die Telefongesellschaften Arcor, 01051 Telecom und Tele2 an. Weitere Anbieter wie die freenet.de AG starten ihre Dienste zunächst in ausgewählten Ortsnetzen. Mit Einführungspreisen von zum Teil einem Cent pro Minute locken die neuen Wettbewerber, bieten oft aber verschiedene Tarife zu verschiedenen Zeiten an, die nicht immer günstiger sind als die der Telekom. Der Kunde wird sich ähnlich wie bei der Liberalisierung der Fern- und Auslandsgespräche im Jahr 1998 wohl durch einen Tarifdschungel wühlen müssen, um das jeweils günstigste Angebot zu finden.

Ab Freitag, 00.00 Uhr, gibt es auch für Ortsgespräche das so genannte Call-by-Call-Verfahren. Dabei können Kunden vor jedem Gespräch per Vorwahl die Telefongesellschaft selbst bestimmen und so den günstigsten Tarif auswählen. Ab dem 9. Juli können Telefonkunden ihren Anschluss auch fest für Ortsgespräche auf einen ausgewählten Anbieter einstellen lassen (Preselect).

Neue Preise variieren zwischen einem und 4,5 Cent

Die Preise für Ortsgespräche über die Telekom variieren zwischen 1,6 und sechs Cent, die der neuen Anbieter zwischen einem und 4,5 Cent. So geht der zur britischen Vodafone gehörende Anbieter Arcor mit gestaffelten Tarifen an den Start: In der Hauptzeit (Montag bis Freitag 7 bis 18 Uhr) kostet ein Gespräch 4,5 Cent und in der Nebenzeit (20 bis 7 Uhr) 1,7 Cent pro Minute. Im "Freizeittarif" (18 bis 20 Uhr) verlangt Arcor 3,1 Cent, an Wochenenden und Feiertagen 1,49 Cent. "Die 'Call-by-Call'-Nutzer sind eine stabile Gruppe und wir rechnen damit, dass die Angebote auch im Ortsnetz genutzt werden", sagte Arcor-Sprecher Michael Peter. "Wir starten flächendeckend mit einer klitzekleinen Einschränkung." In etwa 30 Ortsnetzen gebe es noch technische Probleme, die aber bis Montag beseitigt sein sollten.

Mit einem großen Kundeninteresse rechnet auch der schwedische Anbieter Tele2. "Der Riesenrummel in der Presse in den letzten Tagen wird sicherlich viele dazu bringen, es einfach einmal auszuprobieren", sagte Geschäftsführer Roman Schwarz. Tele2 bietet Ortsgespräche werktags zwischen 7 und 19 Uhr für 3,09 Cent pro Minute an. In der übrigen Zeit und an Wochenenden kostet das Telefonieren mit Tele2 1,59 Cent. Auch die 01051 Telecom GmbH geht am Freitag fast flächendeckend an den Start. 97 Prozent aller Festnetz-Kunden der Telekom können nach Angaben von Geschäftsleiter Thomas Rühmer für ein Cent pro Minute rund um die Uhr im Ortsnetz telefonieren.

Regulierer entscheidet über Infrastrukturabgabe

Die Deutsche Telekom rechnet in den kommenden Wochen mit rund 20 Wettbewerbern, die Ortsgespräche im Call-by-Call-System anbieten wollen. Der Umsatz des Konzerns würde durch die Liberalisierung des Ortsnetzes nur in niedriger zweistelliger Millionen-Höhe sinken, hatte Vorstand Josef Brauner bereits angekündigt.

Branchenexperten erwarten auch keine dramatischen Preisstürze, wie es sie 1998 bei Fern- und Auslandsgesprächen nach dem Start Liberalisierung des deutschen Telefonmarktes gegeben hatte. Ungeklärt ist auch noch die Frage, ob die Wettbewerber für die Nutzung der Infrastruktur der Deutschen Telekom über die genehmigten Verbindungspreise hinaus eine zusätzliche Infrastrukturabgabe von 0,3 Cent pro Minute zahlen müssen, wie es die Telekom verlangt. Über diese Forderung will die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post in der kommenden Woche entscheiden.

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