Tarifeinigung bei VW
VW und IG Metall meiden Wolfsburger Sonderweg

Für die 105 000 VW-Beschäftigten in Westdeutschland haben Unternehmen und IG Metall einen Haustarifvertrag abgeschlossen, mit dem beide Seiten leben können.

dpa HANNOVER. An zwei Daten gab es bei VW kein Vorbeikommen: Die im Frühsommer beim Metall-Abschluss vereinbarten Einkommensverbesserungen von 3,1 und 2,6 % mussten sich auch im Haustarifvertrag des Autobauers wiederfinden. Die bei VW in dem Umfang nicht benötigten Bestandteile für die einheitliche Bezahlung von Arbeitern und Angestellten wurden zur Manövriermasse. Das Feld gehörte den Rechenkünstlern. Herausgekommen ist für die knapp 105 000 westdeutschen VW-Beschäftigten der übliche Kompromiss, mit dem beide Seiten leben können: VW deshalb, weil die Laufzeit mit 24 Monaten länger ist als bei der Konkurrenz und bis Ende September 2004 eine sichere Planung ermöglicht. Die Gewerkschaft, weil das Volumen dem Branchenabschluss entspricht.

Zwar erwogen, aber letztlich gescheut haben beide Seiten einen VW - Sonderweg mit einem Vertrag, der auf ein Jahr befristet ist. Der Vorteil wäre gewesen, dass damit das für 2002 erwartete nochmals gute VW-Ergebnis ebenso wie die unsichere Autokonjunktur 2003 hätte berücksichtigt werden können. Er hätte aber auch Risiken bedeutet: VW hätte bei deutlich anziehender Konjunktur mit entsprechend höheren Forderungen der IG Metall und letztlich einem über der Branche liegenden Abschluss 2003 rechnen müssen. Die Gewerkschaft lief Gefahr, bei anhaltender Konjunkturschwäche 2003 Gegenforderungen des Unternehmens zur Beschäftigungssicherung zu bekommen. Also wählten beide Seiten den kalkulierbaren Weg des Zwei-Jahres-Vertrages.

Allerdings birgt der auf den zweiten Blick vor allem für die Arbeitnehmer durchaus Risiken. Denn gerade der derzeit aktuelle Produktionsrückgang verschärft den ohnehin harten konzerninternen Wettbewerb der Standorte um den Bau von Autos. Dabei verteuern vor allem prozentuale Erhöhungen der Entgelte in Deutschland die Kosten, da sie stetig den Lohn- und Gehaltssockel als Basis für künftige Einkommensrunden erhöhen. "Eigentlich müsste man fünf Jahre auf prozentuale Anhebungen verzichten und dafür mit einmaligen Pauschalzahlungen arbeiten", räumt ein Gewerkschafter hinter vorgehaltener Hand ein.

Tatsächlich hat zum Beispiel das Werk Emden schleichend Teile der Passat-Produktion an günstigere Standorte verloren. Der Minivan Touran ging nur durch das Pilotprojekt 5000x5000 nach Wolfsburg statt nach Portugal. Doch auch diese neue Tarifrunde hat den Abstand zu den bis 2005 festgelegten Entgelten von 5000x5000 nochmals deutlich vergrößert. Und während die Gewerkschaft darauf baut, das Tarifmodell lediglich als Einstiegszone für den besser dotierten Haustarif zu nutzen, zieht das Unternehmen den Umkehrschluss: Der teure Haustarif muss sich dem stark am Unternehmenserfolg orientierten Modell 5000x5000 anpassen. Insofern passt der auf 24 Monate abgeschlossene neue VW-Entgelttarifvertrag genau in den Plan: Im Herbst 2004 lässt sich Erfolg oder Misserfolg von 5000x5000 absehen. Dann erst wird die Arbeit für die Tarifparteien bei VW wirklich schwierig.

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